Alle Vögel sind schon da…

Titelbild
Reiher im April (Bild- Josef Jelkic)
Von 11. April 2005

Wenn alles gut geht – im Frühjahr wieder zurück im Brutgebiet

Mitte April ist der Vogelzug in vollem Gang. Während in Städten und Dörfern schon das Morgenkonzert von Amseln, Rotkehlchen, Buchfinken und Grünlingen ertönt, schwingen sich jetzt auch in den noch kalten Kögen an der Küste die Feldlerchen singend in die Lüfte. Immer mehr Uferschnepfen, Brachvögel, Rohrammern, Meisen und Finkenarten besetzen ihre Brutreviere. Aus Sachsen wurde schon Anfang März die ersten brütenden Seeadler gemeldet und in Karlsruhe betteln bereits flügge Waldkäuze nach Futter.

In Bayern, Hessen, Westfalen und in Brandenburg kommen die ersten Störche an. Gleich zu Beginn des Wetterwechsels Ende März zogen große Kranichkeile vor allem über das Rheinland, Ost-Hessen und das östliche Westfalen auf dem Weg nach Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Rügen, wo sie teils die Brutgebiete besetzen oder nach kurzer Rast weiter nach Norden und Osten zogen. In Hessen wurden weit über 20.000 der großen, unter lauten Trompetenrufen nach Norden ziehenden Vögel gezählt.

Auf der ganzen Welt fliegen jedes Jahr die Zugvögel in ihre Winterquartiere und im darauf folgenden Frühjahr wieder zurück ins Brutgebiet. Der Grund dafür ist der zeitweilige Nahrungsmangel – vor allem für Insektenfressende Tiere – in der kalten Jahreszeit. Die von den Vögeln zurückgelegten Distanzen betragen meist mehrere tausend Kilometer, dabei fliegen sie in der Regel in 300 bis 1.000 Metern Höhe mit einer Geschwindigkeit zwischen 50 und 95 Stundenkilometern.

Auf dem Weg in den Süden lauern viele Gefahren auf die Zugvögel: Gebäude, Strommasten und Jäger können den Tod bringen. Zudem ist die Zerstörung von Rast- und Überwinterungsplätzen für einen Rückgang der Zugvögel verantwortlich. Nicht zuletzt besteht für die europäischen Zugvögel eine Bedrohung durch zunehmend mildere heimische Winter. Diese führen dazu, dass mehr hier überwinternde Vögel die kalte Jahreszeit überleben und damit eine höhere Konkurrenz um Nahrung bei der Rückkehr der Zugvögel besteht. Da diese von der Reise geschwächt sind, verhungern sie zuerst.

Zugvögel brauchen während ihres langen Flugs sehr viel Energie. Um eine ausreichende Versorgung während des Fliegens zu gewährleisten, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die meisten Vögel fressen sich für die Reise Fettreserven an. Eine Reihe von Singvögeln verbrennt unterwegs außerdem Teile ihrer Organe. Und um zusätzlich Energie zu sparen, hilft ein Flug in der kühlen Nacht oder mit Hilfe der Thermik tagsüber sowie das Fliegen in V-Formation.

Die Vogelwarte Helgoland, als älteste Beobachtungsstation der Welt, hat für die Erforschung der Vogelwanderungen entlang der Küsten Maßstäbe gesetzt. Fast alle Vogelarten der Arktis und der nördlichen Halbkugel sind Zugvögel. Je weiter südlich, je wärmer und milder also das Klima wird, desto weniger Arten ziehen.

Zugvögel: Sechster Sinn ist magnetisch

Damit die Vögel auch nach Tausenden von Kilometern punktgenau an ihrem Ziel ankommen, benötigen sie eine Art Feinjustierung. Seit kurzem ist bekannt, dass den Vögeln hier als eine Art „sechster Sinn“ ein Magnetsinn hilft, der wie ein biologischer Kompass funktioniert. Man vermutet zudem, dass dieser Magnetsinn angeboren sein muss. Wo genau jedoch dieses Sinnesorgan liegt und welche biochemischen Prozesse dort ablaufen, war bisher nicht bekannt.

Neue Erkenntnisse lieferte jetzt eine Studie unter Leitung von Dr. Henrik Mouritsen vom Institut für Biologie und Umweltwissenschaften der Universität Oldenburg, die in der renommierten Wissenschaftszeitschrift „PNAS“ (Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America) publiziert wurde. Dem Forscherteam gelang es, erste Details dieses Orientierungsmechanismus zu klären. So verfügen die Zugvögel über Lichtrezeptoren, also über lichtempfindliche Moleküle in den Nervenzellen ihrer Augen, die das Magnetfeld der Erde als visuelles Raster erkennen, beziehungsweise erspüren können.

Zwei Vertreter der Molekülfamilie der Cryptochrome, CRY1 und CRY2, haben die Forscher jetzt in der Netzhaut ihres Untersuchungsobjekts, der Gartengrasmücke, nachweisen können. Mouritsen und sein Team zeigten, dass das „Gartengrasmücken-CRY1″ konzentriert in speziellen Zelltypen der Retina vorkommt, besonders in Ganglienzellen und insbesondere in den großen „versetzten“ Ganglienzellen. Dies sind nun gerade jene Zellen, die während der Nacht bei Nachtziehenden Zugvögeln das höchste Maß an neuronaler Aktivität zeigen – zu der Zeit also, in der sich Gartengrasmücken magnetisch orientieren. Das Vorkommen von Cryptochromen bei Nacht scheint eine Spezialisierung bei Zugvögeln zu sein. Insgesamt stützen diese Ergebnisse der Oldenburger Forscher die Hypothese, dass das Cryptochrom das primär magneto-sensorische Molekül sein könnte, das magnetische Informationen für den Vogel in visuelle Signale umzusetzen vermag. Auf diese Weise dürfte der Vogel letztlich das Magnetfeld der Erde „sehen“ und sich daran orientieren können.



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