Das Paket soll laut Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck Deutschland beim Erreichen seiner Klimaziele helfen.Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images

Wirtschaftsminister Habeck: „Deutschland ist versorgungssicher“

Epoch Times22. Februar 2022
Der Ukraine-Konflikt unterstreicht einmal mehr die deutsche Abhängigkeit von russischem Erdgas. Die Bundesregierung zeigt sich jedoch optimistisch und geht nicht von einem Versorgungsengpass in Deutschland aus. Doch rechnet Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck mit weiter steigenden Gaspreisen.

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Auch ohne die Inbetriebnahme der umstrittenen Pipeline Nord Stream 2 bezieht Deutschland einen großen Teil seiner Erdgasimporte aus Russland. Die aktuelle Eskalation im Ukraine-Konflikt lässt diese Importe in einem neuen Licht erscheinen – befürchtet wird, dass der russische Präsident Wladimir Putin der Bundesrepublik den Gashahn zudrehen könnte. Nach Berechnungen der Bundesregierung dürften die vorhandenen Gasvorräte vorerst ausreichen.

Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew hat die Europäer wegen des Stopps der deutsch-russischen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 vor einem Anstieg der Gaspreise gewarnt. „Der deutsche Kanzler Olaf Scholz hat gefordert, die Zertifizierung von Nord Stream 2 auszusetzen“, erklärte der heutige stellvertretende Vorsitzende des russischen Nationalen Sicherheitsrates am Dienstag auf Twitter. „Na dann, willkommen in einer neuen Welt, in der die Europäer bald 2.000 Euro für 1.000 Kubikmeter Gas bezahlen werden.“

Medwedew machte keine genaueren Angaben dazu, ob er sich auf einen potenziellen Gaspreis beim Import oder für den Endverbraucher bezog. In jedem Fall läge ein Wert von zwei Euro pro Kubikmeter aber deutlich über aktuellen Preisen.

Aktuelle Gasvorräte in Deutschland und der EU

Deutschland verbraucht deutlich mehr Erdgas, als es selber produzieren kann. Laut Zahlen des Energiekonzerns BP verbrauchte Deutschland im Jahr 2020 rund 86,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas – produziert wurden hierzulande jedoch lediglich 4,5 Milliarden Kubikmeter.

Deutschland kann den eigenen Bedarf somit zu lediglich rund fünf Prozent abdecken. Die Produktion war 2020 außerdem deutlich rückläufig; sie ging um knapp 16 Prozent im Vorjahresvergleich zurück. Zwischen 2009 und 2019 betrug das Minus gute acht Prozent.

Erdgas für die Stromerzeugung und insbesondere fürs Heizen von Wohnhäusern muss deshalb importiert werden. Ein Großteil der Einfuhren stammt aus Russland: 2020 waren es 56,3 Milliarden Kubikmeter, das entsprach rund 55 Prozent der deutschen Gasimporte. Weitere wichtige Gaslieferanten sind Norwegen (rund 31 Prozent) und die Niederlande (rund 13 Prozent).

Die Gasspeicher in Deutschland mit einem Gesamtvolumen von rund 23 Milliarden Kubikmeter sind laut Zahlen der Organisation Gas Infastructure Europe (GIE) aktuell zu rund 31 Prozent befüllt. Dies entspricht in etwa dem Füllstand aus dem letzten Jahr: Im Februar 2021 waren die deutschen Gasspeicher zu rund 32 Prozent gefüllt.

Im Vergleich zu 2020 ergibt sich allerdings ein bedeutender Unterschied: Im Februar vor zwei Jahren waren die Gasspeicher in Deutschland noch zu über 80 Prozent gefüllt, im Februar 2019 lag der Füllstand bei immerhin 57,61 Prozent.

Auf europäischer Ebene zeigt sich ein ähnliches Bild: Europaweit sind die Gasvorräte aktuell zu rund 31 Prozent gefüllt, im Vorjahr waren es rund 38 Prozent. Im Februar 2020 waren 63,73 Prozent der Gasspeicherkapazitäten ausgelastet.

Habeck: Gaspreise dürften weiter steigen

Die Bundesregierung ist optimistisch – selbst wenn Russland den Gashahn komplett zudreht, sei mit einem Versorgungsengpass in Deutschland nicht zu rechnen, wie der „Spiegel“ unter Berufung auf Regierungskreise berichtete.

„Deutschland ist versorgungssicher“, sagte am Dienstag auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Die deutschen Gasvorräte seien ausreichend, zusätzlich könne außerdem bei Bedarf noch Flüssiggas über Kurzzeitverträge eingekauft werden. Voraussetzung für diese Prognose ist laut „Spiegel“ jedoch, dass es zu keinem länger anhaltenden Kälteeinbruch kommt.

Laut Berechnungen des Branchendienstes S&P Global Platts, die dem „Spiegel“ vorliegen, hat der russische Staatskonzern Gazprom 2021 nur knapp 130 Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa geliefert, rund 31 Prozent weniger als durchschnittlich in den fünf Jahren davor. Nach aktuellem Kenntnisstand erfüllt Gazprom demnach zwar seine langfristigen Lieferverträge, verkauft aber anders als sonst kein zusätzliches Gas am Spotmarkt.

Unter anderem auch deshalb sind die Gaspreise in Deutschland in den vergangenen Monaten gestiegen. Wirtschaftsminister Habeck sagte am Dienstag, der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine dürfte zu weiter steigenden Gaspreisen führen. Ziel der Bundesregierung ist laut Minister daher, sich langfristig unabhängig von russischem Gas und insgesamt von fossilen Brennstoffen zu machen. (afp/dl)



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