Atomforscher im 1. Weltkrieg – Erlösung oder Verdammnis? (Teil1)

Von 26. May 2018 Aktualisiert: 28. Mai 2018 11:56
Für den jungen Werner Heisenberg zerbrach im 1. Weltkrieg eine heile Welt in tausend Trümmer – alle sahen jeden Tag, wie die einstmals so wohlgeordnete, wohlhabende und kultivierte deutsche Gesellschaft zusammenbrach. Eine geschichtliche Betrachtung von Manfred von Pentz zu Werner Heisenberg und seiner Zeit (Teil 1).

Unternimm nie etwas, wozu du nicht das Herz hast, dir den Segen des Himmels zu erbitten.  Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799)

Bei Gelegenheit mag es passieren, versehentlich oder vom Schicksal bestimmt, dass sich ein Mann ganz allein für eine Vorgehensweise entscheiden muss, deren Folgen so enorm sind, dass sie den Strom des Lebens verändern. Erweist sich die Entscheidung als Segen für die Menschheit im Allgemeinen, wird ihm der Einlass ins Paradies zuteil. Ist es das Gegenteil, schmort er ewiglich in der Hölle. Und findet er sich gefangen zwischen zwei gleichermaßen entsetzlichen Optionen ähnlicher Größenordnung, muss sein innerer Kampf so schrecklich sein wie seine letztliche Entscheidung, damit er am Ende doch noch eine Chance hat, seine Seele zu retten.

Werner Karl Heisenberg war ein Mann, dem ein derartiges Geschick widerfuhr.

Aber bevor ich mich auf die verräterische Reise begebe, sein Herz zu ergründen und so versuche, eines der finstersten Kapitel der Menschheitsgeschichte zu entschlüsseln, magst Du mir erlauben, Dich ganz kurz nach Würzburg zu entführen, eine kleine Stadt eingebettet in die liebliche Szenerie Süddeutschlands.

Die Hohe Schule der Stadt Würzburg – Eine der besten Universitäten Deutschlands

Zurückreichend in keltische Zeit, war sie angeblich die befestigte Siedlung eines Oberhäuptlings namens Virtius, der um 1000 vor Christus florierte. Die römischen Eroberer nannten sie Segodunum, und im vierten Jahrhundert AD machten die Alemannen sie zu einer ihrer wichtigsten Niederlassungen. Von 650 AD an war sie ein Herzogtum der fränkischen Könige, und etwa zur gleichen Zeit begann eine Truppe von irischen Mönchen, die vorherrschende heidnische Weltanschauung mit Christi unvergleichlicher Nachricht zu destabilisieren.

AD 1127 war die Stadt Gastgeber des ersten deutschen Ritterturniers, und während des Reichstags von 1168 erhob Kaiser Friedrich I. Barbarossa den Würzburger Bischof in den Rang eines Herzogs, fortan als Fürstbischof betitelt. Einer seiner Nachfolger, Johann von Egloffstein, gründete im Jahr 1402 eine der ersten und besten Universitäten Deutschlands, die Hohe Schule der Stadt Würzburg.

Zweihundert Jahre später pervertierte ein weiterer Nachfolger sein priesterliches Amt mit einer Hexenjagd unter den ortsansässigen Nonnen, einschließlich Folter und Verbrennung auf dem Scheiterhaufen. Um AD 1720 wurde die Fürstbischofliche Residenz, ein prächtiges barockes Schloss im Stil von Versailles, geplant und begonnen von einem selbstherrlichen Kirchenmann, der künstlerischen Glanz frommer Bescheidenheit vorzog, dabei aber auch ein Heer von hervorragenden Handwerkern und deren Familien über Jahrzehnte hinaus ernährte. Was ihm möglicherweise einige Pluspunkte eintrug, als er sich vor seinem Schöpfer zu verantworten hatte.

Und was mit Sicherheit ein besseres Mittel war und immer noch ist, als das hart erarbeitete Geld der Steuerzahler für illegale Kriege zu verschwenden oder der Einfachheit halber gleich per ESM in den Rachen von Goldman Sachs und Konsorten zu schmeißen.

