Onlinesprechstunden-App für Ärzte – Alles was man wissen muss

Epoch Times15. Oktober 2020 Aktualisiert: 15. Oktober 2020 17:27

Telemedizin beschreibt das Verschmelzen von Telematik und Medizin mit dem Ziel einer besseren medizinischen Versorgung. Durch die stetig fortschreitende technische Entwicklung und die immer bessere Internetanbindung, die Otto Normalverbraucher zur Verfügung steht, ist Telemedizin inzwischen für die meisten Ärzte und Patienten ein relevantes Thema. Telemedizin wird häufig als Synonym für die Fernbehandlung beschrieben, doch bietet sie auch andere Möglichkeiten, wie die Bereitstellung von Vitaldaten und den elektronischen Austausch von Ärzten über zeitliche und räumliche Distanzen hinweg. Aufgrund der Corona Pandemie hat sich die positive Entwicklung der Telemedizin weiter beschleunigt.

Was unterscheidet Telemedizin von der traditionellen Arztkonsultation?

Im Gegensatz zu einem Arzttermin in einer Praxis oder einem Krankenhaus, kommt es bei einer Onlinesprechstunde nicht zum physischen Kontakt zwischen Arzt und Patient. Meist erhalten die Ärzte vor der Sprechstunde einen Überblick mit Angaben des Patienten zu seinen Symptomen. Anhand der Leiden kann der behandelnde Arzt schon vor der eigentlichen Konsultation einschätzen, um welche Krankheit es sich bei dem Patienten handeln könnte. Nach einem kurzen Check der Symptome seitens des Mediziners, wird eine Videoverbindung mit der erkrankten Person aufgebaut und es erfolgt das Arzt-Patienten-Gespräch über Video. In der Regel können so zügig eine detaillierte Diagnose gestellt und Therapien vorgeschlagen werden.

Wie funktioniert die Telemedizin?

In der Regel laufen virtuelle Konsultationen über eine App ab. Aktuell arbeiten vor allem Allgemeinärzte, Fachärzte der Inneren Medizin sowie Haut- und Kinderärzte mit Videosprechstunden. Alle Ärzte durchlaufen einen anspruchsvollen Prozess bevor sie mit der Onlinesprechstunde starten können. In diesen werden ihre deutsche Zulassung, ihr KV-Sitz und der Mindestanspruch von drei Jahren Berufserfahrung überprüft. Bevor Ärzte endgültig mit der Telemedizin starten können, bekommen diese natürlich auch ein umfangreiches Onboarding. Die meisten telemedizinischen Anbieter stellen außerdem die benötigte Hard- und Software zur Verfügung, was dem Arzt eigene Investitionen erspart und gleichzeitig eine hohe, gleichbleibende Qualität von Behandlungen sicherstellt.

Wie können Patienten Termine ausmachen?

Als Patient muss man lediglich eine App wie die des in Schweden gegründeten Gesundheitsunternehmens Kry herunterladen. Die meisten Apps sind kostenlos herunterzuladen und in den gängigen App Stores verfügbar. Die Kosten der Video-Behandlung werden von den Krankenkassen übernommen. Nach Erstellen eines Kundenkontos, wofür einige Angaben zur eigenen Person sowie die Versichertendaten benötigt werden, gelangt man zur Terminwahl. Je nach Tageszeit sind Termine oftmals noch am gleichen Tag verfügbar. Bevor der Termin wahrgenommen werden kann, müssen noch einige allgemeine Fragen zu den Symptomen beantwortet werden, die der Vorbereitung des Arztes auf die Sprechstunde dienen.

Wie gut sind Onlineärzte?

