Greenpeace-Projektion auf einem der Kühltürme des Braunkohlekraftwerks Neurath bei Köln: „Klimawandel ‚made in Germany' – Abschalten!"Foto: © BERND ARNOLD / GREENPEACE

Wie ein Klimakiller zum Klimaretter erklärt wird

Von 26. Oktober 2005 Aktualisiert: 26. Oktober 2005 22:35

Maßnahmen zur weltweiten Klimavorsorge gehören zu den zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.“ Der Satz könnte von Greenpeace stammen. Zu lesen ist er im Special Braunkohle auf der Website von RWE. Der Energiekonzern hat den Neubau eines besonders klimaschädlichen Braunkohlekraftwerks im Kraftwerkspark Neurath bei Düsseldorf beschlossen.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung freut sich über einen wichtigen „Schritt zur Erhöhung des Klimaschutzes, den wir gerade an einem Standort wie Nordrhein-Westfalen sehr ernst nehmen“. Dazu zählt sie auch: „Neurath, Neubau eines Braunkohlekraftwerkes mit optimierter Anlagentechnik mit einer Leistung von 2.100 MW (Doppelblock) durch die RWE Power AG, C02-Einsparung gegenüber Altanlage: 6 Millionen Tonnen pro Jahr.“

So weit RWE und NRW. Karsten Smid, Klimaexperte bei Greenpeace, kann über eine solche Informationspolitik bestenfalls den Kopf schütteln, denn Tatsache ist: Ob Altanlage oder neues Kraftwerk – Braunkohle gehört zu den klimaschädlichsten Energieträgern überhaupt. „Es ist ein Unding, dass die Landesregierung den Neubau eines Kohlekraftwerks, das jährlich 14 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Luft schleudert, zu einer Klimaschutzmaßnahme erklärt.“

Smid weist darauf hin, dass RWE in Nordrhein-Westfalen die ineffizientesten und klimaschädlichsten Kraftwerke Europas betreibt. Braunkohleverstromung, sagt er, sei eine Technik von gestern. „Ein zukünftiger Energiemix muss aus einer breiten Palette von Erneuerbaren Energien und hocheffizienten Gaskraftwerken bestehen, nur das ist Klimaschutz.“

Greenpeace hat vor einer Woche ein Konzept für einen solchen Energiemix veröffentlicht. Die Studie 2000 Megawatt – sauber! wurde vom Aachener Ingenieurbüro EUtech Energie und Management GmbH erstellt und befasst sich mit Alternativen zu den RWE-Plänen. Fazit der Experten: Ein dezentrales Netzwerk von Kraftwerken spart im direkten Vergleich bei gleichwertiger Leistung bis zu 93 Prozent an klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen. Und schafft 800 Prozent mehr Arbeitsplätze.



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