Offiziell: Herbert Diess wird neuer VW-Chef

Epoch Times12. April 2018 Aktualisiert: 12. April 2018 20:17
Der bisherige Markenchef Herbert Diess wird neuer Vorstandsvorsitzender von Volkswagen. Der Porsche-Vorstandsvorsitzende Oliver Blume wird künftig ebenfalls dem obersten Konzerngremium angehören.

Jetzt ist es offiziell: Der bisherige Markenchef Herbert Diess wird neuer Vorstandsvorsitzender von Volkswagen. Das bestätigte der Autokonzern am Donnerstagabend, nachdem entsprechende Gerüchte bereits seit Dienstag die Runde gemacht hatten.

Herbert Diess löst damit Matthias Müller ab, der erst seit 2015 an der Spitze des Wolfsburger Autobauers stand.

Damals war Martin Winterkorn im Zuge des Abgasskandals zurückgetreten. Der Porsche-Vorstandsvorsitzende Oliver Blume wird ebenfalls dem obersten Konzerngremium angehören.

Als neuer Konzernvorstand für das Personalressort wurde zudem der bisherige Generalsekretär des Konzernbetriebsrates Gunnar Kilian berufen. Er übernimmt das Ressort von Karlheinz Blessing, der seit Anfang 2016 dieses Ressort verantwortete.

Blessing scheide aus dem Vorstand „im gegenseitigen Einvernehmen aus“, stehe dem Unternehmen aber weiterhin für die Dauer seines Dienstvertrags als Berater zur Verfügung, hieß es.

Herbert Diess gilt als Kostendrücker

Herbert Diess kam zur Unzeit zu Volkswagen: Zwischen dem Amtsantritt des bisherigen VW-Markenchefs und dem Bekanntwerden des Dieselskandals im Herbst 2015 lagen kaum drei Monate. Der Neue musste sich öffentlich immer wieder für seinen Arbeitgeber entschuldigen, die Staatsanwaltschaft leitete 2016 finanzrechtliche Ermittlungen im Zusammenhang mit der Affäre auch gegen Diess ein.

Geholt worden war der heute 59-Jährige wegen seines Rufs als Kostensenker. Nun, fast drei Jahre nach seinem Amtsantritt, ernannte ihn der Aufsichtsrat in Wolfsburg am Donnerstag zum neuen Chef des größten Autokonzerns Europas.

Der Dieselskandal hat bei VW schon viele Manager den Kopf gekostet und so Platz geschaffen für neue Gesichter. Kostenmanager Diess folgt auf Krisenmanager Matthias Müller, der 2015 auf die Schnelle Martin Winterkorn ersetzen musste.

Winterkorn war es, der Diess zu Volkswagen holte, um die Profitabilität bei der Kernmarke zu steigern. Das ist dem Manager seitdem eindrucksvoll gelungen. Er hat die hohen Kosten gesenkt und die schwache Gewinnmarge gesteigert.

Dass er das kann, hatte Diess bereits vorher beim Münchner Konkurrenten BMW gezeigt. Dort leitete er zunächst verschiedene Werke, bevor der Motorrad-Fan 2003 Chef der BMW-Motorradsparte wurde. Seit 2007 saß er im Konzernvorstand, zunächst für den Einkauf. Hier setzte er Milliardenkürzungen gegenüber den Lieferanten durch. Später als Entwicklungsvorstand setzte er sich für den Ausbau des Hybridauto-Angebots ein.

Gern wäre der Vater dreier Kinder damals Chef von BMW geworden, zog aber gegenüber dem heutigen Chef Harald Krüger den Kürzeren. Beim ungleich größeren Volkswagenkonzern hat sich sein Ehrgeiz nun ausgezahlt.

An der Spitze des Gesamtkonzerns erwarten Diess nun zahlreiche Herausforderungen. Der Aufbau eines breiten Angebots an Elektroautos wird den Konzern viel Geld und Mühe kosten. Die Interessen des mächtigen Betriebsrats und der wichtigsten Aktionäre – den Gründerfamilien Porsche und Piëch, dem Emirat Katar und dem Bundesland Niedersachsen – wollen balanciert werden. (dts/afp)

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