Kein „vertrauenswürdiges Umfeld“: AOK will nach Drosten-Kritik nicht mehr in „Bild“ werben

Von 29. Mai 2020 Aktualisiert: 29. Mai 2020 7:58
Die kritische Berichterstattung der „Bild“-Zeitung über eine Studie des Star-Virologen Christian Drosten hat den Geschäftsführer der AOK, Steve Plesker, zu einem emotionalen Post auf LinkedIn veranlasst. Nun will die Kasse nicht mehr in der Boulevard-Zeitung werben.

Die „Bild“-Zeitung ist aus Sicht des Bundesverbandes der Allgemeine Ortskrankenkassen (AOK) „derzeit kein geeignetes Umfeld“ für Werbung. Dies erklärte Geschäftsführer Steve Plesker am Mittwoch (27.5.) auf LinkedIn. Grund dafür sei die Berichterstattung der Zeitung über Studien des Charité-Virologen Christian Drosten, der unter anderem die Bundesregierung in Sachen Corona-Pandemie beraten und Einordnungen der Situation in öffentlich-rechtlichen Medien vorgenommen hatte.

AOK: Werbung in „Bild“ diene derzeit nicht der „Brand Safety“

Die Berichterstattung der Zeitung zu einer Studie des von Drosten geführten Teams zur Viruslast bei Kindern sei „eine Schande“ und habe „mit Journalismus nichts zu tun“, polterte der AOK-Marketingchef in einer für einen Amtsträger in seiner Funktion ungewöhnlich emotionalen Art und Weise gegen das Boulevardblatt. Nach mehreren sehr erfolgreichen Kooperationen, so schrieb er, werde er dort keine Anzeigen mehr schalten.

Später löschte Plesker die Nachricht wieder, weil die Wortwahl „undifferenziert“ gewesen sei und es sich nicht um eine mit dem Unternehmen abgestimmte Position gehandelt habe. „Klimafonds“-Initiator Danijel Visevic hatte jedoch einen Screenshot angefertigt und dokumentierte diesen auf Twitter.

In weiterer Folge trat der AOK-Bundesverband jedoch der Position Pleskers bei und erklärte laut T-Online-Portal, für gesetzliche Krankenkassen spiele „Brand Safety“ eine große Rolle. In der aktuellen Situation müssten Krankenkassen bei der Werbung noch stärker auf ein „vertrauenswürdiges Umfeld“ achten.

Hat Drosten „unsauber“ und mit „fragwürdigen Methoden“ gearbeitet?

Die „Bild“-Zeitung hatte Drosten unter Berufung auf Einschätzungen von Berufskollegen vorgeworfen, im Zusammenhang mit der Kinder-Studie „unsauber“ gearbeitet und „fragwürdige Methoden“ an den Tag gelegt zu haben. Im Rahmen der Studie, so lautete die Kritik, seien zu wenige Kinder untersucht worden, die Schlussfolgerungen würden mit erhobenen Daten nicht konformgehen und Drosten habe vorschnell einem Shutdown des Schul- und Kitabetriebes das Wort geredet.

Auf „Bild“-Nachfrage habe er sich nicht geäußert und erklärt, er habe „Besseres zu tun“. „Bild“-Kritiker wiederum erklären, das Blatt habe dem Virologen keine angemessene Zeit zur Reaktion eingeräumt. Auch hätten sich Wissenschaftler, die „Bild“ als Kronzeugen gegen Drostens Studie aufführte, von deren Berichterstattung distanziert.

Plesker bestritt, mit seinen Äußerungen einen „Aufruf zum Boykott“ beabsichtigt zu haben. Dass man die Entwicklung beobachten und seine Marketing- und Media-Auswahl entsprechend anpassen wolle, gelte „für alle Werbe- und Kooperationspartner“. Auf Twitter hatten jedoch infolge der Aussage mehrere Nutzer damit begonnen, auch andere Krankenkassen anzuschreiben und diese ob der „Bild“-Berichterstattung zu einer Äußerung zu bewegen.

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