Lernen mit der Lustformel: „Willkommen bei Dr. Psych’s Psychopathologie“

Von 25. September 2014 Aktualisiert: 25. September 2014 21:36
„Hallo, ich bin Dr. Psych, Ihr Mentor, der Sie mit Spaß und Lust durch das komplexe und manchmal schwer durchschaubare Gebiet der Psychopathologie, Psychologie und Psychotherapie begleitet.“ Dr. Psych ist …

„Hallo, ich bin Dr. Psych, Ihr Mentor, der Sie mit Spaß und Lust durch das komplexe und manchmal schwer durchschaubare Gebiet der Psychopathologie, Psychologie und Psychotherapie begleitet.“ Dr. Psych ist eine heitere Comic-Figur für eine wissenschaftliche und erlebnisreiche Reise durch die Psyche. Und wer so beginnt, seine Leserinnen und Leser anzusprechen, dem wird man wohl auch mit Lust folgen, wenn er sagt: „Mein Motto dabei lautet: Es gibt nichts, das man nicht verstehen kann!“

Dr. Psych’s Psychopathologie ist ein faszinierendes Nachschlagewerk, das keine Grundkenntnisse voraussetzt und dem Gehirn nicht nur trockenen Lernstoff, sondern auch Abwechslung, Spaß, Unterhaltung und sogar Phasen der Entspannung bietet.

Dr. Psych führt auf fast 2.000 Seiten in zwei Bänden auf eine spannende Reise durch die menschliche Seele. Dr. Sandra Maxeiner hat zusammen mit Hedda Rühle ein Kompendium verfasst, das seinesgleichen sucht.

Roland R. Ropers sprach mit Dr. Sandra Maxeiner in Berlin.

Roland R. Ropers: Den beiden Autorinnen zunächst meine Bewunderung, das sehr komplexe medizinische Gebiet so geordnet, übersichtlich und lesefreudig darzustellen. Ein vergleichbares Werk sucht man vergeblich. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, hier eine wichtige Lücke zu schließen?

Dr. Sandra Maxeiner: Zunächst: Danke für Ihr Kompliment. Wir freuen uns sehr, dass es offenbar immer mehr Menschen gibt, die sich für die Hintergründe psychischer Probleme, Störungen und Krankheiten interessieren. Oftmals möchten sie wissen, was die Betroffenen selbst tun können und welche Behandlungsmöglichkeiten Ärzte, Diplom-Psychologen bzw. Psychotherapeuten bieten.

Von Anfang an war es unser Ziel, diese Themen einfach, klar und anschaulich darzustellen und zu erläutern. Unsere Nachschlagewerke „Dr. Psych’s Psychopathologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie“ sollen eine Informationslücke schließen und erreichen, dass sich künftig mehr Menschen mit psychischen Krankheiten beschäftigen und dass sowohl Betroffene als auch Angehörige hilfreiche Informationen finden.

Wissenschaftlich fundiert und gleichermaßen charmant, unterhaltsam und manchmal mit einem kleinen Augenzwinkern klärt unsere „Kultfigur“ Dr. Psych auf und baut Berührungsängste ab, indem er psychische Krankheiten allgemein verständlich beschreibt.

Ropers: Wie viel Material haben Sie studieren und sichten müssen in der Vorbereitungsphase? Wie lange haben Sie an dem zweibändigen Werk gearbeitet?

Sandra Maxeiner: Da wir den Anspruch hatten, den neuesten Stand der Wissenschaft darzustellen, mussten wir Unmengen von Fachartikeln, psychologischer Fachliteratur, Studien sowie die diagnostischen Manuals und Standardlehrbücher der Psychopathologie durcharbeiten. Hinzu kamen etliche Gespräche mit psychisch kranken Menschen, Beispiele aus der Praxis sowie Filme und Romane, die sich mit psychischen Krankheiten beschäftigen. Insgesamt haben wir fünf Jahre an unserem Herzensprojekt gearbeitet und geschrieben – und das mit sehr viel Freude und Spaß.

Das positive Feedback, das wir immer wieder bekommen, freut uns umso mehr. Inzwischen werden die Dr. Psych-Bände nicht nur für Ausbildung angehender Heilpraktiker eingesetzt, sondern auch in Gymnasien und von Dozenten bei Fortbildungen benutzt. Das didaktische Konzept der Bücher stimmt offenbar. Selbst interessierte Laien verschlingen die Bücher geradezu. Manche sagen: „Es liest sich ja fast wie Roman!“

[–Das Lehrbuch mit der Lustformel–]

Ropers: Sie schreiben von dem Lehrbuch mit der Lustformel. Worin sehen Sie den wichtigen Aspekt der Lust?

Sandra Maxeiner: Die Aussicht darauf, Lust zu empfinden, ist doch immer eine hervorragende Motivation. Wer kann dazu schon Nein sagen? Aber mal im Ernst: Die Menschen sind doch alle ständig auf der Suche, nicht nur nach Lust. Sie streben nach Glück in der Liebe, wollen aber auch Erkenntnisse gewinnen. Sie wollen verstehen, wer sie sind, was sie antreibt, und warum und vor allem, wofür sie leben.

All diese Fragen konnten wir natürlich nicht in unseren Büchern beantworten. Wir haben uns auf die psychologische Erklärung des „Wer sind wir?“ bzw. „Wie funktionieren wir?“ beschränkt und die Frage „Was macht unsere Psyche eigentlich krank?“. Es geht also um die Lust an der Erkenntnis. Denn dass Erkenntnis Lust macht, ist längst bewiesen: Lernen und Verstehen können glücklich machen wie guter Sex, sagt die Hirnforschung. Die Bücher sind genau das Richtige für Lernende, für Betroffene, für Angehörige und für die, die einfach Spaß am Entdecken neuer Erkenntnisse und Welten haben.

Ropers: Können Sie nachvollziehen, dass es geistige Erkrankungen nicht geben kann, sondern nur psychische (seelische)? Warum wird auf diesen Unterschied nicht genügend hingewiesen?

Sandra Maxeiner: Ja, das ist nachvollziehbar. Es hängt zusammen mit der Verwendung des Begriffs „geistig“, wie er in der Psychiatrie gebraucht wird. Auch wir sprechen in unseren Lehrbüchern von psychischen (seelischen) Erkrankungen. Die WHO verwendet den Begriff der geistigen Behinderung lediglich für Intelligenzminderung, d. h. für Menschen, die Probleme haben, neue oder komplexe Informationen zu verstehen oder Neues zu lernen und anzuwenden. Menschen also, die nur eingeschränkt ein eigenständiges Leben führen können.

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Insoweit hätte der Begriff „geistige Erkrankung“ immer den Beigeschmack, dass es um Menschen geht, die eine verminderte intellektuelle Fähigkeit haben. Deshalb sollte man diesen Begriff nicht mit einer psychischen Erkrankung gleichsetzen. Eine Unterscheidung ist wichtig, insbesondere um psychisch kranke Menschen nicht zusätzlich zu stigmatisieren.

Genau das wollen wir verhindern: Wir wollen informieren, um Berührungsängste abzubauen und dazu beizutragen, dass psychisch kranke Menschen künftig nicht (mehr) an den gesellschaftlichen Rand gedrängt werden. Es ist wichtig, dass Menschen ihre Vorurteile hinterfragen und sich bemühen, psychisch Kranken offen und angstfrei zu begegnen,  um ihnen die Sorge zu nehmen, aussortiert zu werden und zu einer sozialen Randgruppe zu gehören. Wer kann sich zudem ganz sicher sein,  ob er nicht selbst auch einmal betroffen sein könnte?

Ropers: Inwieweit ist der Bereich Psyche & Krankheit ein lukratives Geschäftsmodell geworden?

Sandra Maxeiner: Ich bin nicht sicher, ob man hier von einem lukrativen Geschäftsmodell sprechen kann. Fakt ist, dass psychische Krankheiten zunehmen. Jeder dritte Deutsche leidet im Laufe seines Lebens an einer oder mehreren psychischen Störungen – so lautet die erschreckende Bilanz des Psycho-Moduls des Deutschen Gesundheitssurveys aus dem Jahr 2012.

Überraschenderweise sind insbesondere junge Menschen betroffen. Am häufigsten finden sich Angststörungen, Alkoholmissbrauch, Depressionen, Zwangsstörungen und psychosomatische Störungen ohne Organbefund, sogenannte somatoforme Störungen. In Anbetracht dieser Fakten erstaunt es, dass es so viele Vorbehalte und Vorurteile gegenüber psychisch Kranken gibt, denen oftmals unterstellt wird, etwa unberechenbar, labil oder gar gefährlich zu sein.

Darauf ist auch zurückzuführen, dass sich viele Betroffene schämen und schweigen, statt sich psychologische Hilfe zu suchen. Mit „psychischen Krankheiten“ lässt sich daher meines Erachtens kein Geschäft machen.

Ropers: Die Zahl der Heilpraktiker für Psychotherapie wird immer größer. Ist es noch verantwortlich, wenn Menschen ohne genügend tiefgreifende Ausbildung und Erfahrung beruflich aktiv werden, um ihr Helfersyndrom zu befriedigen?

