Reise-Chaos bei Thomas Cook: Hessen will Hälfte eines Überbrückungskredits für Condor übernehmen

Epoch Times23. September 2019 Aktualisiert: 24. September 2019 11:37

Update 11:35

Das Land Hessen ist bereit, der von der Insolvenz von Thomas Cook betroffenen Airline Condor mit einem Millionenkredit zu helfen: „Wir haben ein bewährtes Verfahren in solchen Konstruktionen. Der Bund nimmt die Hälfte und die betroffenen Länder nehmen die andere Hälfte“, sagte der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) am Dienstag im Hessischen Rundfunk.

Condor mit Sitz im hessischen Kelsterbach, eine Tochter des britischen Reisekonzerns Thomas Cook, hatte am Montag einen Überbrückungskredit beantragt. Sollte es auf die 200 Millionen Euro hinauslaufen, die zurzeit im Gespräch seien, dann würde Hessen 100 Millionen Euro übernehmen, sagte Schäfer weiter. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte am Montag erklärt, es prüfe den Antrag von Condor „unter Hochdruck“.

Ein ähnliches Vorgehen habe auch vor zehn Jahren beim Autobauer Opel zum Erfolg geführt, sagte Schäfer dem Sender HR-Info. „Was gab es da für Unkenrufe, dass wir das Geld zum Fenster rausgeworfen hätten. Am Ende haben wir jeden Euro-Cent wiederbekommen und sogar noch für den Steuerzahler Garantieprovision verdient.“

Nicht nur den großen, sondern auch kleinen Unternehmen werde in ähnlichen Lagen geholfen, betonte Schäfer. „Seitdem ich im Finanzministerium tätig bin, seit rund zehn Jahren, habe ich unzähligen kleineren Unternehmen mit Landesbürgschaften helfen können, das Überleben zu sichern“. So hätten zehntausende Arbeitsplätze gerettet werden können. Die meisten Fälle kämen nicht an die Öffentlichkeit. „Das heißt, wir helfen nicht nur den Großen, sondern vor allem und intensiv den Kleinen.“

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Update 7:20

Trotz der Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook sollen die Flüge der Tochtergesellschaft Thomas Cook Airlines Scandinavia wieder aufgenommen werden.

Das teilte die Thomas-Cook-Tochter Ving am Abend in Norwegen und Schweden mit. Auch andere skandinavische Töchter der Thomas Cook Gruppe, darunter Tjaereborg, Globetrotter und Spies – würden den Betrieb fortsetzen, hieß es weiter.

Weil sie unabhängige und profitable Teile der Gruppe seien, könnten sie mit Hilfe der Banken, Gläubiger und Bürgen den Betrieb fortsetzen, sagte der Geschäftsführer von Thoma Cook Nordeuropa, Magnus Wikner.

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Update 17:15

Die Türkei hat nach der Thomas-Cook-Pleite ein millionenschweres Kreditpaket angekündigt, um die von der Insolvenz betroffenen einheimischen Firmen zu unterstützen.

Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy sagte am Montag, dass das Kreditpaket 50 Millionen Euro umfassen werde. Die Küstenregionen um Antalya, Bodrum und Dalaman gehörten zu den Topzielen des britischen Reiseanbieters, der in der Nacht zu Montag Insolvenz anmelden musste.

Laut Ersoy befinden sich derzeit 21.000 britische Urlauber mit Thomas Cook in der Türkei. Sie sollen in den kommenden Wochen nach Hause gebracht werden.

80.000 Touristen in der Türkei

Sollten auch die deutschen Tochterfirmen von Thomas Cook in Insolvenz gehen, könnte sich die Zahl der auf Hilfe bei der Rückkehr angewiesenen Urlauber um weitere 20.000 erhöhen. Insgesamt sind demnach 80.000 Touristen mit den verschiedenen Tochterfirmen in der Türkei.

Unsere Priorität ist es, dass die ausländischen Gäste hier ohne zu große Unannehmlichkeiten nach Hause zurückkehren können“, sagte Ersoy.

Er warnte, türkischen Hotels drohten Strafen, sollten sie von britischen Thomas-Cook-Kunden zusätzliches Geld verlangen. Er verwies darauf, dass britische Pauschalurlauber durch die Air Travel Organiser’s Licence (ATOL) abgesichert seien.

