Bloomberg: Huawei schuf Sicherheitslücken im italienischen Telefonnetz – Vodafone dementiert

Von 30. April 2019 Aktualisiert: 1. Mai 2019 9:25
Wie erst jetzt bekannt wurde, soll der Vodafone-Konzern bereits in den Jahren 2009 bis 2011 Kenntnis über Sicherheitslücken in Huawei-Komponenten für Internetrouter und Festnetz gehabt haben, die den Chinesen Zugriff auf sensible Kundendaten ermöglicht hätten. Trotz Zusage seien diese nicht umgehend beseitigt worden.

Für den Vorzeige-Telekommunikationskonzern der Volksrepublik China kommen die jüngsten Enthüllungen des Bloomberg-News-Reporters Daniele Lepido zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Während Huawei versucht, im Wege einer Beteiligung am Aufbau des Mobilfunkstandards 5G eine weitere weitreichende Marktposition im Westen zu erobern, muss sein Wunschpartner Vodafone einräumen, Hinweise auf Sicherheitslücken in Huawei-Produkten gefunden zu haben.

Die Vorfälle liegen bereits mehrere Jahre zurück und mittlerweile seien die Probleme beseitigt. Auch sei kein Schaden entstanden. Dennoch dürften sich all jene Mahner in den USA und Europa durch die Nachrichten bestätigt fühlen, die bereits seit Jahr und Tag davor warnen, dass ein Zugriff Huaweis auf kritische Infrastruktur ihrer Staaten der Spionage und weiteren feindseligen Akten vonseiten des Regimes in Peking Tür und Tor öffnen könnte.

Huawei hatte stets betont, das Unternehmen agiere völlig unabhängig von der Regierung der Volksrepublik China und seine Produkte stellten keinerlei Sicherheitsrisiko dar. Die USA sind da anderer Meinung. Die Regierung in Washington hat bereits vor einem Jahr den Einsatz von Technologie des Konzerns in Bundesbehörden untersagt.

Gefährliche Schwachstellen in mindestens 15 Fällen

Polen hat vor wenigen Wochen nach dem Spionageskandal um einen führenden Vertriebsmitarbeiter Huawei die Tür gewiesen und fordert jetzt eine NATO-weit abgestimmte Vorgehensweise.

Nun ist Bloomberg-Reporter Lepido in den Besitz von Briefing-Dokumenten von Vodafone gekommen, aus denen hervorgeht, dass der in London ansässige Konzern bereits 2009 auf Sicherheitslücken gestoßen sei, die einen Zugriff Huaweis auf das stationäre italienische Telefonnetz ermöglicht hätten. Dies hat der Konzern mittlerweile auch gegenüber Bloomberg zugegeben.

Was erschwerend dazukommt, ist, dass weitere Dokumente belegen, wie die von Huawei produzierten Internetrouter bei Tests auch noch 2011 die Lücken aufgewiesen hätten, obwohl das Unternehmen zuvor versichert hatte, dass diese beseitigt worden seien. In mindestens 15 Fällen seien die Schwachstellen in Vodafone-Routern entdeckt worden, die gravierende Folgen hätten haben können. Nicht zuletzt hätte Huawei auf diesem Wege Zugriff zu Kundendaten erlangen können.

Auch Netzwerk-Ausrüstung zur Anbindung von Vodafone-Kunden an das Breitband-Internet sei von den Unwägbarkeiten betroffen gewesen.

Günstige Preise machen Huawei zum beliebten Partner

Bei Vodafone bemüht man sich nun um Schadensbegrenzung. Die Probleme seien anschließend endgültig beseitigt worden, heißt es aus der Konzernzentrale, und es gäbe keinerlei Hinweise auf einen tatsächlichen Datenmissbrauch. Gegenüber Bloomberg spricht man gar von einer durchaus alltäglichen Angelegenheit:

Es ist nicht unüblich, dass Schwachstellen von Ausrüstungsteilen erst durch die Betreiber selbst oder dritte Parteien identifiziert werden. […] Sobald eine solche entdeckt wird, arbeitet Vodafone mit dem Versorger zusammen, um diese schnell zu beseitigen.“

Lepido schreibt jedoch, die anfälligen Router und Festnetzteile hätte es weiterhin gegeben, dies sogar in ganz Europa, aber Vodafone habe eisern an der weiteren Zusammenarbeit mit Huawei festgehalten, weil die Chinesen so günstige Preise bieten konnten.

