Angst vor der Schule: Wie der Schulstart erleichtert werden kann

Von 31. August 2019 Aktualisiert: 30. August 2019 21:01
Der Schulstart ist ein gravierendes Ereignis im Leben eines Kindes. Viele Kinder sehen diesem Ereignis mit Vorfreude entgegen. Es kommt aber auch vor, dass Angst diese Freude trübt.

Hinter dem Gemurmel und Gemecker der Kinder über die Aussicht auf eine Rückkehr oder den ersten Schultag, kann ein Gefühl der Sorge oder Angst liegen. Schulangst haben allerdings nicht nur Kinder – eine Vielzahl an Eltern zittern ebenso der Einschulung entgegen.

Dr. Scott Symington ist klinischer Psychologe und Autor von „Freedom from Anxious Thoughts and Feelings“. Dies ist ein zweistufiger Achtsamkeitsansatz für die Bewältigung von Angst und Sorge. Ich wandte mich an Dr. Symington, um seinen Rat zum Thema Schulangst zu erhalten.

Epoch Times: Die Schulzeit kann Angstgefühle wecken, besonders bei den kleinen Schülern, die bisher den Kindergarten besuchten. Welche Strategien würden Sie Eltern empfehlen, um Kindergartenkinder bestmöglich auf den Schulbesuch vorzubereiten?

Dr. Scott Symington: Versuchen Sie den CAR-Ansatz: C = Kommunizieren, A = Akklimatisieren im Voraus, R = Routine.

Kommunizieren: Fragen Sie Ihre Kleinen vor dem Einschulungsbeginn nach ihren Gedanken und Gefühlen, ob ihnen etwas Sorgen macht. Starten Sie den Dialog, zeigen Sie Verständnis gegenüber den Ängsten. Eine Möglichkeit ist auch, die Sorgen – wenn sie angemessen sind – auf Ihre eigene Erfahrung als Erwachsener zu beziehen. Damit normalisieren Sie die Situation, in der sich ihr Kind befindet.

Das Eingeständnis, es sei normal Angst zu haben und gleichzeitig aufgeregt und beunruhigt zu sein, kann ebenfalls unterstützend wirken. Es kann auch hilfreich sein, ein Beispiel hervorzuheben, bei dem Sie sich einer Herausforderung gestellt und diese gemeistert haben, wie z.B. der Eingewöhnung in ein neues Sommerlager.

Akklimatisieren Sie sich im Voraus und entmystifizieren Sie die bevorstehenden Schulerfahrungen, indem Sie bei der Schule vorbeifahren. Sie können beispielsweise den Schulweg abgehen, währenddessen den Ort der Abholung vereinbaren und wenn möglich das Klassenzimmer von außen betrachten.

Vielleicht möchte Ihr Kind ein Bild für den neuen Lehrer zeichnen oder sich ein Foto des Klassenvorstands ansehen, dadurch kann eine Verbindung hergestellt werden. Wenn möglich, lassen Sie Ihr Kind mit anderen ankommenden Schülern Kontakt aufnehmen, die sich in der gleichen Klasse oder im gleichen Klassenzimmer befinden.

Routine: Kindern gibt eine häusliche Struktur Sicherheit. Setzen Sie neue Schlafenszeit fest, wenn die Schule anfängt. Versuchen Sie, täglich zur gleichen Zeit zu Abend zu essen, gefolgt von einem vorhersehbaren Ritual zum Baden und Entspannen, bevor das Licht ausgeht. Eine harmonische Umgebung bietet den Kindern einen Ort zum Ausruhen, wenn diese mit neuen Erfahrungen nach Hause kommen und müde sind.

Epoch Times: Nicht nur Vorschulkinder haben Angst vor der Schule. Wie zeigt sich die Angst bei älteren Kindern?

Dr. Symington: Ältere Kinder leiden meist nicht mehr an der Trennungsangst. Ihre Bedenken drehen sich rund um die soziale Anpassung: Wie wird der neue Lehrer sein? Welche Begegnungen werde ich dieses Schuljahr erleben? Darüber hinaus kann die Vorstellung an die kommenden Anforderungen und den wachsenden Druck – der mit der neuen Schulstufe einhergeht – Sorgen bereiten. Die Angst zu versagen und mit Klassenkameraden nicht mithalten zu können, ebenso wie die Belastung durch Hausaufgaben, können beängstigend sein.

Epoch Times: Welche Beobachtungen haben Sie in Ihrer Praxis über die Angst in der Kindheit gemacht? Worüber sind Sie am meisten besorgt?

Dr. Symington: Viele Kinder machen sich Sorgen: Rund 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind von Angst erfüllt. Unsere Kinder sorgen sich darum, Tests nicht bestehen zu können, im Unterricht aufgerufen zu werden, dass sie Lehrerpersönlichkeiten manipulieren, ihren Eltern könnte etwas Schlimmes passiert, gemobbt oder sozial ausgegrenzt zu werden; die Liste geht weiter.

Die Herausforderung ist, dass die meisten Kinder nicht über ihre Sorgen sprechen. Angst, nicht verstanden oder als anders angesehen zu werden, hindert sie daran. Umso wichtiger ist es, sich als Eltern der Anzeichen bewusst zu sein. Die Sorgen unseres Kindes – die alle Kinder auf irgendeine Weise erleben – sind zu einem Problem geworden.

Anzeichen dafür sind: spürbare Verhaltensänderung oder körperliche Symptome wie Magenprobleme, Kopfschmerzen, und so weiter. Was wir nicht wollen, ist ein besorgtes Kind, das sich alleine in seiner Angst fühlt.

Epoch Times: Gibt es Umweltfaktoren, die Eltern beeinflussen können, um die Angst ihrer Kinder zu verringern? Wie wirken sich beispielsweise Schlaf und Ernährung auf das Angstniveau aus?

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Dr. Symington: Um auf den bereits erwähnten CAR-Ansatz zurückzukommen: Festgelegte Abläufe sind für Ihr Kind entscheidend. Schaffen Sie eine klare Heimstruktur und Rituale! Auch wenn sich die Kinder anfangs dagegen wehren, wird diese Struktur ihre Liebsten beim Schuleinstieg unterstützen. Ausreichend Schlaf und Heimrituale sind die Lösung, um grundlegende Bedürfnisse zu erfüllen, aber auch eine ausgewogene Ernährung ist wichtig. Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Zuckeraufnahme und erhöhten Angstsymptomen. Reduzieren Sie die Süßigkeiten und erhöhen Sie gesunde Proteine und Gemüse.

Epoch Times: Eltern können auch von Ängsten geplagt werden, wenn ihre Kinder in die Schule zurückkehren müssen. Welchen Rat würden Sie ihnen geben?

Dr. Symington: Sie sind das wichtigste Vorbild für Ihr Kind. Implementieren Sie für sich selbst ebenfalls die gesunden Strategien, von denen auch Ihr Kind profitieren wird. Verstecken auch Sie Ihre Sorgen nicht. Teilen Sie diese mit Ihrem Partner oder mit einer Vertrauensperson.

Das Original erschien in The Epoch Times (USA), deutsche Bearbeitung von rp
Originalartikel: https://www.theepochtimes.com/edition/life-tradition-weekly-9_3051830/3037866