Ersoy äußerte sich zuversichtlich, dass andere Firmen die Lücke von Thomas Cook in der Türkei füllen würden. Weltweit sind derzeit rund 600.000 Menschen auf Reisen mit Thomas Cook, davon 150.000 Briten und 140.000 Deutsche. Die insolvente Muttergesellschaft stellte alle Flüge ein. Der Flugbetrieb der deutschen Tochter Condor läuft bisher weiter.

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Schwerer Schlag für Zypern

Die Regierung in Zypern versicherte unterdessen, sie stimme sich eng mit Großbritannien ab, um sicherzustellen, dass die britischen Thomas-Cook-Kunden auf der Insel möglichst reibungslos in ihre Heimat zurückkehren könnten.

Vize-Tourismusminister Savvas Perdios sagte, es seien derzeit 15.000 Urlauber mit Thomas Cook in dem EU-Staat, davon 7500 Briten. Er warnte, der Tourismusindustrie drohe ein Verlust von 50 Millionen Euro.

Dies ist ein schwerer Schlag für den Tourismus auf Zypern“, sagte Perdios.

Kaum jemand rechne damit, dass ausstehende Rechnungen von Hotels und anderen Geschäftspartnern des Reiseanbieters in den Monaten Juli bis September noch beglichen würden.

Demnach reisten bisher jährlich rund 250.000 Urlauber mit Thomas Cook nach Zypern und bescherten der Tourismusindustrie auf der Mittelmeerinsel Einnahmen von 187,5 Millionen Euro. (afp)

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Update 16:40

Die Pleite des Reisekonzerns Thomas Cook verunsichert auch Passagiere der deutschen Airline-Tochter Condor.

„Viele Passagiere an den größeren Flughafenstandorten Düsseldorf, Frankfurt, Hannover, Hamburg, Leipzig, München und Stuttgart sind betroffen“, teilte der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen mit.

Fest steht aber: Condor fliegt vorerst weiter. Die Bundesregierung prüft, ob sie der bisher profitablen Fluggesellschaft einen Überbrückungskredit gewährt. Das könnte möglicherweise verhindern, dass sie im Sog der Thomas-Cook-Insolvenz ebenfalls in Schräglage gerät.

Wir konzentrieren uns auch weiterhin auf das, was wir am besten können: Unsere Gäste pünktlich und sicher in den Urlaub zu fliegen“, sagte Condor-Chef Ralf Teckentrup.

Mit dem deutschen Reiseveranstalter von Thomas Cook sind nach Unternehmensangaben derzeit 140.000 Gäste unterwegs. Am Montag und Dienstag sollten 21.000 Menschen abreisen. Thomas-Cook-Urlauber, die planmäßig nach Hause fliegen wollen, sind nicht betroffen. Sie werden von Condor befördert.

Condor hat rund 200 Millionen Euro als Überbrückungskredit beantragt, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen erfuhr.

Er soll Liquiditätsengpässe verhindern. Im Schnitt sind weniger als ein Fünftel der Condor-Passagiere Gäste der Thomas Cook-Veranstaltermarken.

Hessen will Condor in Krise helfen

Die hessische Landesregierung stellte ergänzende Hilfe für die Gesellschaft mit Sitz in Frankfurt in Aussicht.

Grundsätzlich sind wir offen, Condor bei der Überbrückung der aktuellen Krise zusammen mit dem Bund behilflich zu sein, etwa durch eine ergänzende Landesbürgschaft“, teilte die Landesregierung mit.

Die Pleite des Thomas-Cook-Konzerns beflügelt erneut die Spekulationen über einen Verkauf von Condor. Ein Lufthansa-Sprecher wollte sich zu einem möglichen Interesse von Europas größter Airline an dem deutschen Ferienflieger am Montag nicht äußern.

Flughäfen und Gewerkschaften unterstützten die Bitte des Unternehmen um Staatshilfe. Die Fluggesellschaft hat 4900 Beschäftigte und unterhält 58 Flugzeuge.

Ein gesundes und für sich genommen wirtschaftlich stabiles Unternehmen verdient eine faire Chance, zu überleben“, betonte auch die Flugbegleitergewerkschaft Ufo, ähnlich wie Verdi und die Vereinigung Cockpit.

