Nicht Temperatur, sondern Luftfeuchtigkeit beeinflusst Ansteckung: COVID-19 wahrscheinlich saisonale Krankheit

Von 4. Juni 2020 Aktualisiert: 4. Juni 2020 14:40
Niedrige Luftfeuchtigkeit in kalten Monaten trägt zu einer schnelleren Verbreitung des Virus bei: Dies veröffentlichte ein internationales Forschungsteam aus Australien und China in einer Studie im Fachjournal "Transboundary and Emerging Diseases". Aufgrund der Ergebnisse gehen die Forscher von einer saisonalen Krankheit aus.

Wenn die Luftfeuchtigkeit um ein Prozent sinkt, steigen die COVID-19 Infektionen um sechs Prozent. Dies berechneten Forscher der University of Sydney. Professor und Epidemiologe Michael Ward, Erstautor der im Mai 2020 erschienen Studie, sagt dazu:

COVID-19 ist wahrscheinlich eine saisonale Krankheit, die bei niedriger Luftfeuchtigkeit wiederkehrt. Der Winter könnte COVID-19 Zeit bleiben“.

In der geprüften Studie präsentiert das Forschungsteam der University of Sydney und  Fudan University School of Puplic Health in Shanghai Ergebnisse über Zusammenhänge des Klimas und COVID-19. Dabei fokussierten sie sich auf die Virusausbreitung in Australien, wo gerade Sommer beziehungsweise Anfang Herbst ist, im Vergleich zur Ausbreitung in den Wintermonaten in China, Europa oder Amerika.

Die Forscher untersuchten 749 Fälle zwischen dem 26. Februar und 31. März und verglichen Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Regenmenge mithilfe von Daten der Wetterstationen, die in unmittelbarer Nähe der Wohnorte der infizierten Personen waren.

Dabei zeigte sich, dass vor allem durch niedrige Luftfeuchtigkeit die Zahl der Ansteckungen um bis zu 6 Prozent stieg. Temperatur allein hatte nur wenig Einfluss auf die Virusausbreitung.

Wie die Luftfeuchtigkeit die Virusausbreitung beeinflusst

Laut der Studie beeinflusst die Luftfeuchtigkeit die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus deutlich. Dies liegt daran, dass die Größe der Aerosole beeinflusst wird. Aerosole sind feine flüssige Schwebeteilchen, die für längere Zeit in der Luft verbleiben, wenn eine Person niest oder hustet. Ist die Person infiziert, bleiben so auch die Viren – in Aerosolen verpackt – in der Luft.

„Wenn die Luftfeuchtigkeit niedrig ist, ist die Luft trockener, dadurch sind die Aerosole kleiner“, sagt Professor Ward. „Wenn man niest oder hustet, können diese kleineren infektiösen Aerosole länger in der Luft bleiben. Dadurch steigt die Zeit, in der andere Menschen ihnen ausgesetzt sind. Wenn die Luft jedoch feucht ist, sind die Aerosole größer und schwerer, sie fallen schneller zu Boden“, so der Epidemiologe.

Besonders im Winter ist die Luftfeuchtigkeit niedrig. Allerdings ist, laut den Studienergebnissen, auch ein Risiko im Sommer möglich, sobald die Luftfeuchtigkeit sinkt. Vor allem in der nördlichen Hemisphäre tritt niedrige Luftfeuchtigkeit auch über die Sommermonate auf.

Bei einem trockenen Winter ist Vorsicht geboten

Professor Ward sagt, dass vor allem in einem trockenen Winter Vorsicht geboten sei. „Obwohl die COVID-19 Fälle in Australien gesunken sind, müssen wir trotzdem aufmerksam sein und das Gesundheitssystem muss sich dem steigenden Risiko bei einer Phase der geringen Luftfeuchtigkeit bewusst sein“, so der Forscher.

In Australien ist die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit, anders als auf der nördlichen Hemisphäre, im August am niedrigsten. Das Forschungsteam plant diesbezüglich weitere Studien in den nächsten Monaten.

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