Nach der prächtigen Fertigstellung des Gebäudes etwa vierzig Jahre später, beauftragte der neue Fürstbischof einen der berühmtesten Maler seiner Zeit, den Italiener Giambattista Tiepolo (1696 – 1770), das Dekor für die grosse Eingangshalle zu entwerfen. Genannt Apollo und die Kontinente, ist es atemberaubend in jedem großartigen Detail und überhaupt der Welt allergrößtes Deckenfresko.

Die Residenz hat nur knapp den Zweiten Weltkrieg und Churchills Brandbomben überlebt, ein apokalyptischer Feuersturm, der das mittelalterliche Zentrum mit seinen pittoresken Fachwerkhäusern und deren Bewohner in graue Asche verwandelte. Was Tiepolos Fresko betrifft, so wurde es von John Davis Skilton, einem amerikanischen Offizier und Gelehrten aus Connecticut, errettet. Zutiefst erschüttert von der schrecklichen Zerstörung, ließ er das schwer angeschlagene Gebäude mit einem provisorischen Dach vor Sturm und Regen schützen. Die dankbaren Würzburger erinnern sich seiner Großtat am 28. Februar jeden Jahres, dem Tag nämlich, an welchem er geboren wurde.

Das neunzehnte Jahrhundert sah die Abtretung Würzburgs an die Bayerischen Könige, und 1895 die Erfindung der Röntgenstrahlen durch Carl Gustav Röntgen. Sechs Jahre später vermelden die städtischen Annalen ohne besonderen Nachdruck die Geburt eines gewissen Werner Karl Heisenberg.

Werner Karl Heisenberg und die Zeit des Laissez-faire

Die Eltern sind beide Professoren, der Vater ein geachteter Byzantinist. Sie sorgen für ein intellektuell fruchtbares Milieu, tief verankert in den christlichen Sitten und klassischen Disziplinen, und wohl temperiert mit regelmäßigen Sitzungen des musikalischen Familienquartettes, in dem Werner das Klavier oder Cello spielt. Es ist daher keine grosse Überraschung, wenn ihm nach Schulbeginn von seinen Lehrern ein hoher Grad von Intelligenz und Auffassungsvermögen attestiert wird.

Dies sind die letzten goldenen Jahre des Kaiserreichs, eine friedliche und prosperierende Epoche mit einem wohlhabenden Bürgertum, blühenden Bildenden Künsten und einer langsamen aber stetigen Verbesserung des Lebensstandards auch der ärmeren Bevölkerungsschichten.

Aber es ist auch eine Zeit der Unbekümmertheit und des laissez-faire, welche es einer Zunft von fremden, fundamental andersdenkenden, äußerlich harmlos erscheinenden Invasoren ermöglicht, die seit Jahrhunderten vorherrschenden moralischen und ästhetischen Grundfesten der Gesellschaft zu untergraben.

Sich selbst als liberale Avantgarde stilisierend, sind sie darauf aus, eine konservative Mittelklasse und deren sexuelle Hemmungen, religiöse Gewissheiten und Akzeptanz autoritärer Herrschaft nachhaltig in Frage zu stellen. Zur Umsetzung dieser zutiefst destruktiven Bestrebungen dienen die üblichen Trojanische Pferde wie Theater, Literatur und Zeitschriften. Vor allem die letzteren, oft brillant realisiert, üben einen subversiven Einfluss aus, dessen zerstörerische Wirkung von der Monarchie und ihren Ordnungshütern nicht voll verstanden und daher nur halbherzig bekämpft wird. Betrachtet man in diesem spezifischen Kontext einige Abbildungen aus jener Zeit, wird deutlich, wie fett die Würmer damals schon waren, welche heute so unersättlich an den Wurzeln unseres grandiosen kulturellen Erbes nagen.

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Nun, wir begreifen sehr gut, an welche Blumen genau der Künstler gedacht haben könnte. Oder was seine Absichten waren, als er eine griechische Göttin, im Laufe der Jahrhunderte durch unsere eigenen großen Meister als unerbittliche Gottheit von höchster Schönheit dargestellt, in ein liebliches Art noveau Monster verwandelte.

Ein Ziel des Simplicissimus: Die Monarchie in die Lächerlichkeit ziehen

Thomas Theodor Heine war ein an sich begnadeter Karikaturist, der viele Jahre als leitender Illustrator für eine Münchner satirische Wochenzeitung namens Simplicissimus arbeitete. Einige seiner späteren Werke, wie etwa Das Verbrechen von Versailles oder Churchill der Schlächter, gehören fraglos zu den weltbesten Beispielen dieses besonderen Metiers.