Condor hatte im letzten vollständigen Geschäftsjahr bis Ende September 2018 rund 1,8 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet und vor Abzug von Zinsen und Steuern rund 43 Millionen Euro als Gewinn verbucht (Ebit). Für das aktuelle Geschäftsjahr wurde ein noch besseres Ergebnis im laufenden Geschäft erwartet.

Bundesregierung vergab Kredit an Air Berlin

Die Bundesregierung hatte im August 2017 nach der Insolvenz von Air Berlin einen Kredit über 150 Millionen gewährt, um die Fluggesellschaft vorerst in der Luft zu halten und die Rettungschancen zu verbessern. Viele Beschäftigte kamen bei den Käufern der Airline unter, der Kredit ist inzwischen zurückgezahlt.

Thomas Cook hatte im Februar all seine Airlines zum Verkauf gestellt. Lufthansa gab im Mai zwar ein vorläufiges Kaufgebot für Condor ab; besonders deren Langstreckengeschäft schien für die Lufthansa attraktiv.

Doch schon nach wenigen Wochen rechnete Lufthansa-Finanzchef Ulrik Svensson nicht mehr damit, bei Condor zum Zuge zu kommen.

Auch verschärften sich die Probleme der Lufthansa-Billigmarke Eurowings. „Eurowings wird sich selbst sanieren, und danach können wir über Zukäufe sprechen“, hatte Svensson Ende Juni gesagt. (dpa)

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Update 15:20

Nachdem der Ferienflieger Condor eine Bürgschaft des Bundes beantragt hat, fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) eine verpflichtende Insolvenzversicherung für Airlines.

Die Thomas-Cook-Pleite ist der wiederholte Weckruf an die Politik, eine verpflichtende Insolvenzversicherung für Fluglinien einzuführen, damit nicht der Staat mit Bürgschaften einspringen muss“, sagte VZBV-Chef Klaus Müller der „Rheinischen Post“ (Online-Ausgabe).

Müller warnte davor, dass Urlauber möglicherweise nicht ausreichend versichert sind, falls der Thomas-Cook-Ableger Neckermann-Reisen den Markt verlässt.

Wir halten es für notwendig, den Höchstbetrag für die Haftung von 110 Millionen Euro deutlich zu erhöhen. Sie bedeutet ja faktisch, dass die Verbraucher bei einer Pleite eines wirklich großen Tourismuskonzerns möglicherweise nicht ausreichend geschützt sind.“

Für den Fall, dass Unternehmen der Thomas-Cook-Gruppe in Deutschland Pauschalreisen absagen, forderte Müller eine schnelle Auszahlung des Geldes.

Ich appelliere an die Versicherer, unverzüglich die Kosten zu erstatten, damit Geschädigte Reisen umbuchen können.“

An die anderen Reiseanbieter appelliere er, „jetzt keinen Krisenaufschlag zu nehmen, damit die Urlaubsvorfreude kein zweites Mal verdorben wird“, so Müller weiter. (dts)

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Update 13.50 Uhr

Nach der plötzlichen Insolvenz des britischen Reiseunternehmens Thomas Cook stecken rund 50.000 Urlauber in Griechenland fest. Wie das griechische Tourismusministerium am Montag mitteilte, sollen in den kommenden drei Tagen 22.000 Touristen nach Hause zurückgebracht werden. Demnach hat der Prozess bereits begonnen, die ersten 15 Flugzeuge landeten auf den Urlaubsinseln Zakynthos, Korfu und Kos.

Laut der griechischen Nachrichtenagentur ANA sitzen allein auf Kreta 22.000 Kunden von Thomas Cook fest, darunter 15.000 Briten. Auf Korfu würden mehr als 3.000 Urlauber aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland und anderen EU-Länder feststecken, sagte der Präsident der Hoteliersvereinigung der Insel, Babis Voulgaris. Auf Zakynthos sind es laut der Nachrichtenagentur 4.000 Touristen, die nach Großbritannien zurückzukehren versuchen.

