Wirtschaftskrise: Drängt alles zum Gold?

Epoch Times2. Juni 2010 Aktualisiert: 7. Juli 2016 14:51

Von Politikern und Bankern ins Reich der Verschwörungstheorie verwiesen, ist in einschlägigen Internetforen doch immer öfter von einer möglichen Währungsreform die Rede. Einer der Vertreter eines solchen Zukunftsszenarios ist der Hartgeldinvestor Walter K. Eichelburg. Er ist von einem Staatsbankrott Deutschlands und einem Zusammenbruch der Währungsunion überzeugt. Die Leidtragenden eines Schuldenerlasses, eines sogenannten „Haircuts“, dürften die höheren sozialen Schichten sein. Lesen Sie das Interview im Wortlaut:

Epoch Times: Herr Eichelburg, als wir zuletzt Ende 2008 gesprochen haben, da haben Sie vorausgesagt, dass Österreich und Deutschland im Jahr 2009 bankrott sein werden. 2009 ist vorbei. Wie beurteilen Sie jetzt die aktuelle Lage?

Walter K. Eichelburg: Ganz einfach: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Man hat damals alles gemacht, um die Banken zu retten, auf Kosten der Staaten. Griechenland, Portugal, jetzt ist Spanien dran, irgendwann wird Österreich dran sein. Bei Österreich muss ich dazu sagen, es wäre vor einem Jahr fast dran gewesen wegen der Ostkrise, das hat man mit dem Internationalen Währungsfonds und Euro-Milliarden abgewendet. Wieder einmal. Wie gesagt, auch die Ostkrise ist nicht beseitigt.

Epoch Times: Und wie denken Sie – jetzt haben wir Ende Mai 2010 – wie es in diesem Jahr noch weiter gehen wird, wo werden wir Ende 2010 stehen?

Eichelburg: Der Euro hat im Mai 2010 zwei fast tödliche Attacken erlebt. Die erste fand am 7. Mai statt, als praktisch alle Staatsanleihen außer den deutschen illiquid waren. Das heißt, diese Staaten waren technisch gesehen bankrott. Da hat es dann diesen großen EU-Rettungsgipfel gegeben, wo man das 750 Milliarden Euro-Rettungspaket gemacht hat. Der einzige Sinn des Pakets war, den Finanzmärkten zu zeigen: „Wir halten alle zusammen. Einer, besser gesagt Deutschland, haftet für alle“. Das hat die Wölfe von den Märkten eine Woche lang abgehalten. Eine Woche später war es wieder so weit. Am 13. und 14. Mai gab es erneut fast einen Zusammenbruch. Und durch gegenseitige Stützung der Zentralbanken durch Goldpreisdrückung hat man das sozusagen behoben. Für den Moment. Dann war eine Woche Ruhe, und jetzt geht es diese Woche wieder los, der Goldpreis steigt schon wieder an, der Euro sinkt. Wie lange man das halten kann, kann auch ich Ihnen nicht sagen, wahrscheinlich nicht mehr allzu lange.

Epoch Times: Also es steht sozusagen nach wie vor Ihre Einschätzung, dass auch Länder wie Österreich, Deutschland in einen Staatsbankrott geraten werden, es ist aber noch nicht so richtig abzusehen, wann?

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Eichelburg: Eigentlich waren am 7. Mai alle außer Deutschland technisch gesehen bankrott, weil ihre Staatsanleihen nicht mehr genommen wurden. Man hat dann auch die Europäische Zentralbank (EZB) geöffnet, jetzt kauft also die EZB einfach Staatsanleihen auf. Das erzeugt Inflation und geht irgendwann auf die Währung. Das heißt, wenn man das macht, crasht auch die Währung.

Epoch Times: Wie funktioniert das genau?

Eichelburg: Das „Monetisieren“ ist im Wesentlichen das Erzeugen von neuem Geld durch den Aufkauf von Wertpapieren. Meist sind es Anleihen. Man hat früher schon Bankanleihen monetisiert. Wie gesagt, wenn das die starke Macht wird, dann crasht irgendwann die Währung.

Epoch Times: Wie wird es dann weiter gehen? Dirk Müller, auch als „Mr. DAX“ bekannt, sagt, wir werden uns in drei-vier Jahren um die Schulden nicht mehr so viel Sorgen machen, weil bis dahin wird es einen sogenannten „Haircut“, einem Schuldenerlass, geben. Ist das auch Ihre Meinung?

Eichelburg: Das ist auch meine Meinung. Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Schulden zu beseitigen. Eine wäre, sie weg zu inflationieren. Das geht aber nur bei geringeren Schuldenständen und geringen Einkommen, die massiv steigen können. In unserem Fall in Europa ist das nicht so. Es bleibt eigentlich nur mehr die Währungsreform übrig mit einem sogenannten Haircut, in dem quasi die Schulden gestrichen werden.

Epoch Times: Würde der Euro so eine Währungsreform überleben? Oder glauben Sie, dass man in Europa wieder zu den alten Währungen zurückkehrt?

Eichelburg: Auf meiner Webseite Gold- und Krisenwebseite hartgeld.com laufen Informationen darüber ein. Alles sieht danach aus, dass nationale Währungen wieder kommen. Mit jeweils einer Währungsreform. Am weitesten ist dabei Deutschland, aber auch Frankreich und Niederlande arbeiten daran, Griechenland offenbar auch, und wahrscheinlich auch Österreich – aber da gibt es weniger Informationen.

Epoch Times: Was würde das für den Einzelnen bedeuten, wenn so eine Währungsreform kommt? Es klingt ja eigentlich ganz gut, wenn man sagt: meine Güte, gibt’s halt so was wie einen Haircut, dann werden unser aller Schulden weniger und dann starten wir wieder ordentlich neu durch. Was bedeutet so eine Währungsreform, so ein Haircut für den Einzelnen?

Eichelburg: Ich bin Wirtschaftshistoriker, wenn man so sagen möchte. Bei früheren Währungsreformen war es immer so, dass eine Art Haircut gemacht wurde, das ist ein Finanzausdruck. Dabei wird auf eine neue Währung umgestellt, relativ schnell, damit kann man praktisch nicht flüchten. Und dann ist ein Großteil der Ersparnisse gestrichen. Wie das genau geschieht, ist noch nicht ganz klar. Für Deutschland sieht das so aus, da gibt es Informationen, dass Konten mit Einlagen bis etwa 5.000 Euro Bargeld im Verhältnis 1:1 auf neue D-Mark umgestellt werden.

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Alles, was darüber liegt, kommt auf ein Sperrkonto, sodass die Sparer glauben, ich bekomme noch etwas, wenn etwas reinkommt. Das ist ähnlich wie in Österreich 1945/47, da hat man es auch so gemacht. Das Geld wurde umgetauscht von Reichsmark auf Schilling, und der Rest ging auf ein Sperrkonto. Das Geld dort hat man dann 1947, zwei Jahre später, verfallen lassen. Dann war der Aufstand da. Und irgendwie muss man den Sparern sagen, ihr Erspartes ist weg. Bisher hat man das den Sparern noch nicht gesagt. Mit der Währungsreform sagt man das den Sparern quasi offiziell, schlagartig, damit sie nicht flüchten können. Der Großteil der Spareinlagen geht verloren, allerdings muss man dazu sagen, dass es einen Großteil der Bevölkerung überhaupt nicht trifft. Es trifft eigentlich nur die oberen 20 Prozent der Bevölkerung, die unteren haben gar nichts oder nur Schulden, die betrifft es einfach nicht. Die oberen 20 Prozent, die wirklich gespart haben, die verlieren wieder mal, wie bei jeder Währungsreform. Das ist nichts Neues.

Epoch Times: Also die Verlierer wären eigentlich die Menschen in den oberen Schichten.

Eichelburg: Ja. Es ist sicherlich nicht die Wählermehrheit, die Wählermehrheit betrifft es gar nicht. Das macht man immer so.

Epoch Times: Sie sind ein großer Verfechter von Anlagen in physischem Gold, ist das sozusagen die Lösung auch für Kleinanleger bis hin zu Leuten die viel Geld haben, um es anzulegen, oder was raten Sie den Leuten?

Eichelburg: Gold und Silber sind die beste Lösung, weil sie 3.000 Jahre lang Geld waren und noch als Geld bekannt sind. Man kann aber andere Dinge auch kaufen, da gibt es solche Geschichten: In Deutschland sind die Preise für Agrarstücke und Wald um 50 Prozent gestiegen. Reiche Leute beispielsweise klappern die Bauern ab und fragen, ob sie verkaufen möchten.

Epoch Times: Wie sehen Sie die Lage am Immobilienmarkt, macht es auch Sinn, sich eine Immobilie zu kaufen?

Eichelburg: Es gibt eigentlich nur zwei Anlageformen bei Immobilien, die vernünftig sind. Das eine sind Wald und Agrargrundstücke – die waren bisher sehr billig, sind inzwischen gestiegen im Preis – vor allem wenn man selbst produzieren kann, Lebensmittel wieder selbst produzieren muss, werden sie wertvoll werden. Normale Wohn- und Büroimmobilien sind schlecht, einfach deswegen, weil sie durch den Kredit total überteuert sind, wenn man sie vergleicht mit den 1950er/60er Jahren. Damals haben sie fast nichts gekostet, ganz einfach, weil es damals kaum Kredit gegeben hat, nur mit dem Kredit hat man die Preise hochgetrieben, speziell in den 1980er/90er Jahren.

Epoch Times: Und wie ist das dann, wenn so ein Haircut kommt und ich hab eine Wohnung auf Kredit finanziert, war das dann nicht eigentlich klug?

Eichelburg: Wenn Sie auf Kredit finanziert haben, wird das ein massives Problem sein, es wird nämlich lange Zeit, vermutlich Jahrzehnte kaum mehr Hypotheken geben, dadurch krachen alle Preise zusammen, daher sind Wohnimmobilien eine schlechte Anlage, schlechte Fluchtmöglichkeit, einfach weil die Preise total überteuert sind. D.h. Agrargrundstück oder Wald ist besser meiner Meinung nach, noch viel besser ist echtes (Geld-) Gold und Silber – wenn mans noch bekommt.

Epoch Times: Über Ihre hartgeld.com-Webseite verkaufen Sie ja selbst kein Gold.

Eichelburg: Nein.

Epoch Times: Das machen Sie nicht. Aber wozu würden Sie einem Kleinanleger raten, wie soll der vorgehen, wenn der 5.000 oder 10.000 Euro hat, die er anlegen möchte, in Gold, zu wem soll der gehen?

Eichelburg: Sinnvoll ist hier Gold und Silber, vor allem Silber, das wird mehr steigen im Wert als Gold. Das heißt, ich kann versuchen, die ganzen Inserate auf meiner Webseite durchzuklicken und sehen, wer noch etwas hat. Man kann es auch bei Banken versuchen, auf gut Glück einfach. Wie gesagt, die Versorgungssituation ist wesentlich schlechter als noch im April.

Epoch Times: Warum hat Silber derzeit die Nase vorn vor Gold, vom Chart her gesehen oder wie begründen Sie das?

Eichelburg: Gold und Silber waren beide Geld in früheren Zeiten und das historische Preisverhältnis war zirka 15:1, Gold war etwa 15 mal teurer als Silber. Heute haben wir ein Verhältnis von ungefähr 60:1, das heißt, Silber ist im Vergleich zu Gold extrem billig, wobei Gold gegenüber Finanzwerten jeglicher Art wie Immobilienaktien auch extrem billig ist. D.h. das wird sich normalisieren, wie immer. Das Gold wird massiv ansteigen gegenüber Finanzwerten, Aktien, Immobilien, Anleihen, was es so alles gibt. Früher war es so: Gold ist das Geld des reichen Mannes und Silber ist das Geld des armen Mannes. Aber durch die Währungsreform können sie sich nicht einmal Silber leisten. Aus diesem Grunde gesagt, für kleinere Vermögen ist Silber interessanter. Es ist übrigens auch leichter zu bekommen als Gold. Deswegen, weil die Reichen praktisch nur die Möglichkeit haben, in Gold zu gehen, wegen der viel höheren Wertdichte.

