Rentiert sich nicht: Die Post stellt die eigene Produktion ihrer Streetscooter ein.Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa/dpa

Deutsche Post zieht den Stecker für Produktion von elektrischem Streetscooter

Epoch Times4. März 2020 Aktualisiert: 4. März 2020 14:18
Rund lief es mit dem Streetscooter der Post schon lange nicht. Nun die Entscheidung: Die Post verabschiedet sich vom Bau eigener Elektrotransporter. Im vergangenen Jahr hat der Elektrotransporter rund 100 Millionen Euro Verluste eingefahren.

Die Deutsche Post wird die Produktion ihrer Streetscooter noch im Laufe des Jahres 2020 komplett einstellen. Vor dem Hintergrund der „aktuellen weltwirtschaftlichen Unsicherheiten“ habe sich die Post zu diesem Schritt entschlossen. Damit ist auch der Verkauf der Sparte vom Tisch.

„Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt gesagt: Wir können nicht mehr warten. Wir müssen eine Entscheidung treffen“, sagte Konzernchef Frank Appel Ende Februar in einer Telefonkonferenz. Im vergangenen Jahr habe der Elektrotransporter rund 100 Millionen Euro Verluste eingefahren. „Das ist die logische Konsequenz“, begründete Appel den Schritt.

Über lange Zeit hatte die Post versucht, einen Käufer zu finden. „Wir haben immer gesagt, dass wir kein Autohersteller sein wollen“, sagte Appel. Neubestellungen soll es nun keine mehr geben. Die Auslieferung von Fahrzeugen werde sich noch bis ins nächste Jahr ziehen. Die letzten neu produzierten Fahrzeuge sind nur noch für den eigenen Bestand.

Ungewisse Zukunft für Werke und Arbeiter

Über bestehende Lieferverträge wolle man mit den Kunden „Gespräche in Bezug auf die Vertragserfüllung“ führen. Kürzlich hatte Amazon der Post 40 Elektrotransporter abgekauft. In Zukunft soll der Streetscooter dann zur reinen Bestandsflotte umgebaut werden. Trotzdem wolle die Post ihre Flotte wie angekündigt weiterhin auf E-Antriebe umstellen.

Der Vorstand rechnet für 2020 mit einmaligen Aufwendungen von 300 bis 400 Millionen Euro. Was die Nachricht für die Streetscooter-Mitarbeiter bedeutet und wie viele es davon zurzeit überhaupt gibt, wollte der Konzernchef am Freitag nicht kommentieren. Auch die Produktionsstätten in Aachen und Düren, sowie die Pläne der Post für zukünftige Streetscooter blicken einer ungewissen Zukunft entgegen.

„Das war abzusehen, dass das Ding nicht tragfähig ist“, sagte Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer der Deutschen Presse-Agentur.

E-Autos-Aus und Coronavirus belasten Gewinnprognose

Im Zuge der Neuigkeiten schränkte die Post auch ihr bisheriges Gewinnziel für den Gesamtkonzern ein: Das schon vor Jahren ausgegebene Ziel, den operativen Gewinn der Post bis 2020 auf mehr als fünf Milliarden Euro zu steigern, gilt nun nur noch mit zwei Einschränkungen.

So lässt zum einen das Streetscooter-Aus die Zahlen schrumpfen, außerdem dämpft das grassierende Coronavirus die Erwartungen. Analysten hatten im Schnitt selbst ohne diese neuen Belastungen für 2020 nur mit einem operativen Gewinn von knapp 4,9 Milliarden Euro gerechnet.

Die Coronavirus-Krise bekommt die Post nach eigenen Angaben bisher deutlich bei DHL Express und im DHL-Frachtgeschäft vor allem bei Transporten von und nach China zu spüren. Im Monat Februar belaste dies das Ergebnis mit etwa 60 bis 70 Millionen Euro.

Die Bilanz für 2019 wollte die Post eigentlich erst im März vorstellen. Angesichts der aktuellen Entwicklungen gab der Konzern nun jedoch bereits einige Kennziffern bekannt: Der Umsatz wuchs 2019 leicht auf 63,3 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis lag bei 4,13 Milliarden Euro. Damit verfehlte das Unternehmen geringfügig die Erwartungen von Analysten. Die vollständigen Jahreszahlen will die Post planmäßig am 10. März vorlegen.

Scharfe Kritik vom Streetscooter-Gründer

Nach dem Aus für den Streetscooter hat der Mitbegründer des Elektrotransporter-Herstellers, Günther Schuh, die Deutsche Post scharf kritisiert. Man habe „Amateure eingesetzt, jegliche Verbesserung verboten und auf eine Gelegenheit gewartet, das Geschäft unter einem Vorwand einzustellen“, schrieb der Aachener Professor in einem Gastbeitrag im „Handelsblatt„.

„Streetscooter wurde weder eine ausreichende Finanzierung noch ein realistischer Zugang zum Kapitalmarkt gewährt“, kritisiert Schuh weiter. Das Ende des E-Autos sei ein Armutszeugnis für die Post und für Deutschland.

Schuh hatte den Elektrotransporter 2010 mit seinen Studenten der RWTH Aachen erfunden und gemeinsam mit Achim Kampker Streetscooter gegründet. 2014 wurde das Start-up von der Deutschen Post-Tochter DHL übernommen.

Schuh, der mittlerweile bereits sein zweites E-Auto Start-up mit dem Kleinwagen Ego betreibt, sieht den Fehler in der deutschen Mentalität. „Das Silicon Valley ist uns deshalb so haushoch überlegen, weil dort ein ganzes Ökosystem tagtäglich nach dem Unmöglichen sucht“, schreibt er.

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Deutschland suche dagegen eher nach kleinen, machbaren Ideen. „Wenn wir uns doch mal trauen, ein unmögliches Projekt zu starten, dann fehlt uns schnell das Geld und wir fallen in die Hände derjenigen, die Deutschland nach den Sparkassen-Regeln führen“, so Schuh.

(Mit Material der Agenturen)