Sandra Maxeiner: Ich bin überzeugt, dass nicht alle Heilpraktiker ein Helfersyndrom haben, wie es die Frage impliziert. Doch ich stimme Ihnen zu, dass es wünschenswert wäre, wenn es einheitliche Ausbildungsrichtlinien, Qualitätsstandards und Prüfungsverfahren gäbe. Unter Umständen könnte eine stärkere staatliche Regulierung dazu beitragen, dass es für Klienten, Therapeuten sowie andere Berufsgruppen eindeutig erkennbar wird, um welche Art der Qualifikation es sich beim Inhaber der Bezeichnung „Heilpraktiker für Psychotherapie“ handelt.

Bis es soweit ist, ist es wichtig, ein exzellentes und standardisiertes Lehrmaterial zu nutzen, das Qualitätsmaßstäbe setzt. Auch um diese Lücke zu schließen, haben wir unsere Dr. Psych-Lehrbücher geschrieben.

[–Alzheimer eine Abwehrhaltung?–]

Ropers: Ist die Alzheimer-Erkrankung, die gewaltig im Vormarsch ist, nicht möglicherweise auch eine psychische Abwehrhaltung gegenüber der Überforderung durch Konsum und Medien?

Sandra Maxeiner: Eine interessante These. Bis heute sind die Ursachen für die Alzheimer-Krankheit noch unzureichend erforscht ist. Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht neue Studien zur Ursachenforschung veröffentlicht werden. Erst jüngst haben Forscher herausgefunden, dass auch die Verordnung von Schlafmitteln, sogenannte Benzodiazepine, mit einer erhöhten Rate von Demenzerkrankungen einhergehen kann.

Die meisten Demenzen jedoch sind primär degenerativ, d. h. sie entstehen im Gehirn selbst und es sind keine Ursachen außerhalb des Gehirns bekannt, die die

Erkrankung ausreichend erklären. Die häufigste Erkrankung dieser Art ist die Alzheimer-Demenz. Sie führt zur Hirnatrophie (griechisch: „a“ weg, „trophe“ Nahrung – Fehlen der Ernährung) mit einem langsam fortschreitenden Untergang von Nervenzellen.

Im Gehirn von Alzheimer-Kranken lassen sich typische Eiweißablagerungen (Amyloid-Plaques) nachweisen. Im Vordergrund bei der Entstehung dieser Erkrankung stehen also eindeutig organische Faktoren. Allerdings hat die „Nonnen-Studie“ des Neurologen David Snowdon von der Universität Kentucky aus den 1990er Jahren mit 678 Frauen im Alter von 75 bis 106 Jahren gezeigt, dass die Menge an Amyloid-Plaques im Gehirn wenig Rückschlüsse auf die kognitive Leistungsfähigkeit zulässt.

Etwa ein Drittel der Nonnen mit postmortal deutlich nachweisbarer Alzheimer-Neuropathologie wiesen zu Lebzeiten keine Demenzsymptome auf. Umgekehrt waren manche Nonnen dement, hatten aber keine krankhaften Ablagerungen im Gehirn. Damit ist die Plaque-Theorie zumindest in Frage gestellt. Klar ist jetzt: Es müssen noch andere Faktoren bei der Entstehung der Alzheimer-Demenz eine wesentliche Rolle spielen.

Es scheint, dass sowohl gefestigte soziale Bindungsstrukturen, eine reizfreie, von weltlichen Versuchungen wenig beeinflusste Lebensweise und fortwährende geistige Beschäftigung mit weniger Risiko an Alzheimer zu erkranken einhergehen. Im Umkehrschluss würde das bedeuten, dass Stress, unsere hektische Gesellschaft, die Überforderung im Alltag zusätzliche Faktoren sein könnten, die die Erkrankung begünstigen.

[–Die Wunschvorstellung der "gesunden" Gesellschaft–]

Ropers: Ist die Anzahl der inzwischen verfügbaren Diagnosen im Bereich „Psyche“ nicht beängstigend hoch? Wird nicht jede kleinste seelische Störung zu schnell als abnorm eingestuft, damit das Seelen-Geschäft nicht in eine Wirtschaftskrise gerät?

Sandra Maxeiner: Ja, es ist richtig, die Inflation psychiatrischer Diagnosen wird breit kritisiert. Es gibt inzwischen eine große Anzahl verfügbarer Diagnosen psychischer Störungen, und die Definition psychischer Erkrankungen ist häufig eine Gratwanderung. Nach bestimmten Kriterien werden Grenzen gesetzt; wer darunter liegt, gilt als normal, wer darüber liegt, als gestört. Die Schwelle, ab wann Symptome als Ausdruck einer psychischen Erkrankung bezeichnet werden, sinkt.

Möglicherweise werden in einigen Fällen psychische Erkrankungen auch zu schnell und zu häufig diagnostiziert. So sind gerade Burnout, Depression und ADHS heutzutage fast schon inflationär gebrauchte Diagnosen für psychische Erkrankungen und damit verbundene Krankschreibungen. Fakt ist jedoch, dass wir nicht mehr psychiatrische Diagnosen brauchen, sondern dass wir uns vielmehr und viel früher um Menschen mit psychischen Problemen kümmern müssten.

Die Betroffenen brauchen schnelle, unbürokratische Hilfe. In diesem Zusammenhang ist eher die Versorgungslücke in der Therapie psychisch Kranker ein Problem. Letzteres hat zumindest die Deutsche Gesundheitssurvey herausgefunden.

Ropers: Wie stellen Sie sich eine „gesunde“ Gesellschaft vor, die leistungsstark und lebenstüchtig ist?

Sandra Maxeiner: Die „gesunde“ Gesellschaft ist eine schöne Wunschvorstellung. Doch meines Erachtens sind wir heute mehr denn je davon entfernt. Wir leben in einer egozentrierten Gesellschaft. Papst Franziskus wies zu Recht auf das Thema Bescheidenheit hin. Denn die Bescheidenheit ist eine Haltung, die bei all dem Überfluss und dem ständigen Bedürfnis nach Konsum und individueller Verwirklichung, das uns beherrscht, nahezu in Vergessenheit geraten ist.

Wenn über eine gesunde Gesellschaft gesprochen wird, sind daher u.a. Verzicht, Zurückhaltung und Respekt Werte, die es wiederzuentdecken gilt. Das bedeutet etwa auch Mäßigung in der Selbstinszenierung und eine veränderte Selbstwahrnehmung. Wir sollten uns mehr auf Werte besinnen, die dazu beitragen, dem Ideal einer „gesunden“ Gesellschaft ein Stück näher zu kommen.

Dies setzt auch voraus, dass die Menschen, die schwach, hilfsbedürftig oder krank sind, nicht länger als Menschen zweiter Klasse betrachtet werden. Wer sich traut, offen über seine psychische Erkrankung zu sprechen, dem wird zwar offiziell auf die Schulter geklopft, doch hinter vorgehaltener Hand wird getuschelt – ein Prozess, der für psychische kranke Menschen meist mit Rückzug und Isolierung endet.

Es ist Zeit für Veränderung: Helfen statt Ausgrenzen – so sollte das Motto einer „gesunden“ Gesellschaft lauten.

Dr. Psych

Sandra Maxeiner, in Jena geboren,  studierte Betriebswirtschaftslehre und promovierte in Politik- und Sozialwissenschaften. Sie absolvierte anschließend Ausbildungen zur Heilpraktikerin für Psychotherapie und zum Coach und ist als ehrenamtliche Hospizhelferin tätig. Zudem ist sie Geschäftsführerin eines mittelständischen Unternehmens in Berlin.

Hedda Rühle, geboren  in Berlin, Krankenschwester, Diplom-Psychologin, 
1989 -1994 Ausbildung in Integrativer Psychotherapie am Fritz Perls Institut, kontinuierlich Fortbildungen im Familienstellen. 1993 Zulassung zur Ausübung der Heilkunde (Psychotherapie), seitdem psychotherapeutische und beratende Tätigkeit in freier Praxis. Seit 1995 Dozentin für Pflegeberufe, langjährige Tätigkeit als Dozentin im Ausbildungsgang „Psychologischer Berater und Psychotherapie" an der Deutschen Paracelsus-Schule Berlin.

Foto: Cover JERRY Media Verlag

 Sandra Maxeiner und Hedda Rühle

Dr. Psych’s Psychopathologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie

Band 1 944 Seiten

Jerry Media Verlag AG;1. Aufl. 2014 (31. Januar 2014)

ISBN-10: 3952367206; 59,95 Euro

Band 2 944 Seiten

Jerry Media Verlag AG; 1. Aufl., 2014 (23. Januar 2014)

ISBN-10: 3952367214; 59,95 Euro

Dr. Psych’s Prüfungsvorbereitung Heilpraktiker Psychotherapie

425 Seiten

Verlag: Jerry Media Verlag AG

ISBN-10: 3952367222

39,95 Euro

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