Epoch Times: Es gibt mittlerweile auch Strukturvertriebssysteme, über die Gold verkauft wird. Was halten Sie davon?

Eichelburg: Diese Strukturvertriebe sind in der Finanzbranche ganz üblich. Ist keine besonders seriöse Vertriebsform, aber es hat sich offenbar in dieser Branche bewährt. Wie gesagt, ich kann sie nicht empfehlen.

Epoch Times: Es scheint so, als würden sich Ihre Prognosen immer stärker bewahrheiten. Wie sieht es mit den Zugriffen auf die Hartgeld-Webseite aus, die müssten ja gestiegen sein?

Eichelburg: Ich habe eine Million Zugriffe in vier bis sechs Tagen derzeit.

Epoch Times: Von Politikseite her, was sollte aus Ihrer Sicht unternommen werden?

Eichelburg: Reinen Wein einschenken und sagen, wie man sich noch retten kann. Anstatt weiter zu lügen bis es dann aus ist. Das gilt für die Politiker und für die Banken. Aber das werden sie nicht tun.

Epoch Times: Was würde passieren, wenn sie das machen?

Eichelburg: Dann würde der so genannte Crack-up-Boom voll losgehen, der heute unterschwellig läuft, es würden die Leute alles Geld von der Bank abheben und ausgeben. Dann wäre das ganze Land ausverkauft. Aber wie gesagt, dann hätten die Leute noch was davon. Derzeit haben das nur die Insider. Ich weiß, dass deutsche Privatbanken um Milliardenbeträge Gold kaufen für ihre Kunden. Ich weiß, dass hier in Wien für eine Privatbank zig-tonnenweise das Gold gelagert wird, für in- und ausländische Privatkunden. Das teilweise schon seit einem Jahr.

Epoch Times: Wie wird die Situation von heute weg in einem Jahr sein? Wo wird der Goldpreis Ihrer Meinung nach liegen?

Eichelburg: Die Situation in einem Jahr: Alle werden bankrott sein. Jedenfalls werden Deutschland und die USA bankrott sein; es werden die Schulden abgeschrieben sein und es wird überall neue Währungen geben, und der Goldpreis wird wahrscheinlich jenseits von 10.000 Dollar liegen. Euro wird es keinen mehr geben, es werden alle ausgestiegen sein. Die Leute werden verarmt sein. Sobald der Euro-Crash richtig losgeht, wenn die Zentralbanken ihn nicht mehr halten können, dann sind gleich die Banken zu. Man kann nichts mehr abheben, es ist vorbei. All diese Sachen muss man antizipieren und sich vorbereiten – vorher. Das ist bei jeder Krise so. Das war in Argentinien 2001 ganz genau so. Wer vorher sein Geld, Dollars, abgehoben hat oder ins Ausland verschickt hat, der hat nichts verloren. Wer drinnen geblieben ist im System hat plötzlich geschlossene Banken vorgefunden. Wo man noch kleine Reste abheben konnte und das auch nur in auf ein Drittel abgewerteten Pesos, und genau das Gleiche kommt auch zu uns.

Epoch Times: Gibt es in Europa irgendwelche Inseln der Seligen, oder wird es auch Länder wie die Schweiz erwischen?

Eichelburg: Es wird auch die Schweiz erwischen. Die haben diese 100 Milliarden Euro aufgekauft mit frisch gedruckten Franken. Damit machen sie auch ihren Franken zum Toilettenpapier. In Europa: möglicherweise noch die norwegische Krone und die tschechische Krone, für die Franken ist es zu spät – und sonst ist alles Euroland. Ein Wort zum Schluss. Das ist eine Systemumbruchsituation, und wer hier in das System vertraut, wird massiv verlieren.

Epoch Times: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Florian Godovits.