Während bei deutschen Pauschalreisenden eine Reiseversicherung einspringt, wenn der Anbieter die Rückreise nicht gewährleisten kann, ist in Großbritannien die Regierung verantwortlich. Sie will nun in der größten derartigen Aktion seit dem Zweiten Weltkrieg rund 150.000 britische Thomas-Cook-Kunden aus aller Welt zurückholen. Während Thomas Cook alle Flüge eingestellt hat, setzt die deutsche Tochterfirma Condor ihren Betrieb weiter fort. (afp)

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Update 12.30 Uhr

Die Türkei will heimische Unternehmen unterstützen, die von der Pleite des britischen Reisekonzerns Thomas Cook betroffen sind. Das türkische Kultur- und Tourismusministerium kündigte am Montag an, mit dem Finanzministerium „so bald wie möglich“ ein Kreditprogramm  für die betroffenen Firmen aufzulegen. Demnach sind derzeit rund 21.000 Touristen mit dem Unternehmen in der Türkei im Urlaub, das in der Nacht zu Montag Konkurs angemeldet hatte.  (afp)

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Update 12.00 Uhr

Auch die deutsche Thomas-Cook-Tochter Condor darf aus rechtlichen Gründen Urlauber, die mit Thomas-Cook-Veranstaltern gebucht haben, nicht mehr an ihr Reiseziel bringen. Betroffene sollen sich direkt mit Thomas Cook in Verbindung setzen.

Mit einem Reiseveranstalter von Thomas Cook in Deutschland sind nach Unternehmensangaben derzeit rund 140.000 deutsche Reisende im Urlaub. Eine Abreise am Montag oder Dienstag haben rund 21.000 Deutsche gebucht, wie die Thomas Cook GmbH in Oberursel bei Frankfurt mitteilte – ihre Reise könne „nicht gewährleistet werden“. Jeglicher Verkauf von Reisen sei gestoppt.

Wie die 140.000 betroffenen Urlauber nach Deutschland zurückkommen, „können wir derzeit nicht sagen“, teilte eine Sprecherin mit. Die Thomas Cook GmbH lotet nach Unternehmensangaben „letzte Optionen“ aus. Sollten diese scheitern, sehe sich die Geschäftsführung gezwungen, für die Thomas Cook GmbH, Thomas Cook Touristik GmbH, die Bucher Reisen und Öger Tours GmbH und möglicherweise auch weitere Gesellschaften Insolvenzantrag zu stellen.

Der britische Reisekonzern Thomas Cook hatte in der Nacht zum Montag Insolvenz erklärt. Betroffen sind insgesamt rund 600.000 Reisende, darunter auch 150.000 Briten. In Frankreich sind nach Angaben von Thomas Cook France knapp 10.000 Urlauber mit dem Veranstalter unterwegs. (afp/dpa)

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Update: 8.45 Uhr

Trotz der Pleite des Mutterkonzerns Thomas Cook erhält die deutsche Tochter Condor den Betrieb aufrecht.

Condor fliege weiter, teilte das Unternehmen am Montag auf seiner Internetseite mit. „Die Flüge finden planmäßig statt.“ Auch weiterhin wirbt Condor mit Neubuchungen. „Wir starten und landen ganz normal“, betonte eine Sprecherin.

Die Insolvenz von Thomas Cook betreffe Condor nicht. Zahlen zu Passagieren, die mit der Airline unterwegs sind, kommentiere das Unternehmen nicht.

Condor fliegt mit 58 Maschinen von Deutschland aus zu mehr als 80 Zielen weltweit. Die Mutter Thomas Cook hatte in der Nacht in Großbritannien Insolvenz angemeldet. Betroffen sind nach Angaben des Konzerns 600.000 Urlauber, darunter 150.000 Briten.

Der britische Premier Boris Johnson hat den gestrandeten Urlaubern des insolventen Reiseveranstalters Thomas Cook die Hilfe seiner Regierung versprochen. „Wir werden unser Bestes tun, um sie nach Hause zu holen. Es wird Pläne dafür geben, wenn es notwendig wird“, sagte Johnson. (afp/dpa)

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Der britische Touristikkonzern Thomas Cook ist insolvent und hat vor Gericht bereits einen entsprechenden Antrag gestellt. Der Betrieb wurde in Großbritannien mit sofortiger Wirkung eingestellt.

Laut BBC sei die „größte zivile Rückholaktion überhaupt“ bereits angelaufen, um rund 150.000 britische Urlauber nach Hause zu holen.

Der deutsche Ferienflieger Condor, der zu Thomas Cook gehört, versichert, dass der Flugbetrieb weitergeht. ‎Um Liquiditätsengpässe bei Condor zu verhindern, habe die Airline einen Überbrückungskredit bei der Bundesregierung ‎beantragt, der derzeit geprüft werde. (dpa)