ARRIVATE & DERIVATE – An- & Abkömmlinge

Von 16. Juli 2012 Aktualisiert: 16. Juli 2012 6:30

 

Die Etymosophie-Kolumne von Roland R. Ropers erscheint wöchentlich exklusiv in der EPOCH TIMES Deutschland.

Jeder, der viel gereist ist, dem sind die englischen Worte „arrival“ (Ankunft) „departure“ (Abreise, Abflug) völlig geläufig. „Departure“ kommt vom lat. Substantiv „dispertitio“ (Zerteilung). Wenn es das Wort „arrival“ gibt, warum dann nicht auch sinnvollerweise das Wort „derival“, was man vergeblich im Oxford Dictionary suchen wird.

Ankommen (lat. advenire, daher auch das deutsche Wort Advent) ist die höchste Form des Gegenwärtig-Seins, der Präsenz. Wenn ich angekommen bin, dann bin ich da. Arrival hat sowohl mit lat. „ripa (Ufer) wie auch „rivus“ (Bach, kleiner Fluss) zu tun; „fluvius“ ist bereits ein größerer Fluss. Im Englischen hat man sich für „river“ entschieden, der eigentlich ursprünglich eher klein ist.

Sehr interessant und aufschlussreich ist die Tatsache, dass das Wort Abenteuer (engl.: adventure, frz.: l`aventure) ebenfalls von lat.: „advenire“ (ankommen) stammt. Alles das, was auf mich zukommt, was an mich herankommt, ist Abenteuer.

Advent und Abenteuer sind wesentliche, immerwährende Bestandteile unseres täglichen Lebens. Das, was ankommt, muss ich als real in Empfang nehmen. Unser Leben ist ein täglich neues Abenteuer und Risiko und nicht bedingt kalkulierbar. Wenn das Risiko (lat.: „resecum“: die Felsklippe) auf mich zukommt, muss ich den Abgrund überwinden, um das Abenteuer, welches Leben heißt, zu bestehen. Von dem lat. Wort „resecum“ kommt das Wort Risiko.

Die Mystiker und Weisen sprechen vom Abgrund, von der unermesslichen Tiefe des göttlichen Seins. Wer diesen Abgrund berührt und überwunden hat, kennt das allgegenwärtige Abenteuer Leben.

Jeder wünscht sich auf seinem Lebensweg am Ufer des Flusses (diesseits und/oder jenseits) anzukommen und die Herkunft („derival“) hinter sich zulassen.

Unter lat. „derivare“ verstehen wir landläufig: ableiten, herkommen. Mit Derivaten, mit Abkömmlingen von substanzloser Leere haben die Banken und Investmentinstitute ahnungslosen Anlegern Geld-Abfallprodukte verkauft, die insgesamt wertlos waren. Es handelt sich um ein Großverbrechen.

Die Leerverkäufer haben Habenichts-Zertifikate in Milliardenhöhe in den Umlauf gebracht. Diese grandiosen Finanz-Gaukler haben ihre Kunden in das totale Nichts abstürzen lassen, in die völlige Besitzlosigkeit, wo dann die Leere – wenn man geistig gut genug geschult ist – als Sein & Fülle des Lebens erfahren werden kann. Denn nach dem Tode können wir ohnehin nichts mitnehmen. So helfen uns die Nirvana-Banker schon zu Lebzeiten, das Los-lassen einzuüben.

Im 4. Kapitel von Lao Tse’s Tao Te King heißt es:

Der Weg ist wie ein leeres Gefäß,
man schöpft aus ihm,
doch er bleibt unerschöpflich.
Er ist ein Abgrund,
der Ursprung der zehntausend Dinge.
Er mildert die Schärfen,
löst die Knoten,
schwächt den blendenden Glanz, wischt den Staub fort.
Der Weg verbirgt sich,
aber er ist immer gegenwärtig.
Ich weiß nicht, woher er kommt.
Er ist das ursprüngliche Bild vom Ursprung des Himmels.

{R:2} Der Religionsphilosoph Roland R. Ropers ist Autor und Herausgeber etlicher Bücher:

Was unsere Welt im Innersten zusammenhält: Hans-Peter Dürr im Gespräch mit bedeutenden Vordenkern, Philosophen und Wissenschaftlern von Roland R. Ropers und Thomas Arzt; 2012 im Scorpio Verlag

Eine Welt – Eine Menschheit – Eine Religion von Bede Griffiths und Roland R. Ropers

Gott, Mensch und Welt. Die Drei-Einheit der Wirklichkeit von Raimon Panikkar und Roland R. Ropers

Die Hochzeit von Ost und West: Hoffnung für die Menschheit von Bede Griffiths und Roland R. Ropers

Geburtsstunde des neuen Menschen. Hugo Makibi Enomiya-Lassalle zum 100. Geburtstag von Roland R. Ropers

 

 

 

 

 

 

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