Foto: Justin Sullivan/Getty Images

Die unerklärlichen Fähigkeiten der Tiere

Von 3. September 2010 Aktualisiert: 3. September 2010 17:14

Viele Trainer und Besitzer von Tieren berichten seit etlichen Jahren über verschiedene Wahrnehmungsfähigkeiten ihrer tierischen Weggefährten; dies lässt auf die Existenz ihrer besonderen psychischen Kräfte schließen. Zu diesem Phänomen gibt es bisher erstaunlich wenig Forschung.

Biologen behandeln „das Paranormale“ als Tabuthema und im psychischen Bereich arbeitende Wissenschaftler sowie Parapsychologen haben (mit einigen Ausnahmen) ihre Forschungen auf den Menschen beschränkt.

Laut Befragungen, die in englischen und US-amerikanischen Haushalten durchgeführt wurden, glauben viele Tierbesitzer, dass ihre vierbeinigen Freunde manchmal in telepathischer Verbindung zu ihnen stehen. Durchschnittlich 48 Prozent der Hundebesitzer und 33 Prozent der Katzenbesitzer sagten, dass ihre Haustiere auf ihre Gedanken und unausgesprochenen Befehle reagieren. Viele Trainer von Pferden und Reiter glauben, dass ihre Pferde ihre Absichten telepathisch verstehen.

Manche tierischen Gefährten scheinen sogar zu wissen, wenn eine bestimmte Person anruft, noch bevor der Hörer abgenommen wurde. Zum Beispiel wusste die Ehefrau eines Professors der Universität Berkeley, wenn das Telefon klingelte, dass ihr Mann am anderen Ende war, weil Whiskins, ihre silberne Tabbykatze, zum Telefon stürmte und den Hörer mit ihren Tatzen bearbeitete.

„Oftmals schaffte sie es, den Hörer ‚abzunehmen‘ und freudig zu miauen, was mein Ehemann deutlich am anderen Ende hören konnte“, sagte sie. „Sogar dann, wenn er aus dem Ausland wie Afrika oder Südamerika anrief, reagierte sie so. Wenn aber jemand anderes anrief, ignorierte Whiskins das Klingeln.“

Seit 1994 habe ich mit Hilfe von Hunderten Tiertrainern, Schäfern, blinden Menschen mit Blindenhunden, Tierärzten und Tierhaltern einige dieser unerklärlichen Fähigkeiten von Tieren untersucht. Es gibt drei Hauptkategorien dieses mysteriösen Wahrnehmungsvermögens: Die Telepathie, den Sinn für die Richtung und die Fähigkeit, kommende Ereignisse vorauszuahnen.

Telepathie

Die bekannteste Art einer anscheinend telepathischen Reaktion ist die Vorahnung von Hunden und Katzen, dass ihr Besitzer nach Hause kommt bzw. weggehen wird oder dass sie gefüttert werden. Es gibt Katzen die verschwinden, wenn ihr Besitzer sie zum Tierarzt bringen möchte und Hunde, die es wissen, wenn ihre Herrchen vorhaben, sie auf einem Spaziergang mitzunehmen; außerdem sind manche Tiere erregt, wenn ihr Besitzer anruft, noch bevor der Hörer abgenommen wurde.

Es ist erstaunlich, wie Tauben Jahr für Jahr immer wieder zum selben Platz zurückfinden.Es ist erstaunlich, wie Tauben Jahr für Jahr immer wieder zum selben Platz zurückfinden.Foto: Stan Honda/Getty Images

Skeptiker weisen mit Recht darauf hin, dass manche Reaktionen durch Routine, unbewusst wahrgenommene Signale, Zufall, selektive Erinnerung oder als reines Phantasieprodukt der Tierbesitzer erklärt werden können. Das sind vernünftige Hypothesen, die aber ohne Beweise nicht akzeptiert werden sollten. Um diese Möglichkeiten zu überprüfen, ist die Durchführung von Experimenten notwendig.

Meine Kollegen und ich konzentrierten sich dabei auf das Phänomen, dass Hunde wissen, wann ihr Besitzer nach Hause kommt. Viele Halter haben beobachtet, dass ihre Tiere anscheinend die Ankunft eines Familienmitgliedes vorhersehen können, oftmals zehn Minuten im Voraus.

Die Tiere warten typischerweise am Eingang, einem Fenster oder am Tor. Bei Stichprobenuntersuchungen in Haushalten Großbritanniens und Amerikas sagten 51 Prozent der Hundebesitzer und 30 Prozent der Katzenbesitzer aus, dass sie ein solches Verhalten bemerkt hätten.

Der Hund, den ich am detailliertesten untersuchte, war ein Terrier namens Jaytee, der Pam Smart in Ramsbottom, nahe Manchester, England, gehörte. Pam holte Jaytee im Jahr 1989 aus dem Tierheim in Manchester,  als er noch ein Welpe war, und bald bildete sich eine starke Bindung zu ihm.

Tierhalter haben beobachtet, dass ihre Tiere die Ankunft eines Familienmitgliedes anscheinend vorhersehen können, oftmals zehn Minuten im Voraus.Tierhalter haben beobachtet, dass ihre Tiere die Ankunft eines Familienmitgliedes anscheinend vorhersehen können, oftmals zehn Minuten im Voraus.Foto: Christopher Furlong/Getty Images

Im Jahr 1991, als Pam  Sekretärin in einer Schule in Manchester war, blieb Jaytee immer daheim bei ihren Eltern. Diese bemerkten, dass der Hund fast jeden Wochentag um 16:30 Uhr zur Verandatür ging, genau zu der Zeit, als sich Pam auf den Weg nach Hause machte. Dort wartete er ca. 45 Minuten bis zu ihrer Ankunft. Sie hatte feste Bürozeiten, weswegen die Familie davon ausging, dass Jaytees Verhalten eine Art Zeitsinn zugrunde lag.

Pam wurde 1993 entlassen und war anschließend arbeitslos und bei ihren Aktivitäten nicht länger an feste Zeiten gebunden. Ihre Eltern wussten gewöhnlich nicht, wann sie nach Hause kommen würde; aber Jaytee konnte wie früher ihre Ankunft „vorhersehen“ und erwartete sie.

1994 las Pam einen Artikel über meine Forschungen und meldete sich, um daran teilzunehmen. In mehr als 100 Experimenten nahmen wir den Bereich am Fenster, wo Jaytee während Pams Abwesenheit wartete, mit Video auf, um eine kontinuierliche zeitlich nachvollziehbare Aufzeichnung seines Verhaltens zu erhalten. Diese wurde in einer Blindstudie von einer dritten Partei, die die Details des Experiments nicht kannte, ausgewertet.

Um zu überprüfen, ob Jaytee nicht auf das Geräusch von Pams Auto oder anderer Fahrzeuge der Familie reagierte, untersuchten wir, ob er trotzdem die Ankunft erahnen konnte, wenn sie andere Fortbewegungsmittel wie ein Fahrrad, den Zug oder das Taxi nutzte. Er schaffte es.

Auch führten wir Experimente durch, bei denen Pam zu festgelegten Zeiten nach Hause aufbrach; wir standen mit ihr per Funk in Kontakt. Bei diesen Experimenten wartete Jaytee weiterhin ab der Zeit am Fenster, zu der sich Palm aufmachte, obwohl niemand zu Hause wusste, wann sie ankommen würde.

Die Möglichkeit, dass sich dieser Effekt rein zufällig ereignete, war 100.000 zu eins. Jaytee verhielt sich so, als ob er wiederholt von Skeptikern getestet würde und Angst hätte, dass seine Fähigkeiten nicht anerkannt werden könnten.

Die Fakten lassen erkennen, dass Jaytee auf Pams Vorhaben, nach Hause zu kommen reagierte, auch wenn diese viele Meilen entfernt war. Die einzige Hypothese, um diese Fakten zu erklären, schien Telepathie zu sein. (Alle unsere publizierten Berichte über Jaytee und einen anderen Hund mit der gleichen Fähigkeit, Kane, können Sie auf meiner Webseite finden.)

 

Rupert Sheldrake ist der Direktor des Perrott-Warrik Projektes, das vom Trinity College in Cambridge finanziert wird. Er studierte am Clare College in Cambridge und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Royal Society. Aktuell ist er Mitarbeiter des Instituts für Noetische Wissenschaften in Petaluma, Kalifornien, und lebt in London. Viele seiner Studien über die unerklärlichen Fähigkeiten von Tieren und Menschen sind in seinen Büchern „Dogs That Know When Their Owners Are Coming Home, and Other Unexplained Powers of Animals,“ and „The Sense of Being Stared At, and Other Aspects of the Extended Mind“ zusammengefasst.

Seine Webseite ist www.sheldrake.org

Fortsetzung folgt…

Originalartikel auf Englisch: The Unexplained Powers of Animals

Foto: Justin Sullivan/Getty Images


Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion