Universität feiert 600 Jahre Handschriftensammlung der Bibliotheca Amploniana Erfurt

Epoch Times12. Juni 2012 Aktualisiert: 12. Juni 2012 10:11

Erfurt – Mit einer Ausstellung, Vorträgen und Vorlesungen feiert die Universität Erfurt das 600-jährige Jubiläum der weltweit größten noch weitgehend geschlossen erhaltenen Handschriftensammlung – der Bibliotheca Amploniana. „Das Jubiläum gibt uns die Gelegenheit, diesen beeindruckenden Schatz auf ganz unterschiedliche Weise der Öffentlichkeit näher zu bringen“, sagte Theologieprofessor Benedikt Kranemann heute in Erfurt.

Als Höhepunkt des Jubiläumsjahres wird sich ab 24. November eine Ausstellung im Thüringer Museum für Volkskunde mit dem Leben des Stifters der Handschriftensammlung, Amplonius Rating de Berka, widmen. Die Sammlung enthält 979 Handschriftenbände sowie 1.882 Inkunabeln und Drucke. Sie beschäftigen sich vor allem mit theologischen, philosophischen und medizinischen Themen.

Auch wird eine öffentliche Vortragsreihe im Hörsaal Coelicum, Domstraße 10, angeboten, die am 13. Juni um 19.30 Uhr mit dem Vortrag „Intellektuelle in der Frühen Neuzeit“ von Prof. Dr. Luise Schorn-Schütte (Frankfurt/Main) startet.

Bücherklau in höchsten Kreisen

Manchmal hilft ein Blick in die Geschichte, um an der Gegenwart nicht zu verzweifeln. Der Blick jedenfalls auf die Geschichte einer der bedeutendsten spätmittelalterlichen Handschriftensammlungen, die in Erfurt beherbergt wird, lässt manch einen zu solchen Schlüssen kommen, dass Menschen und Bücher und Institutionen schon vieles überstanden haben. Was so banal klingt, kann auch peinlich lächerliche Entdeckungen beinhalten. Zahlreiche Handschriftenverluste fallen nämlich in die Regierungszeit des Mainzer Erzbischofs Lothar Franz Graf Schönborn (1695-1725). Dieser erweiterte seine Büchersammlung ganz erheblich aus den Beständen der Erfurter Bibliotheken.

Auch die noch erhaltenen „Kettenbücher“ sprechen eine beredte Sprache über Langfinger, vor denen die Liebhaberstücke von jeher zu schützen waren, man findet sie heute noch etwas eleganter ausgeführt etwa bei kostbaren Ausstellungskatalogen …

Die Stiftung „Himmelspforte“

Der Arzt und Gelehrte Amplonius Rating de Berka, der diese Bibliothek zusammengetragen hat, übergab 1412 seine Sammlung von 633 Bänden, von denen heute noch etwa 430 in Erfurt vorhanden sind, an das von ihm zur Versorgung und Förderung von Studenten an der Universität Erfurt gestiftete „Collegium Porta Coeli“ [Anm.d.Red. lat. Himmelspforte]. Seine Büchersammlung verzeichnete Amplonius um 1410 eigenhändig in einem nach Fachgruppen geordneten Katalog, der heute noch erhalten ist und wertvolle Auskünfte über den Kernbestand der Sammlung gibt.

In weiser Voraussicht und in Kenntnis kommunaler Begehrlichkeiten schützte Amplonius seine Bücherstiftung durch verschiedene Rechtskonstruktionen, die über Jahrhunderte hinweg sowohl die Stadt als auch die Universität Erfurt daran hinderten, die Bestände in Besitz zu nehmen.

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Jubiläumsjahr für die „Bibliotheca Amploniana“

Für die „Bibliotheca Amploniana“ ist 2012 ein besonderes Jahr, denn Erfurt feiert das Jubiläum: „600 Jahre Bibliotheca Amploniana“. Mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen erinnert die Universität Erfurt dabei an Amplonius Rating de Berka, den Stifter dieser größten noch weitgehend geschlossen erhaltenen Handschriftensammlung eines spätmittelalterlichen Gelehrten weltweit und zugleich an eine der bedeutendsten Sammlungen mittelalterlicher Handschriften in Deutschland.

„Wir freuen uns auf dieses Jubiläum“, sagt Prof. Dr. Benedikt Kranemann, Sprecher des Universitären Schwerpunkts Religion der Universität Erfurt, „weil wir damit erneut Gelegenheit bekommen, diesen beeindruckenden Schatz, der auf unserem Campus beheimatet ist, auf ganz unterschiedliche Weise der Öffentlichkeit näherzubringen.“

Amplonius: Die Zeit. Der Mensch. Die Stiftung.

Im Fokus des „Amploniana“-Jubiläumsjahres jedoch wird eine Ausstellung im Museum für Thüringer Volkskunde stehen, die den Titel „Amplonius: Die Zeit. Der Mensch. Die Stiftung. 600 Jahre Bibliotheca Amploniana in Erfurt.“ trägt und unter der Leitung von Museumsdirektorin Dr. Marina Moritz in Kooperation mit der Universität Erfurt realisiert wird. Die Schau zielt auf die Persönlichkeit des Stifters der Büchersammlung, des Arztes, Theologen und Universitätslehrers Amplonius Rating de Berka, ab und erschließt dabei eine Epoche des Niedergangs und Aufbruchs in der Gesellschaft im regionalen wie überregionalen Kontext.

In dieser Schnittstelle von Mittelalter und Früher Neuzeit entstanden auch die geistigen und soziokulturellen Voraussetzungen, aus denen heraus das epochale Wirken Martins Luthers erst möglich und verständlich wurde. Mit diesem sozial- und kulturhistorischen Ansatz unterscheidet sich die für 2012 geplante Schau grundsätzlich von der im Jahr 2001 gezeigten „Amploniana“-Ausstellung, die vorwiegend den Stellenwert der Sammlung als einzigartigen kulturellen Schatz thematisierte.

Die „Bibliotheca Amploniana“

Die „Bibliotheca Amploniana“ ist die größte noch weitgehend geschlossen erhaltene Handschriftensammlung des spätmittelalterlichen Gelehrten Amplonius Rating de Berka weltweit und zugleich eine der bedeutendsten Sammlungen mittelalterlicher Handschriften in Deutschland. Heute enthält die „Bibliotheca Amploniana“ insgesamt 979 Handschriftenbände sowie 1882 Inkunabeln und Drucke. Zahlenmäßig und inhaltlich ragen aus dem Bestand die theologischen, philosophischen und medizinischen Texte heraus. Es finden sich aber auch zahlreiche Codices zu Grammatik, Rhetorik, Dichtkunst und klassischen Autoren sowie zu Zivil- und Kirchenrecht oder der Mathematik.

Nach der Schließung der Alten Erfurter Universität im 19. Jahrhundert konnte die wertvolle Sammlung durch den Einsatz der Bürger in Erfurt gehalten werden. Sie ist seit 1908 im Besitz der Stadt Erfurt und wurde im Dezember 2001 als Dauerleihgabe an die wiedergegründete Universität Erfurt übergeben. 2005 hat innerhalb der Universität Erfurt die Katholisch-Theologische Fakultät die Aufgabe übernommen, Forschungen zur „Bibliotheca Amploniana“ zu initiieren und zu betreuen. (rls / Carmen Voigt / Uni Erfurt / dapd)

 

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