Die Landwirte sind ebenfalls betroffen – Corona-Krise auf dem Bauernhof.Foto: iStock

Corona-Krise auf dem Bauernhof: Landwirtschafts-Branche von Preisverfall bedroht

Epoch Times7. Mai 2020 Aktualisiert: 7. Mai 2020 12:22
Kein Tourismus, wenig Absatz, niedrige Einkommen. Die Corona-Pandemie bedroht die deutschen Bauern. Dabei sind es doch gerade die Landwirte, die die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen sollen.

Nicht nur die Gastronomen, Hotels und ihre Beschäftigten trifft die Corona-Krise mit voller Wucht. Auch die Lebensmittelwirtschaft leidet unter dem Shutdown. Mit der Schließung von mehr als 40.000 bayerischen Gastrobetrieben und der Absage der Volksfeste bricht für Landwirtschaft und Ernährungsindustrie ein wichtiger Absatzzweig weg.

Den Erzeugern drohe ein massiver Preisverfall, warnt der Bayerische Bauernverband. Aus diesem Grund fordert Bayerns Milchwirtschaft nun gemeinsam mit der Gastronomie, dem Braugewerbe und dem Lebensmittel-Handwerk ein klares Signal von der Politik.

Mehr als 60 Prozent der Absatzkanäle stark beeinträchtigt

„Landwirtschaftliche Betriebe sind systemrelevant“, heißt es vom Bayerischen Bauernverband. Die Landwirte würden schließlich die Versorgung der Bevölkerung sichern. Doch nun seien sie selbst bedroht: Der aktuelle Shutdown bedeute für die Molkereien den Wegfall wichtiger Absatzkanäle und damit für die Bauernfamilien einen Einbruch beim Einkommen.

Rund 40 Prozent der Produkte wie Milch, Butter, Joghurt Rahm und Käse würden derzeit in Fachgeschäften über die Theke oder in Supermärkten und Discountern verkauft werden.

60 Prozent hingegen gehen in den Export oder „kommen außer Haus auf den Tisch: zur Brotzeit im Biergarten oder auf dem Volksfest und in herzhaften und süßen Gerichten im Restaurant oder Wirtshaus“, gibt der Bayerische Bauernverband zu bedenken.

Ob Gastronomie, Brauer oder Milchwirtschaft: der Absatzverlust kann nicht aufgeholt werden

Seit Gastrobetriebe geschlossen und Volksfeste abgesagt seien, entfalle dieser Vermarktungsweg – und es gebe keine Chance, den verlorenen Absatz aufzuholen. Hier sehe sich die Milchwirtschaft in einem Boot mit der heimischen Gastronomie – und zum Beispiel der Brauwirtschaft.

Bayerns Brauer müssten 20 Prozent Absatzminus durch die Stilllegung der Gastronomie hinnehmen. Und auch im privaten Bereich sinke der Bierabsatz, weil das Grillen mit Freunden genauso flach falle wie die Gartenparty und das Familienfest.

Der Bier-Export wiege den Verlust im Inland nicht auf. Im Gegenteil, auch hier würden bayerische Spezialitäten vom Käse bis zum Bier herbe Einbußen einstecken – vor allem, weil auch die Gastronomie in den typischen Urlaubsregionen vom Shutdown betroffen ist.

„Gerade die gehobene Gastronomie ist ein wichtiger Partner in der Vermarktung unserer Spezialitäten aus Milch und Fleisch“, erklärt Alfred Enderle, Vorsitzender des Verwaltungsbeirats des Bayerischen Milchförderungsfonds.

Der Fonds gewährt Milcherzeugern im Schadensfall Hilfen und setzt sich für die Milchwirtschaft ein. Der wochenlange Wegfall von einem erheblichen Teil der Absatzmöglichkeiten könne keinesfalls von den Bauernfamilien alleine aufgefangen werden.

Landwirte: Volle Lager, aber keine Absatzchancen

Bayerns Milchwirtschaft habe von Anfang an solidarisch und schlagkräftig auf die Corona-Pandemie reagiert. Alle bayerischen Molkereien hätten gemeinsam sichergestellt, dass die gesamte auf den Höfen erzeugte Milch abgeholt und komplett verarbeitet werden konnte. Das Ziel sei gewesen, einen zeitlich begrenzten Shutdown zu überstehen und dann die Märkte wieder nahtlos bedienen zu können.

Mit jeder Verlängerung des Shutdowns rücke dieses Ziel jedoch in weitere Ferne. Die Schwächung der Wirtschaft werde sich längere Zeit auf viele Bereiche auswirken – auch auf die Kaufkraft der Menschen. Dadurch gerate auch der Milchmarkt nachhaltig unter Druck. Die Branche geht davon aus, dass die Corona-Krise den Milchpreis beschädigen wird.

Auch der Urlaub auf dem Bauernhof ist vom Shutdown betroffen: ein wichtiger Erwerbszweig für tausende bäuerliche Betriebe, nicht nur in Bayern.

Das Standbein im Tourismus sichere bislang nicht nur vielen Bauernfamilien ein Einkommen, es stärke zudem den ländlichen Raum, heißt es vom Bayerischen Bauernverband. Hier zumindest gebe es einen Silberstreif am Horizont: Ein „Urlaub dahoam“ käme den heimischen Anbietern zugute. (pr/sua)


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