Experten fordern nationale Aufsichtsbehörde im Kampf gegen Glücksspielschlupfloch

Epoch Times6. April 2018 Aktualisiert: 6. April 2018 12:33
Ein Schlupfloch in Deutschland macht es Online-Casinos derzeit extrem leicht, zu florieren. Davon profitieren aber nicht nur legale Angebote, sondern vor allem die illegalen. Experten haben deswegen in einer Forderung zu einer nationalen Aufsichtsbehörde geraten. Diese soll der derzeitigen Regulierung durch die 16 Bundesländer ein Ende setzen und zu einer einheitlichen Regelung führen.

Forschungsstelle für Glücksspiel der Universität Hohenheim fordert bessere Regulierung

Grund dafür, dass Deutschland sich im Netz zu einem wahren Paradies für illegales Glücksspiel entwickelt hat, ist ein Regulierungsschlupfloch in Schleswig-Holstein. Ganz konkret dürfen die Online-Casinos dank mangelnder Regulierung eines Bundeslandes bundesweit um Kundschaft werben, auch nicht genehmigte Glücksspiele können dies ungehindert tun.

Die Experten der (bundesweit einzigartigen) Forschungsstelle für Glücksspiel der Universität Hohenheim unter der Leitung von Professor Tilman Becker fordern, dass einheitlich und vor allem konsequent gegen die Werbung illegaler Angebote vorgegangen wird – am besten in Form einer nationalen Aufsichtsbehörde.

Dies stünde nicht nur im Interesse der Spieler und der Suchtprävention, sondern würde auch staatliche Interessen unterstützen. Gerade online besteht für gefährdete Spieler ein hohes Suchtpotential, bedingt durch die schnelle Taktung, die einfachen Spiele und das Glücksspiel jederzeit und überall, etwa vom Smartphone aus.

Doch auch der Staat, der die Einnahmen von beispielsweise Lottogesellschaften mit 39 Prozent besteuert, geht bei den illegalen Angeboten leer aus. Schätzungen legen dabei nahe, dass die Einnahmen aus illegalen Online-Casinos sich in den vergangen drei bis vier Jahren verdoppelt haben. In konkreten Zahlen ausgedrückt sind dies zwei Milliarden Euro an Bruttoeinnahmen, die unversteuert in die Taschen der illegalen Veranstalter (illegale Wettanbieter ausgeklammert) wandern.

Einheitliche Regulierung wäre im Interesse aller Beteiligten

Die Zahlen von Spielsuchtbetroffenen sind in den letzten Jahren weiter gestiegen, Zehntausende befinden sich inzwischen in Therapie oder der Schuldnerberatung. Alleine im Sinne der Suchtprävention wäre es also sinnvoll, einen nationalen Ausschuss zu schaffen, der bestehende Schlupflöcher schließt.

Doch auch aus staatlicher Sicht ist der Zustand aufgrund der entgangenen Steuereinnahmen eigentlich unhaltbar. Selbst den Glücksspielanbietern dürfte der derzeitige Zustand gar nicht passen, denn derzeit werden eben jene Anbieter bestraft, die freiwillig seriös arbeiten und legal ihre Steuern bezahlen. Große Nutznießer hingegen sind unseriöse Casinos, die sich auf der “Schwarzen Liste” befinden und deren Praktiken oftmals an Betrug grenzen.

Diese Auffassung teilen auch Parlamentarier aus Schleswig-Holstein wie der Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion Hans-Jörn Arp. Mit einem bundeseinheitliche Glücksspielgesetz und einer nationalen Behörde, die dieses auch konsequent durchsetzt, würde sich eine Lösung im Interesse aller schaffen lassen. Am Ende stünden legale Glücksspielanbieter, verbesserter Jugendschutz und eine Maßnahme gegen Geldwäsche. (re)

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