Telemedizin bietet neue Möglichkeiten

Epoch Times8. June 2018 Aktualisiert: 8. Juni 2018 16:45
Das Thema Telemedizin ist in Fachkreisen heiß diskutiert. Einerseits hat es viele Vorteile, Patienten mithilfe der modernen technischen Möglichkeiten aus der Ferne zu behandeln. Andererseits kommen auch Zweifel auf, was …

Das Thema Telemedizin ist in Fachkreisen heiß diskutiert. Einerseits hat es viele Vorteile, Patienten mithilfe der modernen technischen Möglichkeiten aus der Ferne zu behandeln. Andererseits kommen auch Zweifel auf, was Praktikabilität und Sicherheit anbelangen. Es gibt bereits einige erfolgreiche Pilotprojekte, bei denen moderne Kommunikationskanäle, gut entwickelte ITK-Lösungen und die Internet-Verfügbarkeit eine wichtige Rolle spielen. Da die Wartezimmer immer voller werden, Notaufnahmen überlastet sind und der Ärztemangel in Deutschland sich mehr und mehr bemerkbar macht, könnte zum Beispiele eine Videosprechstunde etwas Entlastung bringen.

Deutscher Ärztetag spricht sich für die Telemedizin aus

Die Zeichen stehen auf Veränderung. Der 121. Deutsche Ärztetag hat sich für eine Lockerung des Fernbehandlungsverbots in Deutschland ausgesprochen, wie im Ärzteblatt zu lesen ist. Das Fernbehandlungsverbot besagt, dass Ärzte nur Patienten beraten dürfen, die ihnen physisch bekannt sind. Das könnte sich jetzt ändern. Die Videosprechstunde ist bereits seit 2017 eine Kassenleistung, allerdings ist die Nachfrage bislang noch sehr gering.

Neue Möglichkeiten mit Telemedizin

Bei 70 Prozent der Arztbesuche handelt es sich um Konsultationen zum Austausch von Informationen, eine physische Untersuchung des Patienten ist nicht notwendig. Diese Arztbesuche ließen sich leicht und schnell per Video- oder Telefonanruf erledigen. Dabei haben sich vier Wege herauskristallisiert, bei denen die Telemedizin viel Zeit sparen kann.

Die Patientenfernüberwachung

Bei der Patientenfernüberwachung geht es in erster Linie um persönliche Gesundheitskontrolle. Die mobile Datenerfassung durch MDE Geräte spielt dabei eine wichtige Rolle, wie sie beispielsweise das Unternehmen aisci Ident GmbH anbietet. Es gibt mittlerweile Programme für das Krankheitsmanagement, mit dem sich Patienten zu Hause überwachen lassen. Dabei gibt es sehr innovative Beispiele, wie das Armband, das Asthmaanfälle vorhersagen kann, der BH, der frühe Anzeichen von Brustkrebs erkennt, die Armbanduhr für Parkinson-Patienten oder der Haarclip für Gehörlose, der Geräusche durch das Haar übertragen kann.

Live-Videokonferenz

Die Live-Videokonferenz eignet sich besonders für die Beratung, Diagnostik und Behandlung von Patienten, da es sich um eine Zwei-Wege-Interaktion handelt. In der Tele-Psychiatrie ist die Übertragung von Echtzeit-Videobildern schon seit vielen Jahren im Einsatz.

Store-and-Forward

Eine andere Möglichkeit, beispielsweise um einen Spezialisten zu konsultieren, besteht darin, die aufgezeichnete Krankengeschichte eines Patienten, wie zum Beispiel digitale Bilder oder gespeicherte Videos, über ein sicheres Kommunikationssystem zu versenden. Damit bekommt der andere Arzt Zugriff auf alle notwendigen Daten des Patienten und kann sich aufgrund der Untersuchungsergebnisse ein Bild von der Krankengeschichte machen. Häufig ist dazu ein persönlicher Besuch des Patienten gar nicht erforderlich. Viele dieser Kommunikationssysteme beinhalten auch Kommunikationstools, wie Secure E-Mail.

mHealth

Mobile Gesundheit ist der zurzeit wohl am schnellsten wachsende Trend, der Verbesserungen im Gesundheitswesen vorantreibt. Die Barmer Ersatzkasse stellt auf ihrer Seite die Möglichkeiten von eHealth und mHealth vor. Dazu gehört die Verbesserung der Einhaltung von Empfehlungen des behandelnden Arztes oder die Erinnerung an die Einnahme von Medikamenten. Mobile Kommunikationsgeräte können über Gesundheitsprobleme informieren und das Engagement in der Pflege verbessern. Für Klinikärzte stellen sie eine Möglichkeit dar, die klinische Entscheidungsfindung und das Management chronischer Krankheiten zu verbessern, beispielsweise bei Diabetespatienten.

Der Patient steht im Mittelpunkt

Die Telemedizin stellt keine Einzellösung dar. Sie ist ein kompliziertes Konzept. Heute ist die Patientenversorgung noch fragmentiert. Es kommt zu doppelten Labortests, widersprüchlichen Informationen durch die Ärzte, Datenverluste und letztendlich zu Wiedereinlieferungen ins Krankenhaus. Das alles verursacht Kosten im Gesundheitssystem. Die mangelnde Koordination und weitere Faktoren legen die Vermutung nahe, dass die Patientenversorgung zurzeit noch nicht patientenzentriert ist. Die Patientensicherheit ist in hohem Maße davon abhängig, wie die Daten in die primäre Gesundheitsakte integriert werden. Eine sichere Datenunterstützung ist dabei wesentlich. Die Fragmentierung beeinflusst die Patientenversorgung.

Mobile Datenerfassung auch in anderen Bereichen im Gesundheitswesen

Die mobile Datenerfassung hat noch weitere Vorteile für das Gesundheitswesen. Medizinische Fehler lassen sich minimieren, Diagnosen lassen sich schneller stellen und Vorsorge kann eine ganz neue Dimension einnehmen. Mobile Datenerfassung lässt sich unglaublich zielgerichtet nutzen und trägt wesentlich zur optimierten Patientenversorgung, der Steigerung der Effizienz im Betrieb und der Mitarbeiterproduktivität bei. Dabei lässt sie sich in vielen Bereichen auch in den Krankenhäusern einsetzen. Bestehende Prozesse lassen sich so verbessern und effizienter machen, neue Prozesse lassen sich leichter implementieren. So kann beispielsweise die vernetzte Patientenversorgung lange Wege vermeiden. Es ist nicht mehr notwendig, eine Akte zu holen. Alle relevanten Informationen sind für das Pflegepersonal schnell und einfach einsehbar. Gerade bei stationsübergreifender Pflege lassen sich damit Informationsverluste vermeiden.

Goldstandard“ persönliches Gespräch – Patienten fehlt das nötige Vertrauen

Fernbehandlungen sind zwar in Einzelfällen möglich, dennoch bleibt das persönliche Gespräch mit dem Arzt „Goldstandard“. Die meisten Patienten vertrauen noch nicht so ganz den neuen Medien und deren Möglichkeiten. In Schweden und in der Schweiz sind Behandlungen auf digitalem Kommunikationsweg schon erlaubt, so ein Bericht der Tagesschau. Es liegt nun an den Ärzten, diesen Prozess in Deutschland voranzutreiben und das Vertrauen der Patienten in die digitalen Möglichkeiten zu stärken. Es darf allerdings nicht so weit kommen, dass die digitalen Techniken die Zuwendungen durch Ärzte und Ärztinnen ersetzen. Für die Patienten haben die Möglichkeiten der Telemedizin einige Vorteile. So können sie sich zur Besprechung von Untersuchungsergebnissen bequem zu Hause vor den Computer setzen und mit ihrem Arzt per Video-Chat alles besprechen. Sie sparen sich damit die Fahrt in die Arztpraxis, die meist mit einem hohen Zeitaufwand verbunden ist. Für Ärzte bieten sich ebenfalls neue Möglichkeiten, die es zu gestalten gilt. Nach dem Beschluss des Ärztetages sind nun die Vertreter der Ärzteorganisationen, die Vertreter der Selbstverwaltung und des Pflegerates gefordert, diesen mit Leben zu füllen.

Die Telemedizin steckt noch in den Kinderschuhen. Die Digitalisierung wird in den nächsten Jahren zu tiefgreifenden Veränderungen im gesamten Gesundheitswesen führen. Telehealth soll der Steigerung des Komforts und der Verbesserung der Pflegequalität dienen. (kr)

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