Studie: Jeder zweite qualifizierte Zuwanderer verlässt Deutschland wieder

Das Institut der deutschen Wirtschaft fordert eine Migrationspolitik, die künftig mehr qualifizierte Zuwanderer dauerhaft in Deutschland hält.
Titelbild
Viele ausländische Fachkräfte verlassen Deutschland auch wieder.Foto: iStock
Epoch Times13. Dezember 2018

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) fordert eine Migrationspolitik, die künftig mehr qualifizierte Zuwanderer dauerhaft in Deutschland hält.

Im vergangenen Jahr seien zwar rund 1,4 Millionen Ausländer nach Deutschland gezogen – 708.000 seien 2017 aber auch abgewandert, darunter zahlreiche hochqualifizierte Menschen, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten IW-Studie.

Die meisten dieser Rückkehrer lebten demnach nur kurz in Deutschland, etwa für die Dauer eines Semesters an der Universität oder eines Projektes. Über 200.000 gingen aber auch nach über drei Jahren.

Von den 1,39 Millionen Zuwanderern 2017 kamen 850.000 aus einem Land der Europäischen Union – 410.000 EU-Ausländer verließen Deutschland im vergangenen Jahr. Von 2012 bis 2016 habe sich die Zahl derjenigen, die fortzogen, von 332.000 auf 771.000 verdoppelt. Laut Studie hat vor allem die Zahl der Ausländer zugenommen, die das Land in den ersten drei Jahren ihres Aufenthaltes wieder verließen.

Es sei daher davon auszugehen, dass ein bedeutender Teil der heute nach Deutschland kommenden Zuwanderer das Land mittelfristig wieder verlassen werde, heißt es in der IW-Studie. Um den negativen Folgen des demografischen Wandels entgegenzuwirken, müsse aber darauf hingearbeitet werden, dass Fachkräfte aus dem Ausland zuwandern – und dass sie langfristig im Land bleiben.

Hier spielten das Zugehörigkeitsgefühl und die familiäre Situation der Zuwanderer eine wichtige Rolle, ergab die Studie, die dazu Daten aus dem sozio-oekonomischen Panel (SOEP) aus den Jahren 2015 und 2016 auswertete. Die meisten seit 2015 nach Deutschland Geflüchteten wurden bei dieser Befragung allerdings nicht berücksichtigt.

Nur neun Prozent der Zuwanderer, die das Gefühl haben, in Deutschland zu Hause und akzeptiert zu sein, planen laut SOEP-Befragung eine Rückkehr in die Heimat. Besteht dieses Gefühl nicht, sind es 27 Prozent.

Ein weiterer Grund, in Deutschland zu bleiben, ist der Befragung zufolge die Familie. Zuwanderer mit zwei oder mehr Kindern verlassen die Bundesrepublik deutlich seltener und sind eher bereit, sich einbürgern zu lassen. Dahinter stehe oft der Wunsch, den Kindern eine bessere Zukunft zu bieten.

Angesichts des Fachkräftemangels müsse die Migrationspolitik hierzulande künftig darauf abzielen, auch die Zuwandererfamilien zu unterstützen, folgert IW-Studienautor Wido Geis-Thöne. „Wenn beide Eltern am Arbeitsmarkt und die Kinder im Bildungssystem Fuß fassen, kann es besser gelingen, Hochqualifizierte langfristig im Land zu halten.“ Schließlich sei Deutschland dringend auf Zuwanderung angewiesen. (afp)



Epoch TV
Epoch Vital
Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Dies umfasst ebenso abschweifende Kommentare, die keinen konkreten Bezug zum jeweiligen Artikel haben. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.


Ihre Epoch Times - Redaktion