Eine Fledermaus auf allen Vieren: Neuseelands ungewöhnlichste Riesenfledermaus

Epoch Times13. Januar 2018 Aktualisiert: 9. August 2018 10:45
Auf Neuseeland ist das Fossil einer Millionen Jahre alten und mittlerweile ausgestorbenen Riesenfledermaus entdeckt worden. Diese merkwürdige Riesenfledermaus ist völlig anders als alle Fledermäuse, die heutzutage in Neuseeland leben.

Für viele Menschen sind sie schaurige Kreaturen, vor denen man sich fürchtet, wenn sie einem in der Nacht begegnen. Die meisten in Deutschland beheimateten Fledermausarten erreichen eine Flügelspannweite von 15 cm und wiegen durchschnittlich nur 2 Gramm! Erst während der Morgen- und Abenddämmerungen begeben sie sich auf die Suche nach Nahrung, die sie während des Fluges fangen.

Doch wer nun denkt, dass Riesenfledermaus aus Neuseeland ähliche Verhaltensmuster aufwies, der liegt falsch.

Sie pflegte einen untypischen Lebensstil

Laut Angaben der Forscher wurden die Zähne und Knochen des Tieres aus 16 bis 19 Millionen Jahre alten Bodensedimenten nahe dem Ort St. Bathans geborgen. Das Tier konnte fliegen und auch auf allen vieren nach Futter suchen, berichteten sie im Fachmagazin „Scientific Reports“.

Im Gegensatz zu den heute bekannten Fledermäusen pflegten sie einen eher untypischen Lebensstil. Statt ihre Nahrung im Flug zu fangen oder Nektar aus Blüten zu schlürfen, krabbeln sie auf allen vieren durch das Laub und über Äste. So sammelten sie kleine Insekten sowie pflanzliche Nahrung.

Mit ihrem geschätzten Gewicht von 40 Gramm sei sie die größte bislang bekannte grabende Fledermaus. Sie ist dreimal größer als durchschnittliche Exemplare. An der Expedition waren auch Forscher der Universität von Salford (Großbritannien) beteiligt.

Der Fund unterstreiche die Artenvielfalt, die im urzeitlichen Neuseeland und gerade in der Gegend um St. Bathans sowie um den prähistorischen See Manuherikia geherrscht habe. Zu dieser Zeit herrschte in dem Gebiet ein subtropischem Klima, das ideale Bedingungen für die Fledermäuse bot.

Verwandte Arten leben noch heute in Neuseeland

Grabende Fledermäuse existieren heutzutage nur noch in Neuseeland. Das fossile Exemplar gehörte zu einer Gruppe von Fledermäusen, die einst in einem Raum vom südlichen Australien und Neuseeland bis hin nach Südamerika und möglicherweise auch in der Antarktis vorkamen.

Diese Gebiete hätten vor etwa 50 Millionen Jahren zum Großkontinent Gondwana gehört. Nach dessen Auseinanderbrechen seien die Fledermäuse in Australien und Neuseeland von denen in Südamerika getrennt worden.

Klimaveränderungen führten zum Aussterben der Art

Die subtropischen Fauna rund um den prähistorischen Manuherikia-See erlebte vor 14 Millionen Jahren starke Klima- und Umweltveränderungen. So kam es zu einer deutlichen globalen Abkühlung, die den See austrocknen ließ. Im Zuge der Abkühlung und dem Verschwinden des Sees starben viele Tier- und Pflanzenarten für immer aus, unter ihnen auch die Riesenfledermaus.

Die neu entdeckte Art wurde Vulcanops jennyworthyae genannt – nach seiner Finderin Jenny Worthy, sowie dem historischen „Vulkan“-Hotel in St. Bathans und nach Vulcanus, dem römischen Gott des Feuers. Wissenschaftler aus Australien, Neuseeland, Großbritannien und den USA hatten an den Ausgrabungen teilgenommen.

„Diese merkwürdige fossile Fledermaus ist völlig anders als die Fledermäuse, die heutzutage in Neuseeland leben“, sagte Robin Beck von der Universität Salford. „Das zeigt, dass uns ein großer Teil ihrer Evolutionsgeschichte fehlt. Ich glaube, wir können in Zukunft noch mehr Überraschungen von diesem Fundort erwarten“. (dpa)

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN