Algengrütze! Spongebob Schwammkopf zum 20. Geburtstag als „gewalttätig“ und „rassistisch“ entlarvt

Von 14. Oktober 2019 Aktualisiert: 14. Oktober 2019 17:45
Seit 20 Jahren ist „Spongebob Schwammkopf“ eines der berühmtesten Formate US-amerikanischer und europäischer Kinder-Fernsehkanäle. Nun will Professorin Holly M. Barker von der Universität Washington dahinter gefährliche Botschaften ausgemacht haben.

Wer in unseren Breiten Kinder im Alter von bis zu 18 Jahren hat, dem könnten Bezeichnungen wie „Meerjungfraumann und Blaubarschbube“, „Spitzkopf Larry“, der „dreckige Dan“, „Sandy Cheeks“ oder die „Flammende Faust des Schmerzes“ durchaus ein Begriff sein. Er wird sich auch möglicherweise irgendwann genötigt gesehen haben, zu erklären, dass Schnecken nicht miauen oder man Quallengelee nicht im Supermarkt bekommt.

Seit dem ersten Sendetermin in den USA am 1. Mai 1999 – die deutsche Erstausstrahlung war drei Jahre später am 23. August 2002 – hat Viacom-Tochter Nickelodeon 12 Staffeln der Trickfilmserie „Spongebob Schwammkopf“ (Originaltitel „Spongebob Squarepants“) mit insgesamt 509 Episoden produziert. Dazu kamen mehrere Filme, Comichefte sowie Merchandisingartikel, die das 1998 vom US-amerikanischen Meeresbiologen Stephen Hillenburg kreierte Format popularisierten.

Spongebobs langer Weg vom versteckten Schwulen zum Rassisten?

Die Serie rund um die schrulligen und manchmal etwas einfältigen Bewohner des fiktiven, auf dem Meeresboden gelegenen Städtchens „Bikini Bottom“ birgt einiges an Slapstick und Situationskomik, überfordert niemanden durch allzu tiefschürfende Gedanken, ist relativ arm an politisch korrekten Handreichungen (allenfalls wird in einzelnen Folgen an die „Nachhaltigkeit“ appelliert) und macht einfach das, wozu eine Kinderfernsehsendung eigentlich gedacht ist – nämlich Kinder zu unterhalten.

Dadurch bedingt wurde „Spongebob Schwammkopf“ bis dato kaum irgendwelchen politischen Deutungsversuchen unterzogen. Im Jahr 2005 wollte die christlich-konservative Organisation „Focus on the Family“ bei der Hauptfigur, die einen Schwamm darstellen soll, homosexuelle Neigungen erkannt haben. Als Anhaltspunkte dafür galten Spongebobs naiver Optimismus, seine emotionale Ader, sein weichliches Auftreten oder auch die enge Beziehung zu seinem Nachbarn und Freund Patrick, dem Seestern.

Erfinder Hillenburg wies diese Spekulationen jedoch stets zurück und betonte, seine Figuren seien zwar „etwas seltsam“, aber allesamt „asexuell“. Der Inhalt der Geschichten stützt in Summe diese Darstellungen.

Nun droht den Helden von Bikini Bottom allerdings Ungemach von einer anderen Seite. Anthropologin Holly M. Barker von der Universität Washington hat, wie „Fox News“ berichtet, jüngst in einer akademischen Fachzeitschrift dem Schwammkopf und seinen Freunden vorgeworfen, „gewalttätig“ und „rassistisch“ zu sein sowie Untaten weißer Siedler an der indigenen Bevölkerung auf dem amerikanischen Kontinent und im Pazifik zu legitimieren.

„Weißwaschen der Atomtests der US-Armee“

So heißt es in dem Papier:

Spongebob Schwammkopf und seine Freunde spielen eine Rolle, wenn es darum geht, den kolonialistischen Landraub der Siedler an Indigenen zu normalisieren und das Andenken der Menschen vom Bikini-Atoll an ihre reale Heimat auszulöschen.“

Die Serie betreibe ein „Weißwaschen“ des „gewalttätigen Vorgehens des amerikanischen Militärs“ gegen Ureinwohner im Pazifik. Barker spielt damit offenbar auf die Verwendung des zu den Marshall-Inseln gehörigen Bikini-Atolls in der Südsee für Atomtests der US-Armee an. Im Vorfeld dieser Tests wurden Bewohner der Inselgruppe Ende der 1940er Jahre zwangsumgesiedelt. Ein späteres Wiederansiedlungsprogramm stieß nur auf wenig Resonanz – allerdings ist auch ein Teil des ursprünglichen Gebiets bis heute nicht bewohnbar.

Dass, wie Carolyn Lawrence, Bill Fagerbakke und Clancy Brown, drei Mitglieder des Spongebob-Produktionsteams, auf Fox News jüngst äußerten, manche Fans der Serie tatsächlich dächten, infolge Mutationen als Konsequenz der Atomtests würden eigenartige Kreaturen dort hausen, hat die Wissenschaftlerin erst recht erzürnt.

Der Name „Bob“ als Mikroaggression

Indem Spongebob als „amerikanische Figur“ eine Gegend bewohne, die Ureinwohner zu verlassen gezwungen worden wären, zeige er sein Privileg, das darin bestehe, sich „nicht um die Detonation von Atombomben kümmern“ zu müssen. Dass die Figuren in der Serie Hawaiihemden trügen, Häuser in Ananasform, Maori-Tikis oder Osterinselfiguren zu Klängen der hawaiianischen Gitarre vorkämen, stelle zudem eine „kulturelle Aneignung“ der pazifischen Kultur und eine „Perpetuierung von Stereotypen“ dar. Selbst der Titelsong offenbare „nautischen Nonsens“.

Zwar will Barker den Schöpfern der Serie zugutehalten, dass diese das alles wohl gar nicht bedacht hätten, aber es sei empören, wie wenig es ihnen bewusst wäre, dass „Bikini Bottom und das Bikini Atoll nicht so einfach da sind, um [für das Schreiben] herangezogen zu werden“. Zudem sei das Geschlechterverhältnis in der Serie unausgewogen und der Name „Bob“ nehme eher Bezug auf einen Allerweltscharakter als auf einen, der kulturell angemessen wäre.

Kinder, die Spongebob sehen, würden „an eine Ideologie gewöhnt werden, die den US-Charakter Spongebob, der auf der Heimat anderer Leute residiert, als gegeben hinnimmt.“ Man solle, so Barker, „kein gutes Gefühl haben dabei, wenn eine Hamburger liebende amerikanische Community die Lagune von Bikini einnimmt und darüber, wie sie jeden Aspekt von Souveränität untergräbt.“

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