„Generation Doof“? Wie schlechte Schulen und Indoktrination die Zukunft ruinieren

Von 1. November 2018 Aktualisiert: 2. November 2018 10:19
Die tiefe Bildungskrise wurzelt in den Regeln des Schulsystem – es legt dem freiem Denken Steine in den Weg und befördert Konformismus und Mittelmaß.

Eine tiefgreifende Bildungskrise, die sich insbesondere an öffentlichen Schulen äußert, belastet die USA ebenso wie Deutschland. Die Ursachen sind strukturell ähnlich. Die Folgen der Krise sind aber so weitreichend, dass sich nur wenige getrauen, die naheliegenden Lösungen anzusprechen.

Besorgte Eltern und Aktivisten wie jene der „Demo für alle“ gehen dagegen auf die Straße, die AfD richtet sogar Meldeportale dagegen ein: Ideologisierter Schulunterricht und politische Indoktrination sind in Deutschland in gleicher Weise ein Problem wie jenseits des Großen Teichs.

Dabei sind es, wie der Pädagoge Auguste Meyrat jüngst in einem Essay auf „The Federalist“ herausarbeitete, seltener die gezielten Versuche, Schüler mit politischer Propaganda zu infizieren und so die Macht der etablierten Kräfte zu stabilisieren, die den stärksten Einfluss ausüben. Vielmehr ist es das Schulsystem selbst – vor allem das öffentliche – mit seinen Gesetzmäßigkeiten, das freiem Denken die meisten Steine in den Weg legt und stattdessen Konformismus und Mittelmaß befördert.

Warum Schüler an Gymnasien „linker“ sind als an Hauptschulen

Indoktrination, so analysiert Meyrat, vollziehe sich über mehrere Kanäle – Unterhaltung, Reden, Zensurmechanismen –, das wichtigste Instrument bleibe aber das Schulsystem. Lehrer haben über Jahre hinweg zwangsläufig die Aufmerksamkeit von formbaren jungen Gemütern. Manche von ihnen sind schwarze Schafe, die zwar nicht wissen, wie man diese klug und produktiv macht, aber genau, wie man sie zumindest devot und gehorsam hält.

Manche nutzen auch das Instrument der Schmeichelei, um ihre Anvertrauten politisch auf Linie zu bringen. Deutschland bietet dafür vielfältige Beispiele: Vor allem in höheren Bildungsanstalten wirkt der Appell, zur künftigen Elite zu gehören und eine wichtige gesinnungswächterliche Funktion innerhalb der Gesellschaft wahrzunehmen, auf gerade erst der Pubertät erwachsene Jünglinge Wunder. Dass Schüler von Gymnasien dazu neigen, in weit überdurchschnittlichem Maße die Grünen zu wählen oder in sonstiger Weise eine linke Weltanschauung zu entwickeln, hat viel damit zu tun.

Andererseits ist der Anteil dieser Schüler und Schulabgänger an Haupt- und Realschulen deutlich geringer. Das mag zum Teil daran liegen, dass die Qualität des Unterrichts und das gesamte Lernumfeld so schlecht sind, dass selbst gezielte Versuche, Gehirne zu waschen, nicht effektiv sind. Andererseits sind dort auch die konkreten Folgen linker Gesellschaftsexperimente hautnah zu spüren – die Folge ist, dass Schüler, die aus solchen Einrichtungen kommen, sogar überdurchschnittlich AfD wählen.

Die meisten Schulabgänger jedoch werden weder zu linksextremen Antifa-Schlägern oder aktiven Kommunisten noch zu versteckten oder gar bekennenden Konservativen. Die meisten sind zufrieden damit, nichts mit Politik, Religion oder sonstigen weltanschaulichen Fragen zu tun zu haben, und lasse die Mainstreammedien für sich denken.

Der „NPC“ als Ideal: Indoktrination will eine bestimmte Denkweise zum Automatismus machen

Was aber ist Indoktrination genau? Sie ist mehr als das aktive Aufdrängen einer bestimmten Meinung, sie beinhaltet auch das umfassende Bemühen, auf passive Weise einen bestimmten Standpunkt zu verbreiten. Und der passive Weg ist nicht selten der entscheidendere. Menschen, die im Sinne eines bestimmten Narrativs oder einer Ideologie indoktriniert sind, kommen nicht durch eigenes Nachdenken zu einer bestimmten Schlussfolgerung, sondern deshalb, weil sie den gleichen Gedanken in einer Million unterschiedlicher Variationen gehört haben und dessen Inhalt deshalb am Ende als unhinterfragbare Wahrheit ansehen.