Dem Simplicissimus war jedoch ständig daran gelegen, die Monarchie in das Lächerliche zu ziehen, sie zu diskreditieren und ganz unverfroren zu untergraben. Wiederholt in Schwierigkeiten mit den Autoritäten, musste sein Verleger sogar einmal nach Frankreich flüchten, durfte jedoch nach einer heftigen, von unbekannter Seite geleisteten Bußgeldzahlung wieder zurückkehren.

Aber diese schädlichen Einflüsse waren immer noch weit entfernt von dem, was sie heute sind, und es ist eine berechtigte Vermutung, dass ihre Auswirkungen auf das pastorale Würzburg minimal waren. Hier vollzog sich das Leben weiterhin ruhig und berechenbar, gegründet auf die Sicherheiten eines tief verwurzelten christlichen Glaubens.

Diese inneren Sicherheiten änderten sich in keiner Weise, als Werner Heisenbergs Eltern nach München umzogen und den Sohn in das Maximilian-Gymnasium einschrieben, die wohl beste Hochschule weit und breit. Wo der junge Mann umgehend Lehrer und Mitschüler gleichermaßen mit seinem brillanten Verstand beeindruckte, insbesondere seiner Fähigkeit, komplizierte mathematische Formeln beinahe sofort zu begreifen. Die Physik wurde sein bevorzugtes Interessengebiet, und dies zu einer Zeit, als die Disziplin noch gar nicht offiziell zum allgemeinen Lehrplan gehörte. In seiner freien Zeit bewältigte er, mehr oder weniger en passant, die Differential- und Integralrechnung.

Im Einklang mit den allgemein akzeptierten Konventionen jener Jahre, wurde er Mitglied in einer Jugendbewegung und akzeptierte unumwunden dessen zutiefst idealistisches, romantisches und sehr patriotisches Credo. Die blaue Blume war ihr äußeres Symbol, und sie konnte alles beinhalten, wie etwa am Wochenende durch Gottes schöne Welt zu wandern oder von einer perfekten Utopie zu träumen.

Der erste Weltkrieg zerstörte die Idylle

Dieser beschauliche Stand der Dinge wurde plötzlich und grausam zerstört durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges, ein christlicher Brudermord so gewaltig, dass er bis dato keinen Vergleich in der gesamten Menschheitsgeschichte zuließ.

Für den jungen Werner Heisenberg zerbrach eine heile Welt in tausend Trümmer. Im letzten Kriegsjahr, gerade sechzehn Jahre alt, erhielt er den Befehl, auf einem Bauernhof in der näheren Umgebung als Hilfskraft zu arbeiten, eine tägliche Aufgabe, die meist von vier Uhr morgens bis um zehn Uhr abends dauerte. Es war eine Erfahrung, die tiefe Auswirkungen auf seine weitere Lebens- und Denkweise hatte, denn hier begriff er zum ersten Mal mit aller Deutlichkeit, wie hart körperliche Arbeit sein kann und wie privilegiert er selbst war.

Deutschlands neue sozialistischen Machthaber, schon längst im Verdacht, durch Streiks und andere Unruhen während des letzten Kriegsjahres die Armee geschwächt und so den Alliierten zum Sieg verholfen zu haben, gingen nach Versailles und verkauften ihr Land mit Haut und Haar durch die Unterzeichnung völlig ruinöser Friedensverträge. Dies in dem klaren Wissen, den eigenen politischen Aufstieg mit der stillschweigenden Hilfe des Gegners und seiner Zahlmeister zu sichern und gleichzeitig die alte imperiale Elite ein für allemal zu entmachten.

In Bayerns Hauptstadt war eine chaotische Revolution in vollem Gange, entfacht von kommunistischen und sozialistischen Räten. Letztere hatten nach dem Sturz der Wittelsbach Monarchie ihren Rädelsführer, einen Volksverhetzer namens Kurt Eisner, als Ministerpräsidenten ausgerufen. Nach seiner nicht unerwarteten Ermordung übernahm Eugene Levine, ein kommunistischer Wahnsinniger und ebenfalls Jude, die Macht und erklärte Bayern zu einer Sowjetrepublik.

