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Das Auge der Kosmologen verlassen im Weltall

Von 25. März 2005 Aktualisiert: 25. März 2005 20:15

Wohl jeder hat die prächtigen Bilder des Weltalls, aufgenommen mit dem Hubble Teleskop, gesehen. Das Hubble Teleskop ist im Weltraum stationiert und vermag daher viel klarere Aufnahmen zu machen als auf der Erde stationierte Observatorien, welche durch die Atmosphäre unserer Erde in ihrer Leistung beeinträchtigt sind. Jedoch derzeit ist die Zukunft des Projektes Hubble äußerst ungewiss, da die NASA notwendige Wartungsarbeiten als zu riskant und teuer ansieht. Es gibt Pläne, das von der wissenschaftlichen Gemeinschaft höchst gelobte Gerät einfach mit einem Antrieb zu versehen, um es sicher im Ozean versenken zu können.

Das Hubble Space Teleskop (HST) wurde am 25. April 1990 in Betrieb genommen, nachdem es mit der Raumphäre Discovery in den Weltraum gebracht wurde. HST ist ein gemeinsames Projekt der NASA und der Europäischen Weltraumbehörde (ESA). Die Idee zu einem im Weltraum positionierten Teleskop hat jedoch schon eine längere Geschichte. Im Jahre 1923 publizierte der Raketenforscher Herman Oberth einen Artikel, in welchem er über ein Teleskop im Orbit spekulierte. Eine der treibenden Kräfte für die wissenschaftliche Forschung zur Realisierung eines solchen Teleskops war der Astrophysiker Lyman Spitzer, welcher 1969 eine Projektförderung für Forschungen an einem großen Weltraumteleskop bekam. Im Jahre 1977 genehmigte der Amerikanische Kongress die Förderung von HST. Der Namenspatron für das HST ist der Astronom Edwin Hubble, welcher 1920 mit einem erdstationierten Teleskop Messungen über die Entfernungen und Beschleunigungen von Galaxien durchgeführt hatte und somit den Grundstein für das Konzept des Expandierenden Universums gelegt hatte.

HST hat viele neue wissenschaftliche Erkenntnisse gebracht. So erbrachte HST in den Anfängen der 1990er Jahre als erstes optisches Teleskop einen überzeugenden Beweis für die Existenz von Schwarzen Löchern. Weiters konnte mit HST die Herkunft von Gammastrahlung enormer Stärke bestimmt werden, welche – wie man nun weiß – von entfernten Galaxien aus den Anfängen des Universums kommen. Weiters konnte mit HST das Rätsel der Quasare geklärt werden. Mit HST weiß man, dass Quasare radioaktive Prozesse in entfernten Galaxien sind, welche durch Schwarze Löcher angetrieben werden.

Auch ein Weltraum-Teleskop muss mal zum Service

HST hatte jedoch einen „angeborenen Sehfehler“, es konnte das empfangene Licht nicht scharf fokussieren. Im Rahmen der ersten Servicemission wurde das Sehvermögen von HST dann korrigiert. Insgesamt gab es bis jetzt noch drei weitere Servicemissionen, in welchen zahlreiche technische Verbesserungen und Reparaturen durchgeführt wurden. Beispielsweise wurde das Sehvermögen vom Bereich des sichtbaren Lichtes bis an die Grenze von Infrarot erweitert.

Der Betrieb von HST ist eigentlich bis 2010 geplant. Jedoch gibt es derzeit ernsthafte Probleme mit der regelmäßigen Wartung. Auslöser der Probleme war die Tragödie der Raumphäre Columbia im Februar 2003. Priorität für zukünftige Raumflüge ist nun die Versorgung der Internationalen Raumstation (ISS), eine Hubble Mission wird als zu gefährlich angesehen. Die geplante Service-Mission für HST, um dessen Batterien und Gyroskope noch vor 2008 auszutauschen, wurde abgesagt. Diese ursprüngliche Entscheidung der NASA hat jedoch einen Aufschrei innerhalb der internationalen Gemeinschaft und einer breiteren Öffentlichkeit ausgelöst, vor allem da der geplante Nachfolger, das James Webb Weltraumteleskop, erst im Jahre 2011 in Betrieb gehen wird. Als Ergänzung zu HST wurde 2003 das sog. Spitzer Weltraumteleskop in Betrieb genommen, welches im Gegensatz zu HST im Infrarotbereich Bilder aufnimmt. Spitzer ist allerdings zu weit von der Erde entfernt, um daran Servicearbeiten durchzuführen; es wird mit seinen Energiereserven wahrscheinlich bis 2008 arbeiten können.

Nach Lösungen für HST wird gesucht

Die NASA hat mittlerweile auch schon überlegt, das bestehende Sicherheitsrisiko einer weiteren HST-Mission durch Roboter-Einsatz zu lösen. Zugleich gibt es aber nun auch politische Entwicklungen, welche die Finanzierung einer HST-Mission unsicher machen. So hatte im Januar diesen Jahres das Weiße Haus die Förderung der HST-Mission aus dem Budget für 2006 gestrichen und stattdessen die NASA instruiert, sich auf das sichere Herunterholen des Teleskops am Ende seines Betriebes zu konzentrieren. Mittlerweile bemüht man sich jedoch aus den Reihen des Kongresses für eine Durchführung der HST-Mission. Die Senatorin Frau Barbara Mikulski schrieb am 21. Januar einen Brief an NASA-Administrator Sean O’Keefe, worin sie den Chef der NASA aufrief, ein unabhängiges Panel von Experten einzurichten, um alle Möglichkeiten rund um eine HST-Mission abzuwägen. Mikulski merkte weiter an, dass das Hubble-Teleskop das erfolgreichste NASA-Projekt seit Apolle sei. Anfang Februar erkläre die NASA jedoch, dass sie keine weiteren Bemühungen für den Betrieb von HST unternehmen werden. Am 2. März hatte die Senatorin Mikulski die NASA erneut aufgerufen, sich nach den Plänen des Kongresses zu richten und Maßnahmen für die fortlaufende Planung der HST-Servicemission weiterzuführen. Die Zukunft des Projektes HST ist somit weiterhin offen und die Forschungsgemeinschaft muss weiter um dieses bewährte Instrument bangen.



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