Das Internet hat dafür das Meme des „NPCs“ geprägt – das in der Welt der Gamer für „Non-Playable Character“ steht. Bei diesen handelt es sich um Figuren, die im Spiel auftauchen, ohne jedoch eine entscheidende Funktion zu haben, und die stets das gleiche Set an einprogrammierten Stehsätzen aussprechen.

Weil Indoktrination aber in Abwesenheit des Denkens stattfindet, gibt es auch Lehrkräfte, die diese unbewusst betreiben. Diese nehmen dann selbst etwas, das ihnen vorgegeben ist, an und geben es weiter, ohne darüber nachzudenken. Dass Ideologen sich deshalb vor allem für die Gestaltung von Lehrmaterialien interessieren, hat viel damit zu tun. Debatten wie jene über Sexualkunde-Bildungspläne, einseitige Darstellungen des Nahostkonflikts oder auch die Interventionen der GEW gegen Lehrbücher für den türkischen Muttersprachenunterricht vor einigen Jahren sind hiesige Beispiele für dieses Phänomen.

Die Bedeutung des Faktors der passiven Aufnahme hat aber auch zur Folge, dass regelmäßig auch konservative Forderungen nach mehr traditionellen Inhalten, nach Lateinunterricht, klassischer Literatur oder Gedichten der Romantik wenig Effekt haben – selbst dort, wo es gelingt, diese tatsächlich zu verankern. Wo Lyrik von Lehrern vermittelt wird, die weder ein Gespür noch ein Interesse daran aufbringen, oder wo Goethe zerredet wird, statt die Texte wirken zu lassen und in ihrer Komplexität zu betrachten, tritt nicht selten der gegenteilige Effekt ein.

Einheitliche Bildungsstandards sind Teil des Problems, nicht der Lösung

Deshalb ist auch der Ruf nach einheitlichen Bildungsstandards, wie er in Deutschland mit seinen 16 verschiedenen Kultusministern und Bildungssystemen angesichts der Krise des Schulwesens immer wieder ertönt, ein gefährlicher. Das in den USA unter der Regierung Obama vorangetriebene „Common Core“-System zur Schaffung eines landesweiten Mindeststandards an Lerninhalten ist ein Beispiel für eine solche Initiative – und die Bilanz ist höchst durchwachsen.

Auguste Meyrat macht deutlich, dass auch Änderungen am Lehrplan Indoktrination nicht verhindern. Eigentlich sollten Lehrpläne nämlich dem Lehrer helfen, selbst Lerneinheiten zu kreieren und Materialien zu verwenden, die Schülern beibringen, unabhängig zu denken und zu funktionieren. Stattdessen schreiben öffentliche Schulen beim Verfassen ihrer eigenen Lehrpläne die einheitlichen Standards nur ab. Auf diese Weise stellen sie jedoch Fähigkeiten über Inhalte, Prozesse über Resultate und relative Standards über absolute.

Im Sprachunterricht kommen wegweisende Poesie und Literatur zu kurz, weil im Sinne vermeintlicher größer Praxisorientierung journalistische Texte und Recherchefähigkeiten im Vordergrund stehen. Statt Schüler durch das Erarbeiten der Denkweise unterschiedlicher Epochen zur Reflexion anzuregen, wird so das Denken auf dem Level des heutigen Mainstreams und in den jeweiligen Bahnen des aktuell gültige Google-Algorithmus geschult.

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Vor allem die Suche nach dem Sinn hinter den Phänomenen kommt so zu kurz. Im Geschichteunterricht ist es ähnlich und insbesondere in Deutschland nimmt dies skurrile Formen an: Heute bringen Lehrer ihren Schülern in staatlichen Pflichtschulen mit Anwesenheitszwang bei, dass Anhänger und Politiker der AfD die neuen Nazis wären, indem sie – gestützt auf manipulative Lehrmaterialien – unter Zugrundelegung heutiger Mainstream-Maßstäbe zweifelhafte Analogien produzieren.

Kann eine auf Konformismus gegründete Institution die Gefahren des Konformismus erkennen?

Dass hingegen die Tatsache, dass Schüler auch heute in Deutschland der Schulpflicht unterliegen, ebenso auf den Nationalsozialismus zurückgeht wie die Modalitäten des Religionsunterrichts, findet regelmäßig keine Erwähnung. Erst recht unterbleiben Fragen wie jene nach der Rolle des Konformismus, der Bewirtschaftung von Feindbildern und politisierter Institutionen oder Wissenschaften bei der Entstehung von Totalitarismus. Es hinterfragt niemand, ob angesichts der Tatsache, dass vor 1945 vermeintliche wissenschaftliche Erkenntnisse der Eugenik und Rassenkunde politisch instrumentalisiert wurden, nicht auch heute eine Gefahr in der politischen Instrumentalisierung vermeintlichen wissenschaftlichen Konsenses in Bereichen wie Klima oder Gender bestehen könnte.

