Antisemitismus-Forscher beklagt fehlende Schuldebatte über gegenwärtigen Judenhass

Epoch Times27. Februar 2019 Aktualisiert: 27. Februar 2019 8:04
An vielen Schulen wird das Thema Antisemitismus nur ihm Rahmen des Nationalsozialismus unterrichtet. Dies sei zu wenig und lasse die modernen Formen des Judenhasses außen vor, beklagt der Antisemitismus-Forscher Samuel Salzborn.

Der Antisemitismus-Forscher Samuel Salzborn beklagt eine fehlende Auseinandersetzung von Schulen in Deutschland mit gegenwärtigem Judenhass.

„Für viele Schulen scheint es eine emotionale Entlastung zu sein, Antisemitismus ein paar Wochen lang im Rahmen des Nationalsozialismus zu unterrichten und das Thema dann abzuhaken“, sagte Salzborn der „Welt“ (Mittwochsausgabe).

Es fehle die Thematisierung der umfangreichen Vor- und Nachgeschichte des Antisemitismus und der Verantwortung Deutschlands für Israel.

„Das ist einerseits historisch komplett ungenügend und andererseits fatal, weil Schüler dann den Antisemitismus, wie er heute auftritt – also vor allem als eine gegen Israel gerichtete Täter-Opfer-Umkehr – nicht mehr begreifen können, weil sie die Zusammenhänge nicht kennen“, so der Forscher weiter. Sie bekämen das Gefühl, dass „mit der Niederschlagung des Nationalsozialismus der Antisemitismus aus der Welt geschafft worden sei“.

Schulbücher werden keiner Zulassungsprüfung unterzogen

Salzborn warnt vor Schulbüchern, die eine „Täter-Opfer-Umkehr“ befeuerten und Israel im Konflikt mit den Palästinensern als alleinigen Aggressor darstellten. „Die Schulbuchverlage beschäftigen nicht haltbare Autoren“, so der Antisemitismus-Forscher. Es sei eine absolute Katastrophe, dass in vier deutschen Bundesländern die Schulbücher keiner Zulassungsprüfung unterzogen würden.

„Außerdem gibt es auch in der Lehrerschaft Antisemiten, das darf man nicht verdrängen“, so Salzborn weiter. Er fordert ein verbindliches Meldesystem für Antisemitismus an Schulen, das Vorfälle von Lehrern und Schüler an die Schulaufsicht weitergeben muss.

Aufarbeitung von Antisemitismus als Voraussetzung für Integration

„Es darf kein Schweigen mehr geben in der Hoffnung, dem Image der Schule nicht zu schaden“, so der Forscher. Egal welchen biografischen Hintergrund ein Schüler habe, „wenn er einen anderen als ‚Du Jude‘ beschimpft, darf dafür kein Verständnis aufgebracht werden“, sagte Salzborn der „Welt“. Die Aufarbeitung von Antisemitismus müsse Voraussetzung für die Integration in die Gesellschaft sein.

Salzborn ist Gastprofessor am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Zusammen mit der Politikwissenschaftlerin Alexandra Kurth hat er kürzlich eine bundesweit vergleichende Bestandsaufnahme zum Antisemitismus in Schulen vorgelegt. (dts)

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