„True Fruits“ von Marketingkongress ausgeladen: „Krass zu sehen, wie radikal die Gesellschaft geworden ist“

Am heutigen Donnerstag (21.11.) findet in Salzburg der Onlinemarketingkongress OMX statt. Dabei sollte ursprünglich auch ein Referent aus Bonn anreisen: Nicolas Lecloux, der Geschäftsführer des Smoothie-Herstellers „True Fruits“. Zu dem Vortrag wird es jedoch nicht kommen.

Veranstalter Oliver Hauser hat die Einladung an Lecloux wieder zurückgezogen. Grund dafür, so die „Welt“, war, dass Hauser „schriftliche Aufrufe zu Tumulten und Demos vorliegen“, die zu befürchten gewesen wären, hätte Lecloux das Angebot wahrgenommen, über seine Online-Werbestrategie zu referieren und sich anschließend der Diskussion zu stellen.

Wir sehen uns mit Anfeindungen, Aufrufen zum Boykott unserer Veranstaltung bis hin zu Demonstrationen und Aktionismus konfrontiert, die den reibungslosen Ablauf unserer Konferenz und allem voran die Sicherheit unserer Gäste und Vortragenden gefährdet“, äußerte Hauser in einer Erklärung.

Damit habe „ein sachlicher und kritischer Austausch zum polarisierenden Marketingthema ‚True Fruits‘ einen nicht mehr akzeptablen Preis“. Um eine geordnete Konferenz gewährleisten zu können, habe sich das Organisationsteam deshalb dazu entschlossen, den geplanten Lecloux-Vortrag wieder aus dem Programm zu nehmen.

Kunden kaufen Produkt trotz aller Proteste

Lecloux ist für Werbekampagnen bekannt, die kaum verborgene sexuelle Anspielungen, Anzüglichkeiten und provokante Wortspiele enthalten. Neben „Oralverzehr“ oder „Samengenuss“ wurde dabei auch – im Zusammenhang mit einer dunklen Smoothieflasche – der Begriff „Quotenschwarzer“ verwendet. Dies trug True Fruits neben dem „Sexismus“-Vorwurf auch jenen des „Rassismus“ ein.

Im Februar wurden Geschäfte mittels einer Petition dazu aufgefordert, die Produkte des Unternehmens aus dem Regal zu nehmen. Mehrere Studentenwerke und die Schweizer Handelskette Globus haben daraufhin True Fruits aus dem Programm genommen. Das Gros der Konsumenten zeigte sich hingegen unbeeindruckt: Im Laufe des Jahres konnte True Fruits seinen Marktanteil unter den Smoothie-Anbietern sogar von 48,1 auf über 60 Prozent ausbauen.

Um Geschäftsführer Lecloux zumindest die Öffentlichkeit zu nehmen, hat eine Initiative unter dem Hashtag #truediskriminierung im Vorfeld des Kongresses einen offenen Brief an die OMX-Verantwortlichen mit der Aufforderung gerichtet, diesen wieder auszuladen.

Unter den Unterzeichnern waren auch Prominente aus Funk und Fernsehen. Dass der moralisierende Aufruf dabei allerdings auch von Persönlichkeiten unterfertigt wurde, die bislang in eigener Sache nicht unbedingt als moralische Lichtgestalten in Erscheinung getreten waren, dürfte dessen Überzeugungskraft bei den Adressaten nicht dienlich gewesen sein.

Charlotte Roche als moralische Autorität im Kampf gegen sexuelle Anzüglichkeit?

Neben dem TV-Moderator Joko Winterscheidt, der jüngst wegen unprofessionellen Gebarens im Zusammenhang mit einer von ihm angekündigten Aktion zur „Seenotrettung“ ins Gerede gekommen war, gehörten auch Komikerin Carolin Kebekus und Autorin Charlotte Roche zu den Unterzeichnern – deren Programme und Produktionen selbst dafür bekannt sind, in nicht zu knappen Ausmaß sexuell anzügliche Inhalte zu enthalten.

Am Ende gaben die konkreten Drohungen, die Hauser nach eigenen Angaben vorliegen, den Ausschlag, Lecloux auszuladen. Dieser äußerte vor diesem Hintergrund auch Verständnis. Im Kommentarbereich zu einem Facebook-Eintrag der Veranstalter, wo sie Verständnis äußerten, schrieb der Schweizer Fachblogger Thomas Hutter:

Absolutes Verständnis für die Entscheidung von Oliver. Gleichzeitig maximales Unverständnis, dass die Möglichkeit eines Dialogs und einer Diskussion und eine sachliche Auseinandersetzung mit der Thematik nicht möglich zu sein scheint. Traurig, echt traurig so was und krass zu sehen, wie intolerant/militant/radikal die Gesellschaft geworden ist.“

Die Initiatorin von #truediskriminierung, Kyra Nastassia Furgalec, bestritt unterdessen, dass von ihrer Aktion persönliche Anfeindungen oder gar Bedrohungen ausgegangen seien.

Quelle: https://www.epochtimes.de/wirtschaft/unternehmen/true-fruits-von-marketingkongress-ausgeladen-krass-zu-sehen-wie-radikal-die-gesellschaft-geworden-ist-a3073104.html