Greenpeace protestiert auf der IAA-Messe 2019 in Frankfurt am Main.Foto: TOBIAS SCHWARZ/AFP via Getty Images

Eine „riesige Chance“ für Autofreunde – und für Autogegner

Epoch Times5. September 2021 Aktualisiert: 6. September 2021 8:13

Es wird berichtet, selbst der deutsche Kaiser sei skeptisch gewesen: Als sich im Jahr 1897 vier Autohersteller im Berliner Hotel Bristol trafen, um der Öffentlichkeit acht Motorwagen vorzustellen, war der Siegeszug des Autos noch ungewiss. 124 Jahre später geben sich auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in München über 1000 Aussteller und Redner die Ehre, eröffnet wird die Messe am Dienstag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) persönlich.

Es ist die international wohl wichtigste Branchenschau der Automobilindustrie: Autohersteller präsentieren ihre neusten Modelle, Zulieferer stellen Innovationen vor und Startups aus dem Technologie- und IT-Bereich zeigen, was ihre Softwarelösungen zur Mobilität von morgen beitragen können. Zur IAA gehört jedoch auch der zivilgesellschaftliche Protest: Das Bündnis „Aussteigen“ sieht in der Veranstaltung den Versuch der Autolobby, sich „einen sauberen Anstrich zu geben“ und ruft zu Demonstrationen auf.

In der Tat steht die diesjährige IAA, die vom 7. bis zum 12. September in München stattfindet, unter dem Vorzeichen der Mobilitätswende. Neben Themen wie autonomes Fahren und Verkehrsvernetzung gehe es angesichts der klimapolitischen Beschlüsse auf Bundes- und europäischer Ebene nun darum, „innerhalb kurzer Zeit die Mobilität klimaneutral zu machen“, sagte die Präsidentin des Verbands der deutschen Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, bei der Auftaktpressekonferenz.

Über den besten Weg in diese Zukunft der klimaneutralen Mobilität soll die diesjährige IAA eine Debatte anstoßen. „Das ist global einzigartig und eine riesige Chance“, sagte Müller.

„Wir sind für eine echte Mobilitätswende“

Eine riesige Chance sehen aber auch die Aktivisten des Aktionsbündnisses „Aussteigen“ – nämlich für Protest gegen eine aus ihrer Sicht zu einflussreiche Autolobby und eine fehlgeleitete Verkehrspolitik. Bereits 2019 brachte das Bündnis bei der IAA in Frankfurt am Main insgesamt rund 25.000 Menschen auf die Straße. Auch in diesem Jahr sind wieder Proteste angekündigt.

Das neue Konzept der IAA sei „klassisches Greenwashing“, kritisierte der Leiter des Bereichs Verkehrspolitik beim BUND, Jens Hilgenberg. Die Autolobby versuche sich „kurz vor der Bundestagswahl noch einen grünen Anstrich zu geben“. Relevant sei aber das tatsächliche Ziel der Veranstaltung: „Und das Ziel der IAA ist es, Autos zu verkaufen – möglichst viele, möglichst teure“, sagte Hilgenberg.

Die geplanten Proteste richteten sich dabei nicht nur gegen die IAA, die Messe sei vor allem ein Anlass für die Demonstrationen. „Wir gehen auf die Straße, weil wir für etwas sind: Wir sind für eine echte Mobilitätswende, wir sind für mehr Platz fürs Rad und für einen besseren ÖPNV.“

Auto-Experte warnt vor Verurteilung

Der Auto-Experte Stefan Bratzel vom Center for Automotive Management (CAM) warnt vor einer generellen Verurteilung der Autoindustrie. Das neue IAA-Konzept sei „ein Versuch, das Automobil einzuordnen in die Gesellschaft“, sagte er. Dass sich die Automobilunternehmen in einem echten Wandel befinden, bezweifle er nicht. „Dafür investieren sie viel zu viel Geld in diesen Wandel hinein.“

Dennoch sieht Bratzel die IAA an einem Wendepunkt. „Wenn man so will, ist das jetzt die letzte Chance, die IAA tatsächlich zu einer zukunftsfähigen Veranstaltung zu transformieren“, sagte Bratzel. Prominente Autohersteller hatten ihre Teilnahme abgesagt: Stellantis mit den Marken Opel und Peugeot sowie Toyota und auch Jaguar und Land Rover sind nicht dabei. Auch vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, ob die IAA „eine Leitmesse bleibt im Automobilbereich“.

Mit der diesjährigen IAA müsse ein Imagewandel gelingen, warnte Bratzel. Die IAA und ihr Veranstalter, der VDA, müssten wieder an Glaubwürdigkeit gewinnen, die nicht zuletzt unter dem Dieselskandal gelitten habe. „Bislang hat das nur mäßig geklappt und wir werden sehen, ob man hier einen großen Schritt nach vorne macht“, sagte er. (afp/oz)



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