Kirchen vs. „Weihnachten im Schuhkarton“: Klimaschutz wichtiger als Kinder und christliche Botschaft?

Von 31. Oktober 2019 Aktualisiert: 2. November 2019 13:00
Jahr für Jahr werden auch in Deutschland hunderttausende Geschenkpakete für bedürftige Kinder unter dem Banner von „Weihnachten im Schuhkarton“ gepackt. In den Großkirchen sieht man die Aktion der evangelikalen Konkurrenz nicht nur mit Freude.

Seit mehr als 25 Jahren insgesamt und seit 1996 auch im deutschsprachigen Raum wird die weltweite Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ durchgeführt. Begründet wurde sie vom 2018 verstorbenen, weltbekannten US-amerikanischen Prediger Billy Graham und seiner Evangelistic Association. Träger ist heute die Hilfsorganisation Samaritan’s Purse.

Seit 1993 wurden in 160 Ländern der Erde insgesamt 157 Millionen Geschenkboxen für Kinder in Asien, Afrika, Osteuropa sowie Zentral- und Südamerika gepackt und versandt. Allein im Vorjahr soll die Aktion 10,6 Millionen Kinder erreicht haben.

Die Geschenkpakete enthalten unterschiedliche Artikel, von Süßigkeiten über Kuscheltiere und Spiele bis hin zu praktischen Utensilien wie Hygieneartikel, Schreibmaterialien, Kuscheltiere, Süßigkeiten oder Kinderkleidung. Was die Initiatoren der Aktion nie verschwiegen haben, ist, dass sie engagierte Christen sind. Entsprechend haben sie auch Empfängerfamilien der Pakete dort, wo die Umstände dies erlaubten, die Möglichkeit zum Kennenlernen des Christentums oder zum Besuch von Glaubenskursen gegeben.

In Deutschland werden nach Angaben von Samaritan’s Purse jährlich bis zu 450 000 Päckchen versandt, die Hauptempfängerländer liegen dabei in Osteuropa. Als Form der „Entwicklungshilfe“ ist die Aktion nicht gedacht. Man will vor allem ärmeren Kindern eine Freude machen, und dabei auch über den Sinn des Weihnachtsfestes aufklären.

Einige katholische Bischofe boykottieren die Aktion

Obwohl die von einer evangelisch-freikirchlichen Vereinigung initiierte Aktion beliebt und erfolgreich ist, warnen Jahr für Jahr nicht nur antireligiöse Stimmen vor „Weihnachten im Schuhkarton“, sondern auch die Vertreter der großen Kirchen in Deutschland.

Auch dieses Jahr bemäkeln Vertreter der Evangelischen Kirche und des katholischen Klerus in Deutschland, die Aktion sei nicht in ihrem Sinne. Wie der SWR berichtet, sollen manche katholischen Bistümer in den vergangenen Jahren ihren Kirchengemeinden gar untersagt haben, Räume für die Sammlung der Pakete zur Verfügung zu stellen.

„Weihnachten im Schuhkarton“ sei vor allem eine Werbeaktion für eine bestimmte Freikirche, der SWR spricht gar von „Propaganda“ für „fundamentalistische“ Gruppen. Großkirchen werben demgegenüber für eigene Projekte, die stetige Entwicklungsarbeit betreiben würden. Diese betreiben Partner der Billy Graham Association auch, allerdings – was sie auch nicht verschweigen – nicht konkret mittels der Geschenk-Schuhkartons.

Einen neuen Aspekt bringt dieses Jahr das Bistum Trier in die Debatte ein. Dieses nimmt daran Anstoß, dass der weltweite Transport der Kartons über Tausende von Kilometern „klimaschädlich“ sei. Axel Seegers, Experte für Weltanschauungsfragen im Erzbistum München und Freising, fühlt sich zudem gar an „Kolonialismus“ erinnert. Immerhin würden Spielsachen westlicher Kinder in Länder verschickt, in denen ganz andere Spielsachen verwendet würden:

Wir untergraben letztendlich die Spielwaren-Fabriken, die Infrastruktur in den Ländern vor Ort. Insofern tun wir uns mit dieser Aktion einen größeren Gefallen als den Kindern vor Ort.“

Säkularer „Weihnachtspäckchenkonvoi“ versucht an Erfolg anzuknüpfen

Ähnliches wird jedoch auch Vereinigungen wie der Caritas oder der Diakonie im Zusammenhang mit Kleiderspenden vorgeworfen. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen hat „Weihnachten im Schuhkarton“ geprüft und ihr das von der Einrichtung vorgesehene Spendensiegel verliehen. Der Verein informiere transparent und umfassend über seine Arbeit, jeder könne selbst entscheiden, ob er die Aktion unterstützen möchte, heißt es von dort.

Als mögliche Alternative zu „Weihnachten im Schuhkarton“, die keine christliche Verkündigung betreibt, empfiehlt der SWR den „Weihnachtspäckchenkonvoi“ der Round-Table-Vereinigungen – sogenannter „Serviceclubs“, denen regelmäßig örtliche Honoratioren angehören und denen fallweise Verbindungen zur Freimaurerei nachgesagt werden. Tatsächlich ist Freimaurern die Mitgliedschaft in Clubs dieser Art zwar nicht untersagt, ist jedoch als „Geschäftsmaurerei“, die einzig der Pflege von Beziehungen für die Karriere oder Geschäftsanbahnung diene, in den realen Logen nicht allzu hoch angesehen.

Der „Weihnachtspäckchenkonvoi“ soll 2018 mehr als 155 000 Pakete nach Osteuropa geschafft haben – allerdings auch nicht in Verbindung mit Entwicklungshilfe. Und mit Hybridantrieb sind möglicherweise auch nicht alle Lkws unterwegs gewesen.

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