Experten: Deutsche Wirtschaft immer abhängiger von Autobranche

Epoch Times12. April 2015 Aktualisiert: 12. April 2015 2:02

Der enorme Erfolg der großen deutschen Autohersteller birgt auch Risiken für die deutsche Wirtschaft: Nach Einschätzung von Experten wird der Standort Deutschland immer abhängiger vom Wohl und Wehe der Automobilindustrie. "Es ist natürlich nichts Negatives, wenn eine große Branche sehr erfolgreich ist und man sollte nichts tun, was diesen Erfolg infrage stellt", sagte Markus Schweizer, der Chef der Unternehmensberatung von E&Y in Deutschland, der "Welt am Sonntag". Aber "das Gewicht der deutschen Autoindustrie ist Fluch und Segen zugleich", so Schweizer.

Für fast alle großen Industriebranchen in Deutschland sind Autohersteller und -zulieferer wichtige Kunden, erläutert der Wirtschaftswissenschaftler und Autoexperte Heinz-Rudolf Meißner. "Wenn der Automobilbau läuft, läuft die deutsche Wirtschaft. Läuft er nicht, haben sofort die Maschinenbauer, die Elektroniker und Elektrotechniker oder Softwareentwickler ein Problem." Die Autobranche sei "inzwischen systemrelevant für den Standort Deutschland", sagte Meißner. So gesehen "haben wir ein Klumpenrisiko".

Berechnungen, die KfW Research für die "Welt am Sonntag" angestellt hat, belegen, wie bedeutend die Automobilindustrie für die Dynamik der gesamten deutschen Wirtschaft geworden ist. So nahm der Kapitalstock (Bruttoanlagevermögen) der Branche – der Wert der Maschinen und Anlagen, Gebäude und Fuhrparks – zwischen 2000 und 2012 preisbereinigt um 34 Prozent zu, in der Industrie insgesamt dagegen ist ein Rückbau um gut ein Prozent zu verzeichnen.

Dementsprechend ist auch die Bruttowertschöpfung im Autobereich seit der Jahrtausendwende mehr als dreimal so stark gestiegen wie die Wirtschaftsleistung in Deutschland insgesamt. Besonders auffällig ist die Dominanz der drei großen Autohersteller. BMW, Daimler und Volkswagen trugen 2014 fast 33 Prozent zu dem Gesamtumsatz der 28 Nicht-Banken im Börsenleitindex DAX bei. Ihre Jahresüberschüsse vor Steuern entsprachen im vergangenen Jahr 29 Prozent der Gesamtgewinne aller 30 DAX-Konzerne, wie aus einer unveröffentlichten Untersuchung von E&Y hervorgeht. Fachleute warnen davor, die gute Entwicklung der Geschäftszahlen von BMW, Daimler oder Volkswagen als gegeben zu betrachten.

"Deutschlands Autobauer sind zweifellos erfolgreich. Doch die Erfolge sind das Ergebnis der Leistung von gestern", sagte Autoexperte Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. "Die Branche steht aber nun vor Herausforderungen ganz neuer Dimensionen, im Grunde vor einem grundsätzlichen Strukturwandel." E&Y-Berater Schweizer macht vor allem Sorge, dass die Autoindustrie im Branchenvergleich relativ wenig Geld in die digitale Transformation steckt. "Die Autoindustrie investiert offenbar nicht genügend in die Neuerfindung ihres Geschäftsmodells", sagte Berater Schweizer. "Sie muss hier ganz klar mehr Gas geben." Ähnlich sieht das CAM-Chef Bratzel: "Die deutsche Autoindustrie wird schon bald Konkurrenz aus neuen Sparten bekommen, zum Beispiel von den US-Hightechkonzernen. Und dann müssen sie aufpassen, dass sie nicht ins Hintertreffen geraten."

(dts Nachrichtenagentur)



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion