US-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz: Der Euro muss weg

Epoch Times27. August 2016 Aktualisiert: 27. August 2016 18:12
US-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz fordert die Abschaffung des Euro: "Die Konstruktionsfehler des Euro scheinen unüberwindbar. Es ist Zeit, über eine Auflösung nachzudenken." Die Länder der Eurozone stecken mitten in einer Depression, es geht ihnen schlechter als während der Weltwirtschaftskrise 1930.

„Die Konstruktionsfehler des Euro scheinen unüberwindbar. Es ist Zeit, über eine Auflösung nachzudenken“, schreibt der US-Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz in der Financial Times, wallstreet-online veröffentlichte seine Überlegungen auf deutsch. Stiglitz zieht zum Vergleich die 30er Jahre heran:

„Die Länder der Eurozone mit der schlechtesten Wirtschaftsleistung stecken mitten in einer Depression. Es geht ihnen schlechter als es vielen Ländern während der Weltwirtschaftskrise 1930 ging.“ Länder wie Deutschland, denen es scheinbar gut gehe, kämen nur im Vergleich mit anderen Ländern der Eurozone gut weg. „Ihr Erfolg geht auf Kosten ehemaliger ‚Partner‘.“

Der Euro sollte Wohlstand bringen – und erreicht genau das Gegenteil

Die gemeinsame Währung sollte mehr „Wohlstand bringen und für mehr Solidarität in Europa sorgen“ – „Sie hat jedoch genau das Gegenteil erreicht.“

Bevor der Euro eingeführt wurde, hatten viele Länder eine solide Geldpolitik, niedrige Defizite und Schuldenquoten, so hatten Spanien und Irland vor der Eurokrise sogar Überschüsse und niedrige Schuldenquoten. So liegt der Leitzins, zu dem sich Kreditinstitute bei der Zentralbank Geld leihen können, seit dem 10. März bei 0,0 Prozent – vor der Krise betrug er 4,25 Prozent. Diese Geldpolitik kann keine Garantie für eine wirtschaftliche Stabilität der Eurozone sein und reicht nicht, um aus der Krise zu kommen.

„Nicht Faulheit hat zum Absturz geführt. Was sich geändert hat, war das Währungskonstrukt.“
„Deutschland beschuldigt gerne die Opfer und zeigt mit dem Finger auf Griechenlands Lasterhaftigkeit und auf die Schulden und Defizite anderer Staaten.“ Doch: „Die Krise hat Defizite und Schulden hervorgerufen – und nicht anders herum.“
Die Eurozone sei ein politisches Konstrukt: „fehlgeleitete strukturelle Reformen haben die Situation zweifelsfrei verschlimmert.“

Es gibt nur einen logischen Schluss: Der Euro ist Schuld und muss weg

Für den US-Nobelpreisträger gibt es nur einen logischen Schluss: Der Euro ist schuld. Denn: Die einheitliche Währung hat den Staaten den Wechselkurs und damit den wichtigsten Anpassungsmechanismus genommen.

Stiglitz: „Die Konstruktionsfehler des Euro scheinen unüberwindbar. Es ist Zeit, über eine Auflösung nachzudenken.“

Damit der Euro funktionieren könnte, sieht Stiglitz sieben Punkte, die geändert werden müssten

In wallstreet-online veröffentlichte er sieben Forderungen an den Eruo und das Euro-Konstrukt, damit dieser funktionieren könnte. Gleichzeitig sieht er, dass noch der politische Wille fehlt, um die Vorschläge umzusetzen. Er meint:
„Eine Trennung in Freundschaft wäre daher besser als der aktuelle Stillstand“
Diese sieben Punkte sind:
– Die Forderung, dass die Defizite weniger als drei Prozent des BIPs betragen sollen, muss aufgegeben werden
– Die rigide Sparpolitik soll durch eine Wachstumsstrategie ersetzt werden und durch einen Solidaritätsfonds für Stabilisierung unterstützt werden
– Es sollen Eurobondes oder ähnliche Mechanismen geschaffen werden, um zu vermeiden, dass sich Länder in einer Währung verschulden, die nicht unter Kontrolle der EU steht
– Umverteilung der Lasten: „Länder die einen Überschuss ausweisen sollen sich zu höheren Löhnen und Staatsausgaben verpflichten.“ Dadurch wird gesichert, dass Preise in diesen Ländern stärker steigen als die in Ländern mit Bilanzdefiziten
– Der Auftrag der Europäischen Zentralbank muss geändert werden, da sie sich derzeit nur auf das Thema Inflation beruft. Als Vergleich zieht er die amerikanische Zentralbank heran, die auch Arbeitslosigkeit, Wachstum und Stabilität berücksichtigt.
– Aufbau einer Bankenunion mit gemeinsamer Einlagensicherung
– Aufbau einer Industriepolitik, die es Ländern erlaubt, auf die führenden Volkswirtschaften aufzuholen. (Quelle: wallstreet-online)
Auch Börsenspezialisten wie Martin Brosy (Chefredakteur bei Boersenpoint) sagen: „Wachstum allein kann nicht für den Weg aus der Schuldenkrise ausreichen, die Sanierung der Staatsfinanzen muss mit nationalen und europäischen Reformen fortgesetzt werden. Allerdings dürfen diese nicht Wirtschaftswachstum und Beschäftigung entgegenwirken. Daher müssen Strukturreformen Einzug halten, die die Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaften erhöhen können.“ (ks)

 

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN