Die Arbeit für Friseure ist kompliziert geworden.Foto: ALBERTO PIZZOLI/AFP via Getty Images

Aufregung um „unverschämte“ Corona-Pauschalen: Hygienevorschriften treiben Preise beim Friseur in die Höhe

Von 25. Mai 2020 Aktualisiert: 25. Mai 2020 21:18
Gesichtsmasken, Plexiglasschutz, Händedesinfektion. Seit der Corona-Krise wird auch bei den Friseuren aufgrund der Verordnungen Hygiene großgeschrieben.

Dass die Kunden dafür tiefer in die Taschen greifen müssen, weil die Friseure die entsprechenden Kosten auf die Preise umlegen, scheint verständlich. In den sozialen Medien verschlägt es jedoch nun doch einigen Haarschnittwilligen die Sprache. Denn dort wurde sage und schreibe eine Corona-Pauschale von 21 Euro für einen Friseurbesuch am 5. Mai berechnet. „Abzocke“, schimpft jemand auf Twitter darüber.


Ein anderer meint: „Unverschämtheit. Mein Friseur nimmt 26 Euro. Nix Corona-Pauschale.“

Ein Dritter schreibt: „Und ich dachte, die 10 Euro Corona-Pauschale, die mir abgeknöpft wurden, waren frech.“

Eine Nachfrage beim Verbands Deutscher Friseurunternehmen e.V. (VDF) in Potsdam ergab, dass ein Preisanstieg von ein bis zwei Euro für die Hygienebedingungen üblich zu sein scheint. Allerdings gebe es einige zusätzliche vorgeschriebene Leistungen, die den Handwerksbetrieben „aufgebrummt“ wurden, sagte VDF-Sprecherin Dorrit Mai gegenüber Epoch Times.

Mehr als Waschen, Schneiden, Föhnen

Die Auflagen haben die Friseure besonders hart getroffen, sagte Mai. Nicht nur, dass der Arbeitsplatz für jeden Kunden desinfiziert werden müsse und ein Mund-Nasen-Schutz notwendig sei, auch die Gesundheitsämter hätten nach Angaben der VDF-Sprecherin in den ersten Tagen nach der Wiederöffnung penibel kontrolliert. Dabei haben die Kunden den Salons geradezu „die Bude eingerannt“. Zu lange mussten sie auf ihren Haarschnitt verzichten. Auch der Haaransatz vieler Kundinnen verlangte nach einer neuen Farbe.

Der Arbeitsaufwand beim Haarfärben in Corona-Zeiten ist nicht ganz unerheblich. Denn anders als vor der Verbreitung von SARS-CoV-2 darf die Farbe nicht auf das trockene Haar aufgetragen werden. Generell dürfen die Friseure nur am gewaschenen Haar arbeiten. Das bedeutet auch, dass es keinen Trockenhaarschnitt mehr gibt.

„Es kann derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass Corona-Viren sich an Haaren anlagern und weitergegeben werden. Bei jedem Kunden, bei jeder Kundin müssen deshalb zu Beginn die Haare gewaschen werden. Beschäftigte tragen verpflichtend Einmalhandschuhe – von der Begrüßung der Kundschaft bis nach dem obligatorischen Haarewaschen“, heißt es im SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard für das Friseurhandwerk der Berufsgenossenschaft vom 20. Mai 2020.

Bei hochwertigen Haarfärbeprodukten bedeute dies: Haare waschen – um die Viren abzuspülen – Haare föhnen, Kopfhautschutz auftragen, Farbe verteilen, einwirken lassen und wieder ab zum Waschen. „Das kostet Zeit“, erklärt Mai. Und so entstünden im Friseurhandwerk mehr Kosten.

Hohe Nachfrage, aber fehlende Kinderbetreuung

Trotz Mehrkosten gebe es eine große Nachfrage. Aber nicht alle Friseure können die Wünsche ihrer Kunden erfüllen. Aufgrund geschlossener Kitas und eingeschränkter Schulöffnungen sind nicht alle von ihnen zurück am Arbeitsplatz.

Eine Lösung wäre insoweit eine Sonntagsregelung gewesen. Denn gerade Kundinnen würden sich gerne von ihren Lieblingsfriseurinnen behandeln lassen, betont Mai. Aber öffnen dürfen die Friseursalons sonntags nicht – und nach Ansicht der Regierung seien sie auch nicht „systemrelevant“.

Selbst wenn alle Friseure wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehrten, so könnten sie trotzdem wegen der Abstandsregeln weniger Kunden bedienen. Allein dieser Umstand sorge schon für Umsatzeinbußen des Salons.

Neue Umhänge für den Salon

Auch die Umhänge, die den Kunden angelegt wurden, müssen nun nach jedem Arbeitsgang gewechselt werden. Laut geltenden Corona-Hygienevorschriften sollen diese als Arbeitsschutz-Oberbekleidung geltenden Umhänge bei mindestens 60 Grad mit Vollwaschmittel gewaschen werden. Aber manche Umhänge vertragen derartige Temperaturen aufgrund ihrer Beschaffenheit nicht. Viele Salons mussten daher auf Einmalumhänge ausweichen oder entsprechend waschbare Umhänge anschaffen.

Weiterhin gelte: Die Umhänge dürfen nur – ebenso wie die von den Friseuren bei der Arbeit getragene Bekleidung – im Salon gewaschen werden. Damit sollen Infektionsherde vermieden werden.

Zumindest eine Frage bleibt in all dem Hygienewirrwarr für die Friseure unbeantwortet: „Wenn wir ständig die Umhänge bei 60 Grad waschen müssen, was ist dann mit dem Textileinzelhandel? Müssen dort die Verkäuferinnen die anprobierten Teile auch gesondert behandelt und waschen, bevor der nächste Kunde sie anprobiert?“, fragt Dorrit Mai.

Stabile Preise im Friseurhandwerk

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Verglichen mit den Preissteigerungen in anderen Handwerksbetrieben, wie bei den Malern oder im Baugewerbe, blieben die Preise bei den Friseuren in den vergangenen Jahren stabil. Und jetzt, wo die Hygieneauflagen die Kosten ein wenig in die Höhe treiben, kämen die Salons aufgrund von irgendwelchen Kassenzetteln, die auf Twitter geteilt werden, in Verruf – „zu Unrecht“, sagt die Verbandssprecherin.

Zu der Corona-Pauschale von 21 Euro konnte sie sich nicht äußern, da zu wenige Informationen des Unternehmens vorliegen. So sei aus der veröffentlichten Rechnung nicht ersichtlich, ob mit der Corona-Pauschale etwaige erbrachte Leistungen abgegolten wurden. Das sei „ungeschickt“. Insoweit empfiehlt Dorrit Mai den Saloninhabern, die einzelnen Leistungen, die von der Pauschale umfasst sind, auch auf der Rechnung aufzulisten, um Missverständnisse vorzubeugen.

Eine Anfrage von Epoch Times bei dem betroffenen Friseursalon am Bodensee, wie sich die Corona-Pauschale zusammensetzt, blieb bislang unbeantwortet.