Bayern: Schlüsseldienst verlangt Wucherpreis von 3.200 Euro

Epoch Times8. Oktober 2018 Aktualisiert: 18. Oktober 2018 19:17
Fast jeder kommt mindestens einmal im Leben in die Situation, vor einer geschlossenen Tür zu stehen - während der Schlüssel im Haus oder der Wohnung liegt oder gar von innen steckt.

Nun muss der Schlüsseldienst her und oftmals wird das ein wahrlich teures Unterfangen. Wie teuer es im Höchstfall sein kann, musste eine Familie aus Dachaus am eigenen Leib erfahren. Ganze 3.200 Euro wurden von einer jungen Frau im Anschluss an die Arbeiten bezahlt – direkt mit der Karte vor Ort. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Die Preise eines Schlüsseldienstes setzen sich laut https://www.betrugstest.com/schluesseldienste/ aus vier Komponenten zusammen:

  • die Anfahrt
  • die Öffnung der Tür
  • eventueller Zuschlag
  • Mehrwertsteuer

Ein Preis von ca. 80 Euro ist für diesen Dienst (der meistens um die 1-2 Stunden dauert) sehr gut. Bei ca. 150 Euro wird es schon kritischer und Preise bis zu 400 Euro gehören ganz klar in die Wucher-Kategorie.

Was allerdings der Familie aus Dachaus passiert ist, übersteigt selbst Wucherpreise maßlos. Die Kinder der Familie sind, während die Eltern im Urlaub sind, alleine zu Hause. Das Schloss der Haustür funktioniert spontan nicht mehr und der Schlüsseldienst wird gerufen.

Wie auf sat1.de berichtet, rief die Tochter der Familie den Schlüsseldienst. Die Telefonnummer stammte aus dem Internet und der Anbieter machte auf die junge Frau einen durchaus seriösen Eindruck.

Der Handwerker kommt, arbeitet und verursacht im Laufe der Zeit mehr und mehr Kosten. Dennoch: Die Tochter ist unsicher und zahlt am Ende per Karte – ganze 3.200 Euro.

Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft, da es möglich ist, dass der Handwerker die Unsicherheit der jungen Frau ausnutzte. Ermittelt wird unter anderem wegen Wucher, aber auch aufgrund eines potenziellen Betrugs. Dass derartige Ermittlungen durchaus von Erfolg gekrönt sein können, zeigt eine Meldung aus August 2018.

Zwei Chefs aus Nordrhein-Westfalen erhielten für ihr Verhalten die Quittung und wurden zu mehreren Jahren Haftstrafe verurteilt – wegen:

  • Steuerhinterziehung
  • Arbeitsgeld-Vorenthaltung
  • und gewerbsmäßiger Bandenbetrug

Doch es gibt Möglichkeiten, sich gegen Schlüsseldienst-Abzocker zur Wehr zu setzen. Nachfolgend einige gängige Tipps, die wir auch hier noch konkreter vorgestellt haben.

  1. Informieren Sie sich bereits im Vorfeld (noch ehe solch eine Situation eintritt) über einen seriösen Schlüsseldienst und deponieren die Nummer – am besten nicht nur im Smartphone einspeichern, sondern auch als kleinen Zettel deponieren, wo er im Falle des Falles wiedergefunden werden kann.
  2. Vertrauen Sie unter keinen Umständen Call-Center-Nummern, die beispielsweise als Aufkleber auf Hauseingängen zu finden sind. In der Regel landen Anrufer nicht bei einem Schlüsseldienst vor Ort, sondern bei einer Zentrale, die oftmals mit Wucherpreisen agiert und die entsprechende Notlage ausnutzen könnte.
  3. Eine Sofortzahlung ist nicht nötig, auch, wenn Handwerker Kunden gerne darauf drängen möchten. Diese Vorgehensweise ist allerdings nicht rechtmäßig – Sie haben das Recht, per klassischer Rechnung zu zahlen.
  4. Wenn Sie sich zu einer unpraktischen Uhrzeit ausgesperrt haben (z.B. spät abends, am Sonntag oder gar in der Nacht), dann sollten Sie möglicherweise lieber in einem Hotel übernachten und den Schlüsseldienst erst am nächsten Morgen rufen – das kann unter Umständen deutlich preiswerter ausfallen.
  5. Einen seriösen Schlüsseldienst erkennen Sie unter anderem an einer Vorwahl Ihrer Stadt und im Bestfall auch an einer seriösen Webseite, die den Namen der Stadt trägt. Achten Sie außerdem auf das Impressum, in dem ebenfalls die Stadt zu finden sein sollte. Die Preise sollten transparent (und vor dem Einsatz) offengelegt werden, wobei die An- und Abreise im Preis enthalten sein sollte.

Falls Sie unsicher sind, können Sie sich einen Mitarbeiterausweis zeigen lassen, der von jedem seriösen Schlüsseldienst mitgeführt wird. Ein weiteres Merkmal ist die Tatsache, dass seriöse Anbieter darauf achten, dass Kunden einen Personalausweis (und eine Meldebescheinigung) vorlegen können.

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