Vogelfossil aus der Grube Messel
Das außergewöhnlich gut erhaltene Fossil hat in etwa die Größe einer Kohlmeise.Foto: Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt

Grube Messel: Forscher entdecken bislang unbekannte Vogelart

Von 7. Juli 2021 Aktualisiert: 7. Juli 2021 15:37
Gebänderter Schwanz und ein kurzer Schnabel: Bei Grabungen in der Grube Messel (Hessen) haben Wissenschaftler eine bisher unbekannte Vogelart entdeckt. Das Tier gibt ihnen noch Rätsel auf.

Funde von fossilen Vögeln sind im UNESCO-Weltnaturerbe Grube Messel keine Seltenheit. Über 70 Arten und viele hunderte Einzelfunde bargen Forscher bereits aus den etwa 48 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten.

„Der neue, außergewöhnlich gut erhaltene Fund der uns bisher unbekannten Vogelart zeigt, dass wir dennoch weit davon entfernt sind, die Artenvielfalt in der Vogelwelt Messels vollständig erfasst zu haben“, erläutert Dr. Gerald Mayr, Ornithologe am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt in einer Pressemitteilung.

Krokodile, Blumen und Libellen

Das Grabungsteam rund um Dr. Sonja Wedmann von der Senckenberg Forschungsstation Grube Messel hat das kohlmeisengroße Vogelfossil im Juni in den Ölschiefern gefunden.

„Wir freuen uns natürlich über jeden der circa 500 dokumentierten Fossilfunde der diesjährigen Grabung, aber der Vogel ist – neben einigen isolierten Knochenschuppen eines kleinen Krokodils, einer schönen Blüte und einer ungewöhnlich vollständig erhaltenen Libelle – ein echtes Highlight!“, so Grabungsleiterin Wedmann.

„Für eine abschließende Bestimmung des Fossils ist es noch zu früh. Sicher erscheint aber, dass diese Art bislang noch nicht aus Messel bekannt ist“, erklärt Mayr. „Besonders ist das Fossil zum einen durch seine sehr geringe Größe sowie aufgrund des kompakten und kurzen Schnabels und der ungewöhnlich guten Erhaltung des Gefieders.“

Die Bänderung des relativ langen und breiten Schwanzes ist auf eine Überlieferung des dunklen Pigmentes Melanin zurückzuführen. Eine ungewöhnlich gute Weichteilerhaltung ist eine Besonderheit der hessischen Fossillagerstätte.

Die Suche in der Grube Messel geht weiter

Über die Lebensweise des Vogels zu spekulieren, erscheint den beteiligten Forschern noch zu früh. Der Schnabel erscheine zwar „greifvogelartig“, aber die Füße und Krallen des Tieres widersprächen der Annahme. „Wahrscheinlicher ist, dass sich der Vogel von Früchten oder Insekten ernährt hat. Genaueres ist aber erst nach der endgültigen Präparation zu sagen“, fügt Mayr hinzu.

Das Senckenberg-Team wird auch in der zweiten Grabungsrunde im August und September weiter nach Fossilien suchen. Dort wurden in den vergangenen Jahren – neben dem neu entdeckten Vogelfossil – bereits andere außergewöhnliche Fossilien gefunden. Unter ihnen waren beispielsweise ein Urpferdchen oder das, einem Riesen-Eichhörnchen ähnelnde, Nagetier Ailuravus.

(Mit Material der dpa und des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseum Frankfurt)



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