Digitalisierung und E-Auto bedeuten Aus für herkömmlichen TÜV – dafür Software-Checks via Cloud

Von 6. März 2020 Aktualisiert: 6. März 2020 17:24
Der Vorsitzende des TÜV-Verbandes, Joachim Bühler, stellte die von seinem Verband in Auftrag gegebene Mobilitätsstudie 2020 vor und deutete gravierende Veränderungen bei der Hauptuntersuchung der Zukunft an. Das E-Auto und die Digitalisierung würden diese erzwingen.

Die Entwicklung auf dem Automarkt wird über kurz oder lang die bisher etablierte Praxis der Hauptuntersuchung (HU) revolutionieren, erklärt der deutsche TÜV-Verband anlässlich der Vorstellung der von ihm in Auftrag gegebenen Mobilitätsstudie 2020. Diese stellte Verbandschef Joachim Bühler am Mittwoch (4.3.) in Berlin vor.

Der Studie zufolge stellen die Digitalisierung und die politische Forcierung des Baus von Elektroautos die wichtigsten Herausforderungen für die Automobilbranche dar und gingen auch an den Kunden nicht vorbei.

E-Auto weiterhin nur Prestigeobjekt der Oberschicht

Jeder dritte Autobesitzer, so berichtet der „Business Insider“, denkt entweder von sich aus an den Erwerb eines Elektroautos oder geht davon aus, an einem solchen nicht vorbeizukommen. Die Zahl der Neuzulassungen von E-Autos ist im Jahr 2020 spürbar angestiegen. Ein Trend, der sich auch zu Beginn des Jahres fortgesetzt hat. Insgesamt wurden im Vorjahr um 61 Prozent mehr E-Autos angemeldet als im Jahr zuvor.

Der Gesamtanteil am Markt beträgt dennoch nur 6,6 Prozent – und die Nachfrage ist fast ausschließlich auf die Ober- und Mittelklasse beschränkt. „Um eine Trendwende zu erreichen, müssen E-Autos bezahlbar sein“, räumt der TÜV-Verbandschef ein.

In Europa gingen die Neuzulassungen insgesamt zu Beginn des Jahres um sieben Prozent zurück, in den USA blieben sie auf Vorjahresniveau. Grund für die rückläufige Entwicklung sei die Entwicklung rund um die Ausbreitung des Coronavirus. In China beträgt der Rückgang sogar 20 Prozent.

„TÜV muss künftig auch Software-Check umfassen“

Bühler geht zudem davon aus, dass die Digitalisierung und Vernetzung in der Automobilbranche der Zukunft auch zu einer völligen Umgestaltung des TÜV-Systems führen wird. „Assistenzsysteme und andere digitale Komponenten sind heute so wichtig wie Bremsen, Lenkung oder Fahrwerk und müssen genauso geprüft werden“, erklärt er gegenüber dem Portal „nordbayern.de“.

Auf die Fahrzeugprüfer warten damit ganz neue Herausforderungen, aber auch Geschäftsfelder. Nicht zuletzt Technologien mit Künstlicher Intelligenz rund um das digitale Auto müssten auf eine Reihe neuartiger Risiken gecheckt werden. Dies betreffe insbesondere das autonome Fahren.

Um das Automobil gegen mögliche Verstöße gegen Umweltauflagen, Cyberangriffe, Gefahren für den Datenschutz, aber auch für die Verkehrssicherheit zu wappnen, fordert der TÜV, künftig auch Software-Checks zum Bestandteil der Hauptuntersuchung zu machen. Dies könnte bedeuten, dass die TÜV-Überprüfung häufiger vorzunehmen sein wird – und zudem teurer wird – oder dass Fahrzeuge an die Cloud angeschlossen werden müssten.

Gesicherte „Trustcenter“ als Sicherheitsnetz für Daten

„Wir sind technisch in der Lage, Software-Checks zu machen“, erklärt Bühler, „aber uns fehlt die gesetzliche Grundlage dazu. Wir brauchen sie, um von den Herstellern Zugang zu den Daten zu bekommen.“ Ein solcher Zugang könnte, so schreibt der „Business Insider“ weiter, auf Vorschlag des TÜV durch die Einrichtung von unabhängigen und gesicherten „Trustcentern“ ermöglicht werden. Die Daten aus den Fahrzeugen könnten demzufolge verschlüsselt an die Trustcenter gesendet werden.

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