MV Werften Rostock.Foto: BERND WUSTNECK/dpa/AFP via Getty Images

„Pleite mit Ansage“ – MV Werften melden Insolvenz an

Epoch Times10. Januar 2022 Aktualisiert: 10. Januar 2022 15:55

Die MV Werften mit Standorten in Wismar, Rostock und Stralsund haben am Montag einen Insolvenzantrag gestellt. Das bestätigte ein Sprecher des Amtsgerichts Schwerin der Nachrichtenagentur AFP. Der Betrieb auf der Werft in Wismar laufe vorerst weiter, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Die MV Werften gehören zur Genting-Gruppe in Hongkong und beschäftigen derzeit nach eigenen Angaben knapp 2.000 Mitarbeiter.

Auf der Werft in Wismar ist nach Angaben des Sprechers das weltgrößte Kreuzfahrtschiff „Global One“ zu 80 Prozent fertiggestellt. Das Unternehmen braucht demnach allerdings finanzielle Hilfen, um den Bau fertigstellen zu können. Darüber wurde seit Wochen zwischen der Werft, dem Bund und dem Land Mecklenburg-Vorpommern verhandelt, zuletzt mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD).

Hilfszahlungen: MV Werften appellieren an Bundespolitik

Es waren Gespräche, bei denen man bisher „offensichtlich nicht zueinander gefunden hat“, sagte der Unternehmenssprecher. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte kurz vor Bekanntwerden des Insolvenzantrags, es gehe um 600 Millionen Euro vom Bund. Bedingung für weitere Staatshilfe sei, „dass ein angemessener Beitrag auch von der Eigentümerseite geleistet wird“.

Der Präsident von Genting Hongkong, Colin Au, und der Geschäftsführer der Werften-Gruppe, Carsten Haake, äußerten am Sonntag Unverständnis gegenüber dem Vorgehen der Bundesregierung.

Au appellierte an die verantwortlichen Politiker, ihre ablehnende Haltung zu überdenken: „Es geht um Tausende Familien.“ Zusätzlich sei eine ganze Branche samt Zulieferer in In- und Ausland bedroht. „Die Werften jetzt fallen zu lassen, wäre der größte ökonomische Fehler, den die Bundesregierung machen könnte“, betonte Au.

Vize-Regierungssprecherin Christiane Hoffmann betonte, dass die Bundesregierung sich „seit vielen Jahren bei den MV-Werften engagiert“, es handele sich schließlich um den „größten Industriebetrieb in Mecklenburg-Vorpommern“. Die Werft sei im Zusammenhang mit der Corona-Krise bereits unterstützt worden. Die Bundesregierung sei grundsätzlich bereit, diese Unterstützung im Rahmen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds fortzusetzen und damit die Voraussetzungen zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs zu schaffen.

„Ein schwarzer Tag für den Schiffbau in Deutschland“

Zumal Genting auch für die Lloyd Werft in Bremerhaven inzwischen einen Insolvenzantrag stellte, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Daniel Friedrich: „Dieser Montag ist ein schwarzer Tag für den Schiffbau in Deutschland.“ Es sei ernüchternd, dass die Verhandlungen zu keiner Lösung geführt haben.

„Das Vertrauen auf allen Seiten scheint endgültig aufgebraucht.“ Auch in der Insolvenz müsse es möglich sein, das Kreuzfahrtschiff „Global One“ auf der Werft in Wismar fertigzustellen. „Ein Weiterbau sichert Arbeit für hunderte Beschäftigte und steigert den Wert bei einem Verkauf“, sagte Friedrich.

Nach Ansicht der AfD handelt es sich um eine „Pleite mit Ansage“. MV Werften hätten schon vor Corona Zahlungsprobleme gehabt, erklärte AfD-Landessprecher Leif-Erik Holm. Offensichtlich habe die Insolvenz von der Landesregierung unter Ministerpräsidentin Schwesig „bis nach der Landtagswahl“ im vergangenen September verschleppt werden sollen, kritisierte er.

Am vergangenen Freitag hatte Genting die fällige Zahlung der Dezember-Löhne verschoben. Am Wochenende hatten Vertreter des Unternehmens und der Politik weiter verhandelt. Am Montagnachmittag wollte sich der Finanzausschuss des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern mit dem Thema befassen. (afp/dpa/dl)



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