Es hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass Onlinesprechstunden in vielen Fällen traditionelle Vorort-Sprechstunden gleichwertig ersetzen können. Viele der gängigen Krankheiten sind auch über Video sehr gut diagnostizier- und behandelbar. Erfahrungsberichte zeigen, dass Ärzte und Patienten sehr zufrieden mit der neuen Art der Untersuchung sind. Hausärzte berichten, dass sich das Image ihrer Praxis, seit sie Telemedizin anbieten, deutlich verbessert hat. Patienten sind mit der Behandlung meist sehr zufrieden und geben an, in Zukunft häufiger Telemedizin nutzen zu wollen. Die Telemedizin tut der Qualität der Untersuchung offenbar keinen Abbruch.

Welche Onlineärzte gibt es?

Neben Allgemeinmedizinern bieten auch immer mehr Spezialärzte ihren Service online an. Besonders Kinderärzte sehen einen großen Vorteil in der Fernbehandlung, da die Heranwachsenden, die einen Arztbesuch häufig mit negativen Erinnerungen verbinden, deutlich einfacher zu behandeln sind. Für sie läuft die Fernuntersuchung spielerisch ab. Auch der Stress, den Eltern häufig im Zuge eines Kinderarztbesuches durchleben, wird so deutlich reduziert. Auch Hautärzte können telemedizinische Untersuchungen durchführen, da häufig anhand des optischen Eindruckes Hauterkrankungen zu diagnostizieren sind. Für andere Ärzte, wie zum Beispiel Orthopäden ist eine Fernbehandlung nur eingeschränkt nutzbar. Hier beschränkt sich Telemedizin meist auf die Analyse und Diagnose von bereits radiologisch erfassten Bildern.

Wie lange dauert ein Onlinetermin?

In der Regel ist die Dauer eines Onlinetermins deutlich geringer als die einer herkömmlichen Sprechstunde. Da im Vorfeld schon die Symptome durch einen Fragebogen abgefragt wurden, kann der Arzt Patienten effektiv und schnell behandeln. Daher nehmen sich die Mediziner oft Zeit und beantworten geduldig alle Fragen der Patienten. Diese profitieren besonders von den deutlich geringeren Wartezeiten. So ist ein Onlinetermin oftmals noch am selben Tag zu buchen und es gibt im Gegensatz zu den langen Wartezeiten, die es in den Wartezimmern von Praxis und Krankenhaus gibt, nur selten Verzögerungen.

Wie teuer ist eine Onlinesprechstunde?

Da Telemedizin in Deutschland offiziell anerkannt ist und die letzten rechtlichen Hürden 2020 überwunden wurden, sind einige Onlinesprechstunden inzwischen Kassenleistung. Da der Download der Apps in der Regel kostenlos ist, entstehen für Patienten keine Kosten. Sie sparen hingegen Geld und Zeit ein, da die Anfahrt zur Untersuchung entfällt. Auch für Ärzte ist das Angebot von Telemedizin sinnvoll und wirtschaftlich. Die Kosten für die Software sind aktuell noch gering. In Zeiten der Pandemie stellten die Anbieter Ärzten ihre Software meist kostenlos zur Verfügung. Die Krankenkassen zahlen Ärzten, wenn sie mehr als 15 Videosprechstunden im Quartal durchführen, 10 Euro Zuschlag pro Onlinesprechstunde. Wird diese Zahl erreicht, soll eine virtuelle Sprechstunde einem Arzt etwa 15 Euro einbringen.

Wie funktionieren Onlinerezept und Onlinekrankschreibung?

Seit Kurzem können Ärzte im Zuge einer telemedizinschen Sprechstunde auch Rezepte und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen. Besteht ein Grund für die Arbeitsunfähigkeit, kann die entsprechende Bescheinigung während der Konsultation erstellt und elektronisch an den Patienten übermittelt werden. Allerdings besteht diese Möglichkeit bisher nur für AUs zur Vorlage beim Arbeitgeber und nicht zur Vorlage bei der Krankenkasse. Damit besteht kein Recht auf Krankengeld. Auch Rezepte können online ausgestellt und übermittelt werden, doch gilt es immer noch Vorsicht walten zu lassen, um Medikamentenmissbrauch zu verhindern.

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