BMW will nach schwachem Jahr die Zügel anziehen

Bei BMW ist der Gewinn 2018 drastisch zurückgegangen. Der Vorstand will deshalb stärker sparen. Das trifft erst einmal die Aktionäre. Auch im Vorstand tut sich etwas.
Titelbild
Produktion im BMW-Werk Leipzig: Der Autobauer hat angesichts der Schwierigkeiten auf den weltweiten Automärkten im vergangenen Jahr einen deutlichen Gewinneinbruch erlitten.Foto: Jan Woitas/dpa
Epoch Times15. März 2019

BMW will angesichts der Schwäche auf den Automärkten die Sparbemühungen verschärfen. „Die Herausforderungen für die gesamte Industrie nehmen in den nächsten Monaten nicht ab“, sagte Vorstandschef Harald Krüger am Freitag in München.

„Deswegen werden große Kraftanstrengungen in allen Bereichen des Unternehmens erforderlich sein“, warnte Krüger. Dabei gibt es auch Personalwechsel im Vorstand. Im vergangenen Jahr sorgten schwächere Geschäfte in China und Europa für einen Gewinneinbruch, die Dividende soll empfindlich gekürzt werden.

Bereits seit 2017 laufe im Konzern ein Programm, um effizienter zu wirtschaften und die Modellvielfalt zu senken, sagte Finanzchef Nicolas Peter. „Diese Anstrengungen werden wir angesichts der aktuellen Entwicklungen nochmals ausweiten und deutlich verstärken.“ Und „wir erwarten auch 2019 starken Gegenwind für die gesamte Branche“.

Mit dem Ausscheiden von Mini- und Motorradchef Peter Schwarzenbauer im Oktober wird BMW seinen Vorstand verkleinern. Zugleich erhält der seit Anfang 2018 amtierende Vetriebsvorstand Pieter Nota mehr Aufgaben. Schwarzenbauer scheide mit Erreichen des 60. Lebensjahres auf eigenen Wunsch aus dem Unternehmen aus, hieß es. Die Marken BMW, Rolls Royce und Mini werden im Vertriebsressort von Nota gebündelt. Die Motorradsparte wechselt in den Bereich von Entwicklungschef Klaus Fröhlich.

Der Konzern rechnet zwar 2019 mit einem weiteren leichten Absatzplus. Aber das war schon im Vorjahr kein Garant für bessere Ergebnisse. Der Umsatz gab im vergangenen Jahr mit 0,8 Prozent auf 97,5 Milliarden Euro zwar nur leicht nach – umso stärker zog es aber die Ergebnisse nach unten.

Im Tagesgeschäft bekam das Unternehmen auf dem wichtigsten Einzelmarkt China vor allem den Zollstreit mit den USA zu spüren, in Europa belasteten die Marktverwerfungen durch die Einführung des neuen Abgas- und Verbrauchstests WLTP die Preise.

Der Nettogewinn sackte auch wegen deutlich höherer Steuern um ein Sechstel auf 7,21 Milliarden Euro ab. Die Dividende wollen die Münchener von 4 Euro auf 3,50 Euro je Stammaktie kürzen. BMW hatte bereits Ende Oktober vor deutlichen Problemen im Kerngeschäft mit dem Autobau gewarnt. Erstmals seit dem Konjunktureinbruch in der Finanzkrise vor rund zehn Jahren schaffte der Autobauer es nicht, in der wichtigsten Sparte die Zielmarge von 8 bis 10 Prozent vor Zinsen und Steuern zu erreichen. Im dritten Quartal hatten auch Rückstellungen für drohende Rückrufe wegen fehlerhafter Abgaskomponenten für hohe Belastungen gesorgt.

Die Marge im Automobilbau rutschte 2018 um 2 Prozentpunkte auf 7,2 Prozent ab. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern fiel konzernweit um 7,9 Prozent auf 9,12 Milliarden Euro. Der Vorsteuergewinn, in dem auch die Beteiligungsgewinne aus dem chinesischen Gemeinschaftsunternehmen enthalten sind, lag mit 9,82 Milliarden Euro 8,1 Prozent unter dem Vorjahr.

BMW produziert den Mini großteils in Großbritannien. Dort droht ein ungeregelter Brexit die Handelsströme empfindlich zu stören. Aber auch die Zollstreitigkeiten weltweit trüben weiter die Aussichten. Noch ist nicht entschieden, ob die Branchenvertreter aus der EU von höheren Einfuhrzöllen in die USA verschont bleiben.

Daneben sorgt sich das Unternehmen um die abkühlende Konjunktur insgesamt, um steigende Kosten für CO2-Emissionsvorgaben, negative Wechselkurseffekte und höhere Rohmaterialpreise. Schon seit längerem will der Konzern als Gegenmaßnahme die teure Angebotsvielfalt reduzieren. Nun wird zum Beispiel kein neues Modell mehr vom BMW 3er Gran Turismo mit Fließheck entwickelt.

Zu den Fragen, was die Sparbemühungen bringen sollen und ob auch ein Stellenabbau Teil des Vorhabens sein könnte, machte das Unternehmen zunächst keine konkreten Angaben. Am kommenden Mittwoch (20. März) will BMW auf der Jahrespressekonferenz einen detaillierten Ausblick auf das laufende Jahr geben.

BMW hat im vergangenen Jahr erneut deutlich mehr Geld für neue Technik ausgegeben als im Jahr zuvor. Der Aufwand für Forschung und Entwicklung kletterte um fast 13 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. BMW steckt wie die Wettbewerber viel in neue Elektroantriebe und Modelle.

Auch für BMW wird es daher immer wichtiger, Kosten mit Partnern zu teilen und die gleiche Technik nicht doppelt entwickeln zu müssen. Mit dem Erzrivalen Daimler legten die Münchener ihre Angebote bei Carsharing und Mobilitätsdiensten zusammen, auch beim autonomen Fahren wollen die beiden führenden deutschen Premiumhersteller künftig stärker gemeinsame Sache machen und einen gemeinsamen Standard etablieren.

Möglicherweise möglich gehen die Kooperationsbemühungen mittelfristig aber sogar darüber hinaus. Zwischen BMW und Mercedes-Benz liefen bereits seit Monaten vertrauliche Gespräche zur gemeinsamen Entwicklung von Plattformen, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ am Freitag unter Berufung auf eigene Informationen. Auf diese Weise könnten die Unternehmen Milliarden einsparen. Was dabei herauskomme, sei aber völlig offen. Die Unternehmen wollten sich zu dem Bericht nicht äußern. (dpa)



Epoch TV
Epoch Vital
Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion