Archäologie: Ältester Beleg für Pfeil und Bogen außerhalb Afrikas

Epoch Times12. Juni 2020 Aktualisiert: 14. Juni 2020 12:28
Ausgerechnet im tropischen Regenwald finden Forscher Belege für die früheste Nutzung von Pfeil und Bogen außerhalb Afrikas. Die Funde zeigen, warum der Mensch bei der Besiedlung der Erde so erfolgreich war.

Im Regenwald von Sri Lanka haben Forscher die ältesten Belege für die Nutzung von Pfeil und Bogen außerhalb Afrikas entdeckt. In der Höhle Fa-Hien Lena im Südwesten der Insel fanden die Archäologen Pfeilspitzen aus Tierknochen. Diese sind etwa 45.000 bis 48.000 Jahre alt.

„Die Brüche an den Spitzen deuten auf eine Beschädigung durch einen starken Aufprall hin. So etwas passiert normalerweise bei der Jagd mit Pfeil und Bogen auf Tiere“, sagt Erstautorin Michelle Langley von der Griffith University in Brisbane.

„Dieser Beleg ist älter als ähnliche Befunde in Südostasien mit einem Alter von rund 32.000 Jahren. Außerdem ist es der derzeit älteste Beweis für den Einsatz von Pfeil und Bogen außerhalb des afrikanischen Kontinents.“

Der bislang früheste Beleg für diese Technik stamme aus Südafrika. Dieser sei etwa 64.000 Jahre alt, sagt Ko-Autor Patrick Roberts vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena.

Interessant sei an den neuen Funden vor allem, dass sie aus dem tropischen Regenwald stammen – und nicht aus offeneren Landschaften wie etwa der Savanne. „Das ist ein Puzzlestück, das uns zeigt, warum unsere Spezies so erfolgreich war: Weil sie in allen Umwelten leben und die Technik an die Gegebenheiten anpassen kann.“

Pfeil und Bogen für die Jagd auf Primaten und Nager

Vermutlich nutzten die Menschen im Regenwald damals Pfeil und Bogen zur Jagd auf baumbewohnende Primaten und Nager, schreibt das Team im Fachblatt „Science Advances“.

Möglicherweise, so Roberts, unterscheide die Pfeil-und-Bogen-Technik den Homo sapiens von seinen nächsten Verwandten wie etwa dem Neandertaler. Diese Jagdtechnik erfordere eine größere Fähigkeit zu abstraktem Denken, da dabei zwei Geräte miteinander kombiniert würden.

In der Höhle fanden die Forscher außerdem Belege für die Herstellung von Perlen aus mineralischem Ocker sowie Werkzeuge zum Fischen und zur Herstellung von Fasern, die die Menschen vermutlich zu Kleidung oder Netzen verarbeiteten.

„Bislang wurde angenommen, dass Kleidung als Schutz vor Kälte entwickelt wurde“, sagt Roberts. „Dass es dafür auch in Sri Lanka Evidenz gibt, deutet darauf hin, dass sie vielleicht auch zum Schutz etwa vor Mücken genutzt wurde.“ (dpa)

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