Globalisierung im Fußball

Vielen unter der Milliarde Zuschauern, die die Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft in Rustenburg in Südafrika sahen, ist möglicherweise das Wort „Globalisierung“ eingefallen. Für die Werbebranche bis hin zum Publikum verkörpert Fußball wie kein anderer Sport die Globalisierung. Und für die Spieler verkörpert Fußball wie kein anderer Beruf die Globalisierung.

Der Markt für Profifußballspieler ist mit Abstand der am meisten globalisierte Arbeitsmarkt. Ein nigerianischer oder brasilianischer Fußballspieler kann in Europa oder Japan leichter einen Job bekommen als ein Fachchirurg oder Ingenieur. Der „Professional Football Players Observatory“ gab für die letzte Fußballsaison bekannt, dass von den ungefähr 2.600 Berufsspielern in den fünf europäischen Spitzen-Ligen England, Spanien, Italien, Deutschland und Frankreich fast 800 nicht in dem Land geboren sind, in dem sie spielen.

Der größte Schub zur freien Wahl des Arbeitsortes im Fußball kam 1995 nach der sogenannten Bosman-Entscheidung. Der belgische Spieler Jean-Marc Bosman klagte am Europäischen Gerichtshof gegen die Regel, die die Anzahl von ausländischen Spielern auf zwei oder drei pro Klub beschränkte. Die Regeln waren, so argumentierte Bosman, eine ungeheuerliche Verletzung des innerhalb der Europäischen Union geltenden Arbeitsrechts zu Freizügigkeit und Nichtdiskriminierung; und er gewann.

Die Entscheidung hob Begrenzungen für EU-Spieler auf und bald wurden die anderen Begrenzungen für afrikanische, osteuropäische oder lateinamerikanische Spieler formell aufgegeben. So wurde die globale Freizügigkeit auf dem kleinen Markt für Top-Profifußballspieler fast vollständig möglich. Heute haben viele der besten Klubs überhaupt keine Spieler aus ihren „eigenen“ Ländern. Vor ein paar Wochen hatte die Inter Mailand-Truppe in ihrer Startelf keine Italiener und belegte in Europas „Superliga“, der Champions League den ersten Platz.

Globale Freizügigkeit der Arbeit

Kann man sich vorstellen, dass sich die gleiche globale Freizügigkeit in der Wahl des Arbeitsplatzes auf andere Berufe überträgt? Wenn Ärzte mit der gleichen Leichtigkeit wie der Inter Mailänder Stürmer Samuel Eto’o von Kamerun nach Spanien oder Italien gehen könnten; oder Ingenieure genauso wie der Topspieler Didier Drogba vom Londoner FC Chelsea von der Elfenbeinküste nach Frankreich und dann England? Die Fußballwelt könnte Hinweise dazu geben, wie diese neue Welt der Freizügigkeit über nationale Grenzen hinweg aussehen könnte. Die Globalisierung des populärsten Spiels der Welt ist für zwei Entwicklungen verantwortlich:

Die erste kann nicht so einfach gemessen werden, aber die meisten Beobachter sind sich einig, dass sich die Qualität des Spiels verbessert hat: Die Spieler haben ein größeres physisches Durchhaltevermögen mit besserer Ballkontrolle und besserer Technik.

Aber die globale Freizügigkeit der Arbeit geht auch mit einem kapitalistischen System Hand in Hand, in dem die reichsten Klubs die besten Spieler ohne Deckelung des Gehaltes oder andere Begrenzungen kaufen können. Qualität wird dadurch mehr als jemals zuvor konzentriert. Eine Handvoll der reichsten Fußballklubs kauft die besten Spieler und sammelt die meisten Trophäen, erhöht so ihre Beliebtheit und es entwickelt sich eine internationale Fangemeinde, sie verkaufen mehr Trikots, Fanartikel und haben höhere Werbeeinnahmen, was wieder ihre Kassen weiter füllt.

Damit können sie noch bessere Spieler kaufen.

Die Schere zwischen den Spitzenklubs und dem Rest hat sich in den Schlüssel-Ligen Europas vergrößert. Während der letzten 15 Jahre wurden alle englischen Fußballmeisterschaften von den sogenannten „Großen Vier“ gewonnen: Manchester United, Chelsea, Arsenal und Liverpool.

Die Konzentration ist in Italien noch größer: Während der letzten 20 Jahre hat nur einmal ein Klub die italienische Serie A gewonnen, der nicht zu den Top Vier gehört. Es ist auch keine Überraschung, dass die vier ersten italienischen Klubs und ebenso wie die vier ersten englischen Klubs auf der Liste der 20 reichsten Klubs der Welt sind. In Spanien teilten sich Real Madrid und Barcelona 17 aus den letzten 20 Meisterschaften. In Deutschland wurden 13 von den letzten 16 Meisterschaften von zwei Klubs gewonnen.

Die Sieger der europäischen Champions League rekrutieren sich durchweg von einem beständig kleiner werdenden Kreis der reichsten Spitzenklubs. Die Champions League wird jährlich gespielt und im Laufe einer fünfjährigen Periode könnten theoretisch 40 verschiedene Teams in den Viertelfinalen sein. Mitte der 1970er-Jahre waren es ungefähr 30. Seitdem hat jede aufeinanderfolgende fünfjährige Periode eine kleinere Zahl von Teams gesehen, mit nur 21 in der Periode, die 2010 endete. Es könnte die Zeit kommen, in der Jahr für Jahr – ein bisschen langweilig – immer dieselben acht Teams in den Viertelfinalen zu finden sind.

