Zombies: Untote unter Drogen – so erklärt die Wissenschaft Voodoo-Opfer

Von 17. November 2014 Aktualisiert: 17. November 2014 17:50

Im Jahr 1962 „starb“ in Haiti ein Mann namens Clairvius Narcisse und wurde von seiner Familie begraben. Achtzehn Jahre später tauchte er wieder in seinem Heimatort auf und sagte zu seiner Schwester: „Ich bin dein verstorbener Bruder.“ Wie war denn das zu erklären?

Die Haitianer haben eine Voodoo-Kultur und glauben an Zombies – Untote, denen die Seele gestohlen wird, und die deshalb keine Ruhe finden. Narcisse war jedoch keineswegs ein Wiedergänger aus dem Jenseits – seine Geschichte war komplett real: Er war das Opfer eines Voodoo-Zauberers geworden, der sich einer bestimmten Droge bedient hatte, um ihn zu betäuben. Narcisse war zwar für tot erklärt und begraben worden, aber überhaupt nicht gestorben. Die Familie hatte lediglich mitbekommen, dass jemand kurz nach der Beerdigung sein Grab gestört hatte, aber nicht gemerkt, dass Narcisse von seinem Peiniger aus dem Sarg geholt worden war.

Der erste wissenschaftlich anerkannte „Zombie“

Der Harvard-studierte Ethnobotanist Dr. Wade Davis erklärte den Fall 1986 im kanadischen Rundfunk CBC wie folgt: Narcisse sei mit Hilfe von Tetrodotoxin in einen komatösen Zustand versetzt worden. Dieses Nervengift aus Kugelfischen ist 160.000 mal stärker als Kokain. Es genüge bereits, es in aufgeschürfte Haut einzureiben. Nachdem er ihn aus dem Sarg geholt habe, habe der Voodoo-Priester eine weitere halluzinogene Droge verwendet, um Narcisse in willenloser Trance und als Plantagen-Sklaven zu halten. Es handelte sich dabei um Datura stramonium, zu deutsch Stechapfel.

Zwei Jahre nachder er Narcisse entführt hatte, starb der Voodoo-Priester und sein Sklave war wieder frei. Trotzdem dauerte es weitere 16 Jahre, bis dieser zu seiner Familie zurückfand.

Die Dorfbewohner erkannten den 1922 geborenen Mann sofort wieder. Als er ihnen erzählte, wie er bei vollem Bewusstsein für tot erklärt, begraben und wieder ausgebuddelt worden war, waren sie überrascht, akzeptierten die Geschichte jedoch, weil sie sich das ganze durch Voodoo-Zauber erklären konnten. Er wurde dann als "Mann der einst ein Zombie war“ betrachtet.

1980 bezeichneten die Wissenschafler Dr. Lamarque Douyon und Dr. Nathan Klein den Fall Clairvius Narcisse als ersten bestätigten Fall von „Zombietum“. Die Sache war für die Wissenschaft umso verstörender gewesen, dass der „Tod“ von Narcisse akkurat belegbar und sogar von zwei amerikanischen Ärzten festgestellt worden war. Einige Jahre später untersuchte Dr. Davis in Haiti die Pflanzengifte, welche benutzt worden waren, um Narcisse und einige weitere Personen in „Zombies“ zu verwandeln.

Placebo-Effekt mit Halluzinogenen

Davis hätte selbst nicht gedacht, dass Zombies real sein könnten, doch nach dem er die Wirkungsweise von Tetrodotoxin und die haitianische Kultur studiert hatte, wusste er es besser: Der kulturell verankerte Glaube an Zombies spiele eine große Rolle, meinte er. Dabei sei das Thema hochsensibel, denn die haitianische Voodoo-Kultur und ihr Zombie-Glaube würden meist falsch verstanden, speziell da das Thema Zombies nur einen Bruchteil, aber nicht den Kern des Voodoo ausmache.

Wenn ein Mensch aus diesem Kulturkreis dann in den halluzinogenen Zustand käme und nicht mehr Herr seiner Sinne sei, könne dies den Placebo-Effekt haben, ihn glauben zu lassen, dass jemand seine Seele gestohlen habe und er zum Zombie geworden sei …

Auch in Japan komme es häufig zu manchmal sogar tödlichen Vergiftungen mit Tetrodotoxin, da der Kugelfisch Fugu dort als Delikatesse gilt – die Opfer sehen sich jedoch keineswegs als Zombies an, so Davis.

Er schätzt, dass die Verwandlung in einen Zombie innerhalb einer Gemeinschaft als eine abschreckende Strafe benutzt wird, die nur sehr selten verhängt werde. Im Fall von Narcisse soll dieser mit seinem Bruder über ein Stück Land gestritten haben.

Originaler Artikel auf Englisch :

Zombies in Real Life – A Man´s Horrific Experience

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