Der Appell des Dalai Lama: Ethik ist wichtiger als Religion

Epoch Times27. Juli 2015 Aktualisiert: 27. Juli 2015 19:13
Der deutsche Journalist Franz Alt hat aus einem langen Interview mit dem Dalai Lama ein Buch gemacht. Die Kernaussage: Religion wird – auch von religiösen Führern – oft “missbraucht und instrumentalisiert, um politische oder wirtschaftliche Interessen durchzusetzen".

Viele Politiker haben auf „Charlie Hebdo“ reagiert. Eine Stimme wurde nicht sonderlich gehört: die des Dalai Lama. Er sagte dazu: „An manchen Tagen denke ich, es wäre besser, es gäbe keine Religionen.“

Diese Aussage ist für jemanden, der einer der größten religiösen Führer der Welt ist, sehr interessant. Sieht der Papst dies auch so? Oder war das nur ein spontanes Reagieren? Anscheinend nicht, denn Anfang Juli erschien nun ein neues Buch von Franz Alt, ehemals deutscher TV-Journalist, das auf seinen Gesprächen mit dem Dalai Lama beruht. 

Das Buch trägt den Titel: „Der Appell des Dalai Lama an die Welt. Ethik ist wichtiger als Religion“ und erscheint im Salzburger Benevento Verlag. Es kann kostenlos in 8 Sprachen in den Formaten EPUB und MOBI runtergeladen werden.

Die Kernaussage ist:

Religion wird – auch von religiösen Führern – oft "missbraucht und instrumentalisiert, um politische oder wirtschaftliche Interessen durchzusetzen", sagt der Dalai Lama. Er ist der Ansicht, dass „alle Religionen und alle Heiligen Schriften ein Gewaltpotenzial“ in sich tragen.

„Wir brauchen eine säkulare Ethik jenseits aller Religionen"

„Voraussetzung für Frieden ist mehr Mitgefühl und eine ganz neue Ethik, eine Ethik ohne Religion“, sagt der Dalai Lama. „Das Wissen und die Praxis von Religion seien zwar hilfreich, aber es gehe auch ohne Religion und auch ohne Buddhismus", gibt er sich überzeugt.

Wir bräuchten eine „säkulare Ethik“, die auch für die etwa eine Milliarde Atheisten hilfreich und brauchbar sei. „Be a kind person“ („Seien Sie einfach ein freundlicher Mensch“) sei auch möglich, wenn man nicht glaube“.

Nach den Grundlagen der säkularen Ethik gefragt, antwortet er: „Bildung, Respekt, Toleranz und Gewaltlosigkeit, mehr innere Werte.“

Deshalb: „Innere Werte müssen das 21. Jahrhundert prägen“ und „Dann wird unser Jahrhundert ein Jahrhundert des Friedens und des Dialogs. Allerdings wird es äußeren Frieden erst geben, wenn es mehr inneren Frieden gibt. Das gilt für alle aktuellen Konflikte: In der Ukraine, im Nahen Osten, in Afghanistan, in Nigeria. Fast überall ist auch religiöser Fundamentalismus einer der Kriegsgründe“.

„Wir kommen nicht als Mitglied einer bestimmten Religion auf die Welt. Aber Ethik ist uns angeboren“

Menschen könnten zwar ohne Religion, aber nicht ohne Moral auskommen, so der Dalai Lama. „Ethik geht tiefer und ist natürlicher als Religion“, lautet seine These.

Er geht ein wenig auf die moderne neurobiologische Forschung ein, die zeigt, dass sich weniger egoistisches Verhaltung und Altruismus lohne. Altruismus kann man mit uneigennützigem Verhalten umschreiben.

„Altruismus macht uns einfach glücklicher“, erklärt der Dalai Lama in Basel. „Für dieses Forschungsinteresse bin ich vor 20 Jahren noch belächelt worden. Heute wird es zunehmend anerkannt. Wer Altruismus nicht anerkennt, kann nicht verstehen wie Politik und Märkte wirklich funktionieren [könnten].“

Der Dalai Lama spricht von einer „elementaren menschlichen Spiritualität“, einer in den Menschen angelegten „Neigung zur Liebe, Güte und Zuneigung“. (rls/ks)

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