In einer Einrichtung wie der öffentlichen Schule, die auf Konformismus aufgebaut ist und das Ziel verfolgt, nach bestimmten Maßstäben funktionierende Absolventen zu entlassen, diesen Konformismus und diese Maßstäbe selbst einer kritischen Prüfung zu unterziehen, scheint ein Widerspruch in sich zu sein.

Als zusätzliches Problem belasten auch noch Phänomene wie Political Correctness oder der Postmodernismus und dessen Ausläufer in Form von Identitätspolitik oder Intersektionalität die Qualität des Lernens und des Unterrichts. Der Anspruch, Wahrheiten zu erkunden, fällt weg, wo Relativismus sich ausbreitet, Wissen subjektiv wird und Denken sich auf das Äußern von Meinungen beschränkt.

„Demokratisierung des Wissens“

Wo Wahrheit so relativ ist, wird kritisches Denken unnötig – dann reicht es, den „richtigen Standpunkt“ zu haben und diesen anderen aufzuzwingen, so wie einem dieser zuvor selbst aufgezwungen worden war. Wissen und Denken sind dann vollständig „demokratisiert“ – was wahr ist, gibt dann entweder die Mehrheit vor oder eine Minderheit, die laut und entschlossen genug ist, um dafür zu sorgen, dass der Rest ihr nicht mehr widerspricht.

Einigkeit entsteht dann auf der Basis von Gefühlen, Meinungen und – vor allem in Deutschland – moralischer Empörung, aber nicht mehr auf der Basis von Vernunft oder Wahrheit. Dies aber macht die Betroffenen anfällig dafür, einfach die verordnete „Haltung“ von Massenmedien zu übernehmen und nicht mehr in der Lage zu sein, einem Staat, der sich in alle Lebensbereiche drängt, oder skrupellosen Ideologen Widerstand entgegenzusetzen. Die Indoktrination ist vollständig gelungen, wenn die Wahrnehmung oder Popularität von Anschauungen zur Realität wird und die meisten Menschen zu sehr verdummt oder zu apathisch geworden sind, um rational darauf zu antworten.

Die einzige Abhilfe, so betont Meyrat, sind gute Lehrer – weit über die Schule hinaus. Dazu zählt er auch Eltern, Mentoren oder andere Erwachsene mit Wissen und Lebenserfahrung. Sie sollen jungen Menschen in Methoden des Denkens unterweisen und dabei Gedankeninhalte einwerfen, um den Betreffenden dazu anzuregen, ein Argument zu bewerten, tatsächliche Lösungen für Probleme zu finden und wahr von falsch zu unterscheiden. Ziel müsse es sein, Logik aufzubauen statt nur fertige Auffassungen oder Texte weiterzugeben, Gründe verständlich zu machen statt nur tribalistische Signale auszusenden.

Auch Brandenburgs Jungliberale fordern jetzt die Bildungspflicht

Dass nicht noch mehr und noch tiefgreifenderer staatlicher Einfluss diese Lösung begünstigen wird, sondern nur ein auf Freiheit, Marktwirtschaft und Eigenverantwortung beruhendes System, wie es eine Bildungspflicht schafft, liegt auf der Hand. Dass viele nicht den Mut haben, das offen anzusprechen, ist bereits ein Resultat gelungener Indoktrination. In den USA ist die Debatte weit gediehen, Bildungsministerin Betsy DeVos will die freie Bildungswahl auf allen Ebenen unterstützen.

In Deutschland ist der Mut, die Schulpflicht infrage zu stellen, noch wenig verbreitet. Im Landtagswahlkampf 2016 ist die AfD Sachsen-Anhalt für eine Bildungspflicht eingetreten. Vor einigen Tagen haben sich auch Teile der FDP in diesem Sinne geäußert. Wie die „Märkische Allgemeine“ berichtet, hat der Vorsitzende der Jungliberalen in Brandenburg, Matti Karstedt, die Abschaffung der Schulpflicht und die Einführung einer Bildungspflicht gefordert, „damit Familien die größtmögliche Freiheit in Bildungsfragen ihrer Kinder erhalten“.

Unabhängig davon wachsen auch die Bäume der Indoktrination nicht in den Himmel. Auguste Meyrat bleibt trotz der krisenhaften Entwicklungen zuversichtlich:

„An irgendeinem Punkt wird Indoktrination immer in sich selbst zusammenfallen und nur noch Mittelmaß hinterlassen. Lehren hingegen wird unsere Kultur erhalten und unsere Tugenden zum Vorschein bringen. Es wird dem aktiven Nachdenken – nicht dem uniformen Denken – Präsenz verschaffen und am Ende unser bitterlich gespaltenes Land heilen und zur Ruhe bringen.“

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