Angeblich auf Empfehlung von Wladimir Lenin nahm er Geiseln aus der alten Elite und ließ Prinz Gustav von Thurn und Taxis und die Gräfin Hella von Westarp willkürlich von Erschießungskommandos hinrichten. Diese Verbrechen waren der letzte Strohhalm für die Überreste der kaiserlichen Armee.

Die wohlhabende Gesellschaft brach zusammen

Die verschiedenen Fraktionen vereinigten sich und marschierten in München ein. Nach heftigen Kämpfen, bei denen einige tausend kommunistische Anhänger umkamen, wurde die Stadt befreit. Levine konnte nicht mehr rechtzeitig nach Russland entkommen und zahlte mit der gleichen Medizin zurück, die er seinen illustren Geiseln verabreicht hatte, nämlich der Hinrichtung durch ein Erschießungskommando im Gefängnis von Stadelheim.

Während dieser Zeit diente Werner, wohl aufgrund seiner Pfadfindererfahrungen, als eine Art militärischer Feindbeobachter und Aufklärer in einem der Freikorps, die München belagerten.

Dieses eher kurze und wohl nicht ungefährliche Abenteuer war jedoch bezeichnend für die Gefühlslage der meisten jungen Männer jener Zeit. Denn alle sahen jeden Tag deutlicher, wie die einstmals so wohlgeordnete, wohlhabende und kultivierte deutsche Gesellschaft zusammenbrach und überwältigt wurde von inneren Unruhen, steigender Kriminalität und einem wachsendem Elend, das schlichtweg zum Verhungern in den ärmeren Vierteln führte. Es war also kein Wunder, wenn sie kollektiven Träumen einer Germania redux nachhingen, komplett mit einem weisen und mächtigen König, und sich selbst als seinen treuen Bannerträgern.

Für den jungen Werner manifestierte sich diese Sehnsucht in einer tiefen Liebe für sein Vaterland. Inzwischen studierend an Münchens renommiertester Universität, dem Maximilianeum, offenbarte sich sein Genie sehr bald. Deutschland avancierte in dieser Zeit zu einem internationalen Camelot der Naturwissenschaften, vor allem in der Physik.

Große Fortschritte wurden gemacht in der Entschlüsselung jener unendlich winzigen Kräfte, die das Universums zusammen halten, und täglich kamen neue und erstaunliche Entdeckungen hinzu. Es war allerdings nur eine sehr kleine Gruppe von hellen Köpfen, die sich in der Lage sahen, diese äußerst komplizierten mentalen Purzelbäume zu vollziehen, und so dauerte es nur kurze Zeit, bis der junge Werner Heisenberg einem größeren wissenschaftlichen Publikum bekannt wurde.

Wenn ich die aberwitzigen gedanklichen Kapriolen betrachte, welche diese Männer vollbringen können, komme ich nicht umhin, mich wie ein zerebraler Winzling mit dem Horizont einer Kellerassel zu fühlen. Oder, alternativ, wie jemand, der vom rechten Weg abkam und in einer Irrenanstalt landete, wo die Insassen mit Hilfe eines verworrenen Jargons kommunizieren, der keinerlei Sinn ergibt.

Wie zum Beispiel dies …

Wenn q die koordinierte Position eines Elektrons ist (in seinem bestimmten Zustand), und p seine Dynamik, wobei davon ausgegangen wird, dass q, und unabhängig voneinander, p gemessen wurden für viele Elektronen (alle im betreffenden Zustand), dann ist Δq die Standardabweichung der Messungen von q, Δp ist die Standardabweichung der Messungen von p und h ist Plancks Konstant (6,626176 x 10 -27 erg-Sekunde).

Q in der Tat! magst Du ausrufen. Und p ebenfalls, so wahr mir Gott helfe! Und sodann den Kopf schütteln und Shakespeare zitieren, nämlich den Wahnsinn, der doch Methode hat.

Und dem ich bedingungslos beipflichte. Denn Wahnsinn und Methode sind in der obigen Formel fundamental und allumfassend enthalten, allerdings anders, als man vielleicht denken mag. Konnte sie doch, mit einigen Umwegen und Erweiterungen, eine vernichtende Gewalt entfesseln, die sich zu jener Zeit jeglicher menschlicher Vorstellungskraft entzog.

Erstveröffentlichung auf:

www.Der deutsche Michel.net

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