Größerer wirtschaftlicher Gewinn und größere Ungleichheit

Für die Klubs produziert die Globalisierung im Zusammenhang mit der Kommerzialisierung also zwei Ergebnisse: Bessere Qualität des Spiels, was volkswirtschaftlich betrachtet gleichbedeutend ist mit größerem Gewinn; und die größere Konzentration der gewinnenden Klubs, die mit einer größeren Ungleichheit einhergeht.

Die Frage ist, ob ein größerer Gewinn erzielt werden kann, wenn der Effekt der Ungleichheit verringert wird. Ja, das geht, obwohl das auf der Ebene der Klubs bis jetzt noch nicht diskutiert wurde. Nur auf Länderebene – zum Beispiel das Team der USA oder das Team von England – wendet man sich an den Weltfußballverband (FIFA), von dem verschiedene Regeln vorgegeben werden.

Auf nationaler Ebene können Auswanderer nicht für die Länder spielen, in denen sie leben, sie müssen für ihr Herkunftsland spielen. Das kehrt in gewissem Ausmaß die Abwanderung wieder um. Am bekanntesten ist dafür die alle vier Jahre stattfindende Weltmeisterschaft. Ebenso handhaben es auch die in Frankreich lebenden Ärzte aus Kamerun, die von Zeit zu Zeit nach Kamerun zurückkehren, um in Douala oder Yaoundé zu operieren.

Zum Beispiel spielt in der gerade stattfindenden Weltmeisterschaft von 23 Fußballspielern auf der Liste für Kamerun oder die Elfenbeinküste nur je einer in seinem Land. Für Ghana sind es drei aus 23 und im Falle von Nigeria sage und schreibe Null. Sogar das abgeschottete Nordkorea hat auf seiner Liste drei Spieler, die nicht im eigenen Land spielen.

Und tatsächlich sind die Unterschiede zwischen den nationalen Teams, vor allem bei den Weltmeisterschaftsspielen beständig geschrumpft. Bei den letzten drei World Cups lag der durchschnittliche Unterschied an Toren zwischen Gewinnen und Verlieren pro Spiel zwischen 1.2 und 1.3, im Vergleich dazu waren es vor ungefähr 30 Jahren noch 1.7. Die Abnahme ist bei den acht besten nationalen Teams noch schärfer: Sie fiel von 1.6 auf eins.

Mit anderen Worten heißt das, dass der Unterschied in der Leistung der nationalen Teams geringer geworden ist. Die meisten Spiele enden mit einem Tor-Unterschied oder Unentschieden oder in der k.o.-Runde mit Verlängerungen des Spiels bis hin zum Elfmeterschießen.

Anders als auf der Vereinsebene ist die Rangfolge der ersten acht Nationen, die um die Weltmeisterschaft kämpfen, offener: Seit 1986 hat mindestens ein „neues“ nationales Team, das niemals zuvor unter den acht Elite-Teams gewesen ist, es zu dieser erhabenen Mitgliedschaft gebracht: 2006 die Ukraine; 2002 Senegal, die Türkei, Südkorea; 1998 Kroatien und Dänemark; 1994 Rumänien und Bulgarien, um nur einige zu nennen.

Nachhaltige Globalisierung

Die Länderspiele legen nahe, dass Globalisierung nachhaltig gemacht werden kann und die Verringerung von Ungleichheit ist sicherlich ein Teil dieser Nachhaltigkeit. Aber dafür muss die Globalisierung von global gültigen Regeln begleitet sein, sodass die Verlierer etwas bekommen, um bereit zu sein, das Spiel zu spielen. Übersetzt in die Sprache der Volkswirtschaft heißt das, dass ein Abwandern von Intelligenzia umgekehrt werden kann, indem den Auswanderern spezielle kurzzeitige Rückkehrverpflichtungen auferlegt werden.

Das würde eine internationale Koordination erforderlich machen. Reiche Länder müssten Arbeitserlaubnisse ausgeben, die die Einwanderer verpflichten, zum Beispiel alle fünf Jahre ein Jahr wieder in ihrem eigenen Land zu arbeiten. Eine Arbeitsperiode im Herkunftsland sollte eine Bedingung für die Verlängerung der Arbeitserlaubnis im Gastland sein und dieses System sollte für insgesamt vielleicht drei Runden ausgelegt sein. Damit ein solches System Biss hat, wäre eine politische Koordination durch die reicheren Länder erforderlich.

Was immer die genauen Modalitäten sein werden, so sollte eine aufgeschlossenere Einwanderungspolitik mit speziellen Pflichten für Einwanderer verbunden werden, die die Nutznießer von der Freizügigkeit in der Wahl des Arbeitsortes sind. Deren Ursprungsländer sollten auch einen Nutzen davon haben.

Branko Milanovic ist Professor an der Schule für Politik an der Universität von Maryland. Unter anderen schrieb er das Buch „Getrennte Welten“: Sozialpolitik in der Marktwirtschaft von Schwellenländern.

Mit freundlicher Genehmigung von YaleGlobal Online. Copyright © 2010, Yale Center for the Study of Globalisation, Yale University.

Quelle: https://www.epochtimes.de/wirtschaft/verbraucher/globalisierung-im-fussball-a595642.html