Der Preisvorteil hatte es Huawei stets erleichtert, auf westlichen Märkten Fuß zu fassen – und ist auch heute noch ein wichtiger Grund für Wirtschaftskreise, gegen mögliche Zutrittsbeschränkungen zum Markt zu opponieren, die Politiker und Sicherheitskreise mit Blick auf den chinesischen Anbieter empfehlen.

Der Konzern kann seine Dumpingpreise allerdings vor allem deshalb bieten, weil das Regime in Peking diese mit umfangreichen Subventionen stützt. Die dadurch bewirkte Wettbewerbsverzerrung hat nicht nur in den USA für Irritationen gesorgt und es ist damit zu rechnen, dass auf WTO-Ebene künftig auch noch weitere Akteure auf den Gedanken kommen könnten, diese Praxis als vertragswidrig anzufechten.

Vodafone Deutschland dementiert

Huawei weitet dank seiner Niedrigpreisstrategie weiterhin seine Expansion auf den Weltmärkten aus – und es ist nicht damit zu rechnen, dass die nunmehrigen Enthüllungen über Schwachstellen aus der Zeit von 2009 bis 2011 die Gegner eines Ausschlusses der Chinesen von öffentlichen Ausschreibungen umstimmen werden.

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Die heimischen Netzbetreiber sehen in einer Teilnahme Huaweis an öffentlichen Ausschreibungen wie jene zum 5G-Netzaufbau eine Verbesserung ihrer eigenen Verhandlungsposition – auch dann, wenn sie selbst zu einer westlichen Lösung neigen.

Deutschlands Vodafone-Sprecher Volker Petendorf erklärte auf Nachfrage der Epoch Times, das Unternehmen müsse den Bloomberg-Bericht über angebliche Hintertüren „scharf dementieren“.

In einem Statement der Vodafone Group heißt es, die von Bloomberg erwähnten Ereignisse in Italien stammten aus den Jahren 2011 und 2012 und seien „alle gelöst“ worden. Bei der „angeblichen Hintertür“, auf die sich Bloomberg beziehe, handele es sich um Telnet – „ein Protokoll, das früher von vielen Anbietern in der Industrie zur Durchführung von Diagnosefunktionen verwendet wurde. Dieses Protokoll wäre aber nicht über das Internet erreichbar gewesen“.

Bloomberg habe Unrecht mit der Aussage, dass dies Huawei einen unbefugten Zugang zum Festnetz des Betreibers in Italien gewährt haben könnte. Zudem lägen Vodafone „keine Beweise für einen unbefugten Zugriff vor“. Es handelte sich, so Petendorf weiter, lediglich um einen Fehler beim Entfernen einer Diagnosefunktion nach der Entwicklung.

Dieses wurde damals durch unabhängige Sicherheitstests identifiziert, die von Vodafone im Rahmen unserer routinemäßigen Sicherheitsmaßnahmen initiiert wurden. Huawei hat dieses damals umgehend behoben.“

„Aussagen zu künftigen 5G-Lieferanten noch nicht möglich“

Das Fachmagazin „PC-Welt“ habe sich ebenfalls mit dem Inhalt des Bloomberg-Berichts befasst und sei zu ähnlichen Schlussfolgerungen gelangt.

Bereits im Vorfeld der nunmehrigen Enthüllung von Bloomberg hatte die Epoch Times bei Vodafone Deutschland hinsichtlich einer Zusammenarbeit mit dem chinesischen Konzern beim Aufbau von 5G und allfälligen Sicherheitsvorkehrungen angefragt, die man zu treffen gedenke.

Petendorf erklärte dazu, dass Vodafone neben Produkten anderer Anbieter auch seit zehn Jahren Produkte von Huawei in seinen Netzen einsetzt. Die kontinuierlichen Sicherheitskontrollen von Vodafone Deutschland, die man in all dieser Zeit auch zu Netzelementen von Huawei durchgeführt habe, und weitere Sicherheitstests, die permanent in Großbritannien durchgeführt würden, hätten keine Sicherheitsbedenken oder Hinweise auf Missbrauch des Netzes durch Huawei ergeben.

Was die 5G-Add-ons zu den bestehenden Mobilfunk-Netzwerke anbelange, so Petendorf weiter, stehe Vodafone selbst mit allen relevanten Stellen im Dialog, wenn es darum geht, diese absolut sicher zu gestalten, und gestalte den Prozess aktiv mit. Aussagen zu möglichen Lieferanten für das 5G-Netz könne man jedoch zum gegebenen Zeitpunkt noch gar nicht treffen.