Die rücksichtslose Befriedigung des eigenen Egos – Die westliche Gesellschaft löst sich auf

Von 20. February 2018 Aktualisiert: 21. Februar 2018 10:32
Ein Volk, das seine Traditionen verachtet und sich selbst mit immerwährender Schuld und Buße für die grössten Verbrechen der Geschichte betrachtet, wird sein kollektives Über-Ich und damit seinen Zusammenhalt verlieren. Ein Volk ohne Zusammenhalt ist brüchig und anfällig für äussere Angriffe.

Die westliche Gesellschaft wirkt heute wie ein Schatten ihrer einst glorreichen Geschichte. Etwas Grundlegendes scheint in den letzten Jahrzehnten zerrüttet worden zu sein: Genuss- und Spasssucht, Egoismus und Niveaulosigkeit nehmen in unserer Gesellschaft rapide zu. Die westlichen Bürger haben im globalen Zeitalter offenkundig Charakterzüge entwickelt, die ihre Vorfahren noch als Schwäche und Degeneration gewertet hätten. Die Phänomene des Zerfalls, die heute offen zutage treten, sind die Konsequenzen dieser merkwürdigen kollektiven geistigen Verarmung.

Wie kam es dazu, dass Werte und Normen wie Familie, Fleiss, Moral, Anstand, Disziplin, Mut und Ordnung, die die westliche Zivilisation einmal zum Vorbild für alle anderen Völker der Welt machten, so grossflächig in Vergessenheit geraten sind, ja heute gar in negativem Kontext verwendet werden?

Das Strukturmodell der Psyche

Alle grossen Könige, Kaiser und Diktatoren der Geschichte kannten das Geheimnis der Macht: Wer eine Gesellschaft kontrollieren will, muss dafür die Kontrolle über deren kleinsten Baustein erlangen, nämlich über das Individuum. Die Ursache jeder bewussten Handlung eines Menschen sind seine Gedanken. Jede seiner Taten ist die Umsetzung eines vorangegangenen Gedankens und muss somit zuerst im Geiste des Individuums existieren. Folglich ist der Schlüssel zur Kontrolle der Menschen die Manipulation ihrer Gedanken. Durch die tiefgründige Kenntnis, wie die menschliche Psyche in ihrer Komplexität funktioniert, eröffnen sich auch Wege zur Manipulation des menschlichen Geistes. Das Bewusstsein sowie das Verhalten eines Individuums oder einer Gruppe werden somit manipulier- und den eigenen Zielen entsprechend steuerbar.

Dieses Verständnis verschafft jeder Person oder Personengruppe einen grenzenlos machtvollen Vorteil gegenüber anderen, die nicht über dieses Wissen verfügen. Mit diesem ungeheuren Wissensvorsprung können die Gedanken und damit auch das Verhalten von Menschen ohne dieses Wissen beeinflusst und gelenkt werden. In der Tat legt das Verständnis der menschlichen Psyche das Geheimnis zur Kontrolle der Bevölkerung offen – nicht durch Gewalt, sondern durch subtile Manipulation. Mit diesem Wissen wäre es für eine skrupellose und machthungrige Gruppe durchaus möglich, einer anderen (unwissenden) Gruppe mentale Ketten anzulegen oder tief in ihrer Psyche versteckte Eigenschaften zu entfesseln, die zu ihrer Knechtschaft oder gar zur ihrer Zerstörung führen würden.

Das westliche Über-Ich

Wie in der ExpressZeitung (Ausgabe 12/November 2017) bereits beschrieben, mussten die Vorfahren der Völker, die das heute als „Westen“ bezeichnete Gebiet besiedelten, jedes Jahr erneut in den rauen europäischen Wintern ums Überleben kämpfen. Da Nahrung und Ressourcen knapp und die Winternächte lang und kalt waren, schafften es viele nicht, ihren Nachwuchs unter diesen extremen Umweltbedingungen am Leben zu erhalten. Deshalb mussten Frauen und Männer damals als Einheit wirken, um die Überlebenschancen ihrer Kinder zu erhöhen. Wer seinen Partner aufgab, schickte ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Tod. So wurde der enge Zusammenhalt zwischen Vater, Mutter und Kind(ern) – der Familie – zu einer überlebensnotwendigen Voraussetzung.   

Mann und Frau komplementierten sich gegenseitig, um das Überleben ihres Nachwuchses sicherzustellen und eine solide Grundlage für dessen Leben zu gewährleisten. Allerdings entwickelte sich die Einheit aus Mann und Frau bald zu mehr als nur zu einem Überlebenskampf: Sie unterstützte ebenfalls die Entwicklung des Über-Ichs unserer Vorfahren. Zum Zwecke des eigenen Überlebens war es ebenso erforderlich, auch auf andere Mitmenschen Rücksicht zu nehmen und damit die Gemeinschaft zu stärken. Die nordischen Menschen konnten in den eisigen Wintern nicht allein überleben. Sie mussten sich um ihren Partner kümmern, ihn mit aller Kraft vor dem Tod schützen. Der ideale Partner, egal ob Mann oder Frau, war derjenige, der seine Familie nicht im Stich liess und sich aufopfernd um sie kümmerte.

So entstand bei den nordischen Völkern eine ausgeprägte Fähigkeit zu Empathie und Kooperation, die sie auch gegenüber Stammesmitgliedern zeigten, die nicht Teil der Familie waren. Es entspricht einer idealistischen Grundhaltung, in der sich der Einzelne bewusst ist, dass es ihm (nachhaltig) nur dann gut geht, wenn es seinen Mitmenschen, der Gemeinschaft gut geht. So trägt jedes Mitglied nicht zuletzt auch aus symbiotischem Eigeninteresse zum Wohlergehen der Gemeinschaft bei. Das Gegenteil davon ist der heute überall propagierte und ausschliesslich auf das Ego konzentrierte Individualismus, welcher einzig und allein seine Energie für die Befriedigung seiner individuellen Bedürfnisse einsetzt.

Neben hoher Sozialkompetenz entwickelten Völker des Nordens zudem eine neue, völlig abstrakte Form des Denkens: die Zukunftsplanung. Sich im Sommer über den kommenden Winter Gedanken zu machen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen (Holz sammeln, Unterschlupf bauen zum Schutz vor Kälte, Vorräte anlegen usw.), stellt einen der wichtigsten evolutionären Schritte im menschlichen Denken dar. Es stellt künftige Belohnung (Überleben des Winters) über das unmittelbare Geniessen im Jetzt und veranlasst zur Arbeit und zur Vorbereitung in Zeiten der Fülle.

Dies ist vergleichbar mit dem Entwicklungsschritt eines Kindes, welchem jetzt ein Stück Schokolade angeboten wird oder am Abend (Zukunft – Belohnung fürs Warten) eine ganze Tafel. Sich gedanklich in die Zukunft zu versetzen und danach zu handeln, setzt abstraktes Denken voraus, was bei den nordischen Völkern, zusätzlich zu einer ausgeprägten Entwicklung des Über-Ichs, zu einem besonders fähigen „Ich“ (Intellekt, Weitsicht, Kreativität, Erfindergeist, praktische Fähigkeiten, Problemlösung) führte. (Anm.d.Red.: Das „Über-Ich“ ist nach Ansicht der Psychoanalyse jener Teil der Persönlichkeit, der laut Freud die internalisierten Ideale und Normen repräsentiert, die Richtschnur für die Urteilsfähigkeit (Gewissen) liefert und Ziele für die Zukunft setzt.)

Das Über-Ich und die Tradition

Menschen haben sich immer am stärksten an anderen Menschen orientiert, die ihnen ähnlich sind. Wir fühlen uns wohler, wenn wir von Menschen umgeben sind, die sich wie wir verhalten, da sie ähnliche moralische Werte vertreten, ähnliche Interessen haben oder dieselbe Sprache sprechen. Die seit Generationen gemeinsamen Werte und Normen (das kollektive Über-Ich einer Gesellschaft) werden zu Traditionen. Sie dienen uns zur Identifikation mit unseren Mitmenschen.

Nur verkörpern Traditionen nicht per se etwas Gutes. Zur Tradition mancher Völker gehörten Krieg, Raubzüge, Gewalt und religiöser Wahn. Andere Völker machten sich dagegen im Laufe ihrer Entwicklung Kooperation, Nächstenliebe, Handwerk und Kunst zur Tradition. So ist das Über-Ich einer Gesellschaft ein zweischneidiges Schwert: Es bindet uns an unsere Vergangenheit, unser Erbe, unsere Traditionen, unseren Lebensstil.

Doch wenn das Über-Ich einer Gesellschaft moralisch und sittlich unterentwickelt ist, ist das Individuum dazu geneigt, sich auch dieser schlechteren Gesellschaft anzupassen. So kann sich ein unmoralisches Über-Ich durchaus destruktiv auswirken, z.B. bei kriegslüsternen Nomadenstämmen, die sich die Unterwerfung anderer Völker zur Tradition machten. Eines stellte die Existenz eines Über-Ichs – ob gut oder schlecht – allerdings immer sicher: Die Homogenität und den Zusammenhalt eines Volkes.

Ohne das Über-Ich gäbe es keine Gemeinschaft, sondern nur Individuen, die einzig nach Befriedigung und Erreichen ihrer eigenen Bedürfnisse und Ziele streben. Eine Gesellschaft wird von denselben Überzeugungen zusammengehalten. Je ähnlicher sich die jeweiligen Mitglieder einer Gruppe sind, desto effektiver wird die Gruppe miteinander kooperieren, um gemeinsame Ziele zu erreichen.

Die westliche Gemeinschaft

Da die nordischen Völker durch die kalten Winter dazu gezwungen waren, ihr „Es“ zurückzustellen und ein idealistisches Miteinander zu entwickeln, entstand in ihrer Gemeinschaft ein besonders starkes und moralisches Über-Ich. Primär waren stets Vater und Mutter für die Weitergabe von Werten und Traditionen verantwortlich, doch die nordischen Volksgemeinschaften (die Völkergruppe, die wir heute als „westliche Zivilisation“ oder „Abendland“ bezeichnen) brachten im Laufe der Geschichte auch zusätzliche Vorbilder hervor, zu denen jüngere Generationen aufschauten.

Individuen schlossen sich zusammen und formten Stämme. In diesen Stämmen taten sich Anführer hervor: Männer, die weise waren oder besondere Fähigkeiten besassen, z.B. beim Jagen oder im Werkzeugbau. Diese Anführer prägten den Stamm und waren Vorbilder für die anderen. Kinder richteten ihr Freud’sches „Ich-Ideal“ sowohl nach ihren Eltern als auch nach den Stammesführern aus. Da die Eltern eines Kindes zu dieser frühgeschichtlichen Zeit oft früh verstarben, stellten die Anführer und die Gemeinschaft ein wichtiges Auffangnetz für den Nachwuchs dar. Die elternlosen Kinder wurden in solchen Fällen vom Stamm erzogen, der versuchte, ihnen dieselben Fähigkeiten und Werte zu vermitteln, wie Mutter und Vater es getan hätten. 

Mit dem Heranwachsen der einzelnen Stämme zu grösseren Volksgruppen, erweiterte sich auch das Spektrum möglicher Vorbilder: So wurden beispielsweise Handwerkskünstler, Erfinder, Forscher, Lehrer, Ärzte und viele andere Personen durch ihr gemeinnütziges Handeln als Vorbilder, nahe dem „Ich-Ideal“, angesehen.

Was gleichermassen immer erhalten blieb, war das gemeinsame Über-Ich und die Traditionen, die den Zusammenhalt stärkten. Sobald die Jungen das Haus der Eltern verliessen, waren sie in der Regel von sittlichen, moralischen Menschen umgeben, die ihnen mit Rat zur Seite standen und sie die Lektionen des Lebens lehrten. Diese Vorbilder sorgten wie die Eltern dafür, dass die folgende Generation auf dem richtigen Pfad blieb.

In einer homogenen Gesellschaft sind nicht alle gleich, doch vertreten alle dieselben Werte. Die Anführer zeichneten sich durch ihre fortgeschrittenen Jagd-Fähigkeiten, Tapferkeit, Geschick, Disziplin oder Vorstellungskraft aus. Sie halfen den in der Hierarchie unter ihnen stehenden Mitgliedern der Gemeinschaft stets dabei, ihren Beitrag innerhalb der Gemeinschaft in effektiver Weise zu leisten und zogen sie dadurch mit nach oben.

Die harte Arbeit, der Aufopferungswille und das Engagement für die Gemeinschaft war der Motor des durchschnittlichen Menschen, der damit die Gesellschaft als Ganzes nach vorne brachte. Die Gesellschaft bewegte sich als Einheit, die niemanden zurückliess. Absolute Gleichheit ist nicht die Grundlage einer gut funktionierenden Gemeinschaft. Es ist die Gemeinschaft selber, die alle unterschiedlichen Mitglieder miteinschliesst und sie ihren Stärken und Schwächen entsprechend zum Wohle aller einsetzt und ihnen damit Lebenssinn und Wertschätzung zuteil kommen lässt.

Die Entstehung des „Westens“

Aus der hochentwickelten Moral, dem Zusammenhalt und der Fähigkeit zum abstrakten Denken, entwickelte sich aus diesen nordischen Stämmen und Gemeinschaften allmählich die fortschrittlichste Zivilisation der uns bekannten Geschichtsschreibung – heute „der Westen“ genannt. Fast alle wichtigen Erfindungen der Menschheit, all die Innovationen, die die Welt immer wieder aufs Neue aus den unbarmherzigen Lebensumständen vergangener Epochen befreiten, entstammen dieser westlichen Kultur. Vergangene Generationen waren stolz auf dieses Erbe und sich bewusst, dass die Leistungen ihrer Vorfahren die Welt wie nie zuvor bereichert hatten. Heute wirkt dieses westliche Selbstwertgefühl jedoch wie weggeblasen und scheint ersetzt von Scham, Schuld und Selbsthass.

Die Zerstörung des westlichen Über-Ichs

Zersetzende Ideologien marxistischen Ursprungs (siehe ExpressZeitung Ausgabe 3/Januar 2017 und 12/November 2017), die allmählich in unserer Gesellschaft Fuss fassten, führten innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer massiven Herabwertung und Zersetzung der wichtigsten und kleinsten Zelle einer funktionierenden Gesellschaft – der traditionellen Familie – und darüber hinaus zu einer dramatisch niedrigen Geburtenrate. Diese Ideologien griffen auch die sekundäre Schutzhülle an, die einer intakten Gesellschaft Stabilität verleiht, wenn die familiäre Prägung versagt: Das gesellschaftliche Über-Ich.

Inflationäre Scheidungsraten, Kita-Erziehung, zur Arbeit gezwungene, alleinerziehende Mütter, fehlende Väter etc. produzieren eine immer grösser werdende Anzahl orientierungsloser Kinder, die nach einem Ersatz für ihre Eltern suchen. Eine intakte Gesellschaft mit den richtigen Vorbildern könnte den Schaden einer fehlenden erzieherischen Prägung durch Vater und Mutter zumindest begrenzen. Doch findet der vernachlässigte Nachwuchs heute in den Erziehungseinrichtungen kaum noch starke Leitfiguren, die ihm Werte wie Anstand, Ordnung und Disziplin vermitteln.

Schulen sind zu einem Hort der Verwahrlosung geworden, wo Kinder auf dem Schulhof mehr und mehr schlechten Einflüssen wie Drogen, Gewalt und Pornographie ausgesetzt sind und entsprechend geprägt werden. Der Nachwuchs wird heute massgebend von Musik- und Fernsehindustrie, sowie vom Internet beeinflusst. Die medialen Vorbilder, die die Lücke der fehlenden elterlichen und gesellschaftlichen Erziehung schliessen sollten, vermitteln der neuen Generation die einhellige Botschaft, dass Spass zu haben und die rücksichtslose Befriedigung des eigenen Egos (Es) die erstrebenswertesten Ziele im Leben seien – eigentlich ein Verhaltensmuster des Homo Sapiens VOR der Entwicklung des Über-Ichs.

Neben der Geringschätzung von traditionellen Werten und der Propagierung purer Triebhaftigkeit, wird die Gesellschaft des Abendlands auch durch die einseitige und unausgewogene historische Betrachtungsweise der eigenen Vergangenheit in Mitleidenschaft gezogen.

Auf allen Ebenen werden die Menschen des Westens mantramässig und einseitig mit allen möglichen Untaten ihrer Vorfahren konfrontiert, so dass sie während der letzten Jahrzehnte damit begannen, die eigene Kultur abzulehnen. Der vorherrschende politisch-korrekte Zeitgeist hat die westliche Gesellschaft dazu gebracht, sich in tiefsten Schuldgefühlen pauschal für ihre Vergangenheit zu schämen und damit alles Gute zu vergessen, was die westliche Zivilisation hervorgebracht und erreicht hat.

So wird in Medien und Bildungsanstalten die abendländische Geschichte nicht mehr aus einer neutralen und dem jeweiligen Zeitgeist gerechten Perspektive dargestellt. Nicht selten werden Informationen aus dem Zusammenhang gerissen, um die Taten vergangener Generationen in ein schlechtes Licht zu rücken. Dabei soll betont sein, dass sich, wie in allen anderen, auch in der Geschichte der westlichen Gesellschaft dunkle und unrühmliche Kapitel finden lassen, in denen schlimme Verbrechen begangen wurden. Jedoch konzentriert sich das moderne und globale Geschichtsnarrativ unausgewogen und nahezu ausschliesslich auf die Vergehen des Westens, was bei den Nachkommen zu einer wachsenden Ablehnung ihrer Vorfahren führt.

Schuldkult Sklaverei

Vornehmlich in den USA ist der offensichtlichste Angriff auf das Erbe des Westens die verzerrte Darstellung der Geschichte der Sklaverei. Es ist dabei festzuhalten, dass dieser Akt der Unmenschlichkeit seit frühester Menschheitsgeschichte (und bis heute) existierte und dass neben den Weissen, auch jede andere ethnische Gruppe zu vielen Zeitpunkten ihrer eigenen Geschichte Sklaven hielt. Nach nahezu jedem Krieg hatten die Sieger das Volk des unterlegenen Gegners versklavt. Sklaven waren damals die Belohnung für einen siegreichen Feldzug. Rechtfertigen diese Tatsachen Sklaverei? Absolut nicht! Aber sie stellen die westliche Sklaverei in einen akkuraten historischen Zusammenhang; als ewiges Phänomen, das zu allen Zeiten weltweit und überall existierte, doch heute niemandem ausser den Völkern des Abendlands zum Vorwurf gemacht wird. Es ist in der Tat wahr, dass eine kleine Minderheit in der westlichen Bevölkerung afrikanische Sklaven besass. Allerdings hatten in den Vereinigten Staaten selbst am Höhepunkt der Sklaverei nur 1,6 Prozent der Bevölkerung Sklaven in ihrem Besitz.

Was dem etablierten Geschichtsbild der westlichen Sklaverei noch mehr widerspricht, ist die Tatsache, dass der Sklavenhandel historisch zum ersten Mal im Westen offiziell abgeschafft wurde, von William Wilberforce, einem englischen Politiker und Philanthropen. Daraufhin wurden (vom heutigen Westen) gar Gelder, Ressourcen und sogar Armeen zum Kampf GEGEN die Sklaverei eingesetzt. Trotz dieses weltweit einzigartigen gesellschaftlichen Fortschritts, die eigene Sklaverei zu beenden und die Sklaven in den westlichen Staaten zu emanzipieren, existiert Sklaverei noch heute – allerdings nicht im Westen!

Sklaverei ist heute eine Multi-Milliarden-Dollar-Industrie, laut Experten werden durch Sklavenhandel jährlich über 35 Milliarden Dollar generiert. Die Vereinten Nationen schätzen, dass heute zwischen 27 und 30 Millionen Menschen im modernen Sklavenhandel gefangen sind. Von diesen Sklaven befindet sich die überwiegende Mehrheit in (nicht-christlichen) Ländern der Dritten Welt.

Warum also spricht man heute ausschliesslich über die vergangene Sklaverei des Westens und bürdet dessen Gesellschaft eine unmittelbare und persönliche Schuld für diese Vergehen auf, während heute weltweit Abermillionen Menschen in nichtwestlichen Ländern unter schlimmsten Bedingungen als Sklaven gehalten werden?

Schuldkult Zweiter Weltkrieg

In Deutschland ist es nicht primär die Sklaverei, die ins Spiel gebracht wird, um den abendländischen Schuldkomplex zu fördern. Um die deutsche Bevölkerung zu einer Art dauerhaftem Kniefall für die Sünden ihrer Vorfahren zu bringen, wird die Geschichte der Weltkriege, insbesondere des Zweiten von deutschen Meinungsführern gebetsmühlenartig wiederholt. An diesen Kriegen, so werden Bundeskanzler, Politiker, Medien, aber auch Schulbücher nicht müde zu behaupten, war niemand anderer schuld als Deutschland und seine Bürger. Und obwohl Deutschland heute von vielen als vermeintliches Musterland für Freiheit und Demokratie angesehen wird, gilt die Wiederbetrachtung der deutschen Geschichte als anrüchig, ist zum Teil sogar per Gesetz verboten. Das ist seltsam. Denn wer würde bestreiten, dass man aus der Geschichte nur dann lernen kann, wenn man sie immer wieder betrachtet und analysiert? 

Gerade das Mainstream-Narrativ des Zweiten Weltkriegs wirkt wie der Versuch, ein ganzes Volk als einmalig böse hinzustellen. Im Laufe der Geschichte wurden immer wieder Nationen und Führer verteufelt: Beispiele dafür sind Fälle wie Mao/China, Stalin/Sowjetunion, Saddam Hussein/Irak oder heute Ahmadinedschad/Iran und Putin/Russland. Doch wird in diesen Vergleichsfällen das Volk aussen vor gelassen und es werden ausschliesslich deren Führer verurteilt. Im Gegensatz dazu hat das gesamte deutsche Volk bis heute die alleinige Schuld zu tragen und wird in kollektive Verantwortung für Hitler und die Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg genommen.

Auf dem Titelblatt des Spiegel vom August 2009 zum siebzigjährigen Jahrestag des Beginns des Weltkriegs hiess es beispielsweise nicht etwa „Als 1939 ein Diktator die Welt überfiel“, sondern „Als 1939 ein Volk(!) die Welt überfiel“. Laut Spiegel war dies allein „Der Krieg der Deutschen“. Dazu zeigte das Titelbild nicht Hitler in einer seiner aggressiven Posen, sondern offensichtlich einfache Wehrmachtssoldaten.

„Bösartige Patrioten“

Natürlich lautet das offizielle Narrativ weitgehend, dass der Patriotismus der Deutschen diese Katastrophe verursacht hat. Selbst wenn es so einseitig gewesen wäre: Wie im Falle der Sklaverei rechtfertigt dies nicht, dass kommende Generationen mit der Schuld ihrer Vorfahren dauertraumatisiert werden. Der Zweite Weltkrieg spielt in Deutschland eine wichtigere Rolle als jedes andere geschichtliche Ereignis, aus ihm entstand ein regelrechter medialer Industriezweig, der mit stetig neu erscheinenden Filmen und Büchern nicht aufhört zu florieren. So wird der Zweite Weltkrieg den Deutschen in einem regelrechten Schuldkult unaufhörlich ins kollektive Gedächtnis geprügelt.

Der Zweite Weltkrieg ist besonders wichtig für das Narrativ des bösartigen Patrioten, da laut offizieller Geschichtsversion die Motivation für dieses Verbrechen nicht nur pure Gier gewesen sei, wie im Falle der Sklaverei, sondern vor allem der deutsche Heimatstolz. Die Essenz der Erzählung lautet knapp: Die Liebe der Deutschen zu ihrem Volk und zu ihrer Kultur hat zur grössten Tragödie der Geschichte geführt. Die Botschaft an die junge Generation: Als Deutscher muss man sich für seine Geschichte schämen und die direkte Folge von zu starkem Patriotismus ist häufig Krieg und Massenmord. Auf diese Art wurden nicht nur die Tugenden und Errungenschaften der deutschen Vergangenheit entwertet, es wurde auch ein Keil zwischen jüngere und ältere Generationen getrieben. Alt und Jung identifizieren sich zu wenig miteinander, um noch an einem Strang zu ziehen. Das unsichtbare Band, das die unterschiedlichen Altersgruppen immer zusammenhielt und damit die Stabilität der Gemeinschaft sicherte, scheint zerschnitten. Sobald die Jugend beginnt, nicht mehr zu ihren Vorfahren aufzusehen (Ich-Ideal), bröckelt der Zusammenhalt jeder Gesellschaft. 

Die Rassistenkeule

So werden u.a. der Zweite Weltkrieg und die Sklaverei als erzieherische Schlagstöcke benutzt, um die westliche Gesellschaft mit ewigwährenden Schuldgefühlen zu belegen. Dieser kultivierte Selbsthass kann von denjenigen, die ihn für ihre Zwecke verwenden, mit einer Art Codewort ausgelöst werden: „Rassist“. Dieses Wort ist so machtvoll, dass es fast jeden unzufriedenen westlichen Bürger ruhigstellt, denn nichts ist schlimmer für ihn als das Stigma des Fremdenfeinds. 

„Rassist“ ist das moderne Äquivalent zu „Hexe“. Im Mittelalter reichte schon die Beschuldigung eines einzigen Individuums, man sei eine Hexe, um auf dem Scheiterhaufen zu landen. Heutzutage läuft jeder, der von einer noch so unbedeutenden Person als Rassist bezeichnet wird, Gefahr, gesellschaftlich ausgegrenzt zu werden und sogar seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Genau wie bei der Anschuldigung „Hexe“ hat der vermeintliche Rassist weder eine faire Chance, mit Sachlichkeit zu argumentieren, noch wird ihm überhaupt Gehör geschenkt. Die einzige Möglichkeit, sich von diesem vernichtenden Urteil der Masse zu befreien, ist der sprichwörtliche Kniefall und um Vergebung zu betteln.

Mit dem Wort „Rassist“ wurden viele kritische Geister zu einer Art Schosshund dressiert, der brav sitzt, sobald das Wort gefallen ist. Man hat Angst davor, seine Meinung zu äussern – selbst zu offenkundigen Einwanderungsproblemen, denn niemand will als Rassist gelten.

Der Untergang des Westens?

So gilt es abschliessend nur noch, eins und eins zusammenzuzählen: Ein Volk, das seine Traditionen verachtet und sich selbst mit immerwährender Schuld und Buße für die grössten Verbrechen der Geschichte betrachtet, wird sein kollektives Über-Ich und damit seinen Zusammenhalt verlieren. Ein Volk ohne Zusammenhalt ist brüchig und anfällig für äussere Angriffe. Ausserdem werden mit der Verunglimpfung der eigenen Vergangenheit ebenso die Werte und Normen abgelegt, die den Westen einst gross gemacht haben: Ordnung, Moral, Fleiss, Ausdauer, Familie, Heimatliebe und vieles mehr.

Gleichzeitig wandern jährlich Millionen von Migranten in den Westen ein, die weiterhin eine gemeinsame Kultur und ein Gemeinschaftsgefühl verbindet. Sie wollen ihre religiösen Riten und Traditionen auf keinen Fall ablegen, sondern an ihre Nachfahren weitergeben. Sie bevölkern eigene Gebiete, in denen Personen, die nicht Mitglied ihrer Gruppe sind, ungern gesehen sind.

Zudem weisen sie eine x-fach höhere Geburtenrate auf als die abendländische Heimatbevölkerung. Sie teilen ein gemeinsames Über-Ich, doch leider zu selten auf sittlichen und moralischen Werten basierend: So vertreten sie viele rückständige Werte und Normen (Patriarchat, Rechtlosigkeit von Frauen und Andersgläubigen, archaische Strafnormen etc.), die die westliche Bevölkerung längst abgelegt hat.

Würden sie diese Ideen ablegen und sich ein Über-Ich, ähnlich der westlichen Gesellschaft aneignen, dann würde es sich in der Tat um die viel gepriesene „Integration“ handeln. Doch die hehre Idee eines gesellschaftlichen „Schmelztiegels“ kann nur funktionieren, wenn ein gemeinsames Über-Ich geteilt wird.

Die Realität fällt aber allzu oft gegenteilig aus:

Viele Migranten bleiben unter sich, bewahren ihr altes Über-Ich und handeln als homogene Gruppe, während der Gruppengedanke in der Heimatbevölkerung kaum eine Rolle mehr spielt (und spielen darf!)

Kollektive Apathie

Das verbindende Über-Ich der westlichen Gesellschaft wurde während der letzten Jahrzehnte in perfider Weise manipuliert. Mit dem uralten Bedürfnis, sich um seine Mitmenschen zu kümmern, welches gerade bei ursprünglich nordischen Völkern besonders stark ausgeprägt ist und sie zudem durch ihr christliches Erbe zur Nächstenliebe/Hilfe in Not verpflichtet, wird dem heutigen Westen seit Jahrzehnten sowohl medial als auch auf politischer Ebene die Schuld an aller Not und allem Unrecht in der heutigen Welt gegeben.

In einem Mix von intrinsischer Nächstenliebe/Hilfsbereitschaft und extrinsischer (medial und politischer) Schuldzuweisung/Verantwortlichkeit für alle Not dieser Welt, fühlt sich die westliche Gesellschaft (moralisch – Über-Ich) heute dazu verpflichtet, die eigenen Grenzen für alle Menschen der dritten Welt zu öffnen und diese bedingungslos am eigenen Erfolg teilhaben zu lassen. Was dies für eine Gesellschaft mit einem weltweiten Bevölkerungsanteil von nur noch 8% (verglichen mit 20% anno 1900) und gleichzeitig dramatisch schrumpfender Geburtenrate bedeutet, sollte einem spätestens beim Lesen dieser Zeilen klar werden!

Auch das „Ich-Ideal“ wurde in eine destruktive Richtung pervertiert. Junge Menschen eifern Vorbildern nach, die sich durch äusserst destruktive Eigenschaften auszeichnen. Stars wie Lady Gaga, Katy Perry, Rihanna, Miley Cyrus und unzählige mehr glorifizieren bedingungslosen Egoismus, Gier, Faulheit, Kurzsichtigkeit und puren Hedonismus – kurz Individualismus genannt.

Vakuum der Orientierungslosigkeit

Das Vakuum der Orientierungslosigkeit, das durch fehlende Eltern erzeugt wurde, wird heute mit zersetzenden Ideen gefüllt. Kinder sehen heute das eigene Ich-Ideal ausschliesslich darin, ihren triebhaften Bedürfnissen zu folgen und ihre egoistischen Wünsche zu befriedigen. Diese Reduzierung auf ein primitives, tierisches Bewusstsein setzt keinerlei Kräfte für eine funktionierende Gesellschaft frei.

So entwickelt sich der Westen zu einer Ansammlung von isolierten Einzelpersonen. Westliche Männer setzen die falschen Prioritäten. Sie fühlen sich immer weniger in der Rolle des Versorgers und Beschützers ihrer Nachkommen und fristen vermehrt eine Existenz ohne Familie.

Die ursprüngliche Bevölkerung des Westens löst sich allmählich auf, und damit auch ihr jahrtausendealtes Erbe, für das ihre Vorfahren sich durch tausende kalte Winter kämpften und Dutzende Schlachten gegen feindliche Invasoren schlugen.   

Eine Gruppe, die eine solch extreme Spaltung in sich trägt und gleichzeitig vermehrt darauf verzichtet, ihr Erbe an die nächste Generation weiterzugeben, läuft Gefahr, von einer anderen Gruppe absorbiert zu werden und wird letztendlich verschwinden.

Der Verlust der gemeinsamen Bindung und des gemeinsamen Bewusstseins führt dazu, dass insbesondere muslimische Führer Europa als einen Ort ansehen, der in naher Zukunft reif für die Eroberung durch ihre Kultur wird. Doch die westliche Bevölkerung scheint den alten Römern ähnlich, die auch dann noch weiter feierten, als ihre Städte schon von den Barbaren überrannt wurden. Man ist zu beschäftigt damit, Spass zu haben und seinen egoistischen Trieben zur folgen, um überhaupt zu bemerken, dass die eigene Zivilisation in existenzieller Gefahr schwebt.

Wenn sich das Abendland nicht bald von seiner kollektiven Apathie befreit, wird dies verheerende Konsequenzen nach sich ziehen. Auf diesem eingeschlagenen Pfad werden die Fussspuren unserer westlichen Zivilisation in der Menschheitsgeschichte für immer verwischt werden.

Der Artikel erschien zuerst in der Express-Zeitung Ausgabe 13, Dezember 2017. Jetzt abonnieren:

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