Fernsehmikrofone mit den Logos von „ARD“/„BR“ und „ZDF“.Foto: Peter Kneffel/dpa

„Chefredakteur war Alkoholiker und wurde übergriffig“: Die Heuchelei des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland

Von 7. Dezember 2018 Aktualisiert: 8. Dezember 2018 7:09
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland inszeniert sich nach außen gern als Wächter der Weltoffenheit und der Gleichberechtigung. In einer Befragung, an der sich 1936 freie Mitarbeiter von ARD, ZDF & Co. beteiligten, ist demgegenüber häufig die Rede von diskriminierendem Verhalten gegenüber Frauen, Migranten und Homosexuellen.

Das Selbstbild des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zeigt diesen gerne als Hort eines freien, unabhängigen und kritischen Journalismus, dessen moralische Autorität so unanfechtbar ist, dass er dazu berufen sei, seine Pflichtbeitragszahler nicht nur zu informieren, sondern auch zu erziehen.

Dies gilt insbesondere mit Blick auf den Umgang mit Einwanderern oder dem anderen Geschlecht – jenen Bereichen, in denen das Juste Milieu deutscher Medienschaffender der Masse der deutschen Bevölkerung durch die Bank erhebliche Defizite zuzuschreiben pflegt.

Nun präsentiert die Fraktion der Partei „Die Linke“ im Deutschen Bundestag eine Studie, die den Schluss nahelegt, manche Mitarbeiter der mittels Pflichtabgabe finanzierten Leitmedien könnten diesbezüglich von sich selbst auf andere schließen.

Die Fraktion und die Rosa-Luxemburg-Stiftung hatten auf Grundlage von Vorgesprächen mit Vertretungen der freien Mitarbeiter von MDR, RBB, WDR, BR und der Deutschen Welle, Gewerkschaftsvertretern von ver.di, dem Deutschen Journalistenverbandes (DJV) und weiteren Funktionären eine Online-Erhebung unter Beschäftigten der Sender organisiert. Diese wurde von März bis August 2018 mittels des Befragungsportals SurveyMonkey und ab April 2018 über das Portal Easy-Feedback durchgeführt.

Hälfte will Diskriminierung zumindest beobachtet haben

Es wurden mehrere Aspekte der Beschäftigungssituation und des Umfelds abgefragt, ein Schwerpunkt lag dabei auf der Situation der freien Mitarbeiter. Von diesen gibt es mehr als 12 000 gegenüber etwa 25 000 Festangestellten. Ein weiterer Fokus dabei lag auf der „Diskriminierung am Arbeitsplatz“ – und die Ergebnisse der Befragung waren, glaubt man den Auftraggebern der Studie, durchaus durchwachsen.

Gut die Hälfte der befragten Mit­ar­bei­ter im öffentlich-rechtlichen Rundfunk habe demnach „Diskriminierung im Berufsleben“ zumindest schon einmal beobachtet. Eine objektive Definition des Begriffes der Diskriminierung gibt die Studie nicht, vielmehr wird auf deren „Wahrnehmung“ abgestellt und es findet Erwähnung, dass diese „aufgrund von Geschlecht, Alter, Herkunft, Religion, sexueller Orientierung“ erfolgen oder in sexueller Belästigung sowie Mobbing bestehen könne.

Auch räumen die Autoren der Studie selbst ein, dass es Fragezeichen dahingehend gebe, wie repräsentativ die Antworten insgesamt seien, da die Beteiligung an der Erhebung zwischen Sendeanstalten und Standorten variierte.

Es ist wohl davon auszugehen, dass Befragte, die mit ihrer Situation unzufrieden sind und deshalb ein ausgeprägteres Belastungsinteresse gegenüber ihrem Auftraggeber aufweisen, eher dazu neigen, an der Befragung teilzunehmen als andere, die dazu eingeladen wurden. Möglicherweise haben auch einige Befragte, bei denen die starke Betonung von Themen rund um „Diskriminierung“ oder „Geschlechtergerechtigkeit“ Unlustgefühle auslöst, die dies aber nicht offen äußern würden, die Anonymität der Befragung auch zur Subversion durch nicht ernst gemeinte Antworten genutzt. Immerhin hat die Verwendung eines ideologisch aufgeladenen Sprachgebrauchs, etwa in Form der Asterisk-Schreibweise, gleich von Beginn an den Fragebogen mit einem politischen Statement verknüpft.

Bei sexueller Belästigung „nicht von Einzelfällen auszugehen“

Insgesamt haben, so die Auftraggeber, bundesweit 1936 freie Mitarbeiter öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten die Fragen zur Diskriminierung beantwortet. Von diesen wollten rund 27,7 Prozent sogar selbst solche erfahren haben.

„Die Situation bei den Öffentlich-Rechtlichen ist nur wenig besser als beim Durchschnitt der Bevölkerung“, meint dazu Jörg Langer, der die Studie durchgeführt hat, gegenüber der taz.

Etwa 29 Prozent der angegebenen Fälle erlebter Diskriminierung bezogen sich auf Fälle von Mobbing. Fast jeder fünfte Fall (18 Prozent) hatte mit „Geschlechterdiskriminierung“ zu tun und etwa jeder sechste Fall mit „sexualisierter Belästigung“ oder Alter zu tun. In der Studie heißt es, dass „80 Frauen, 18 Männer sowie zwei Personen anderen Geschlechts“ ganz konkret von sexualisierter Belästigung an ihrem Arbeitsplatz berichtet hätten. Somit könne diesbezüglich „nicht von Einzelfällen ausgegangen“ werden.

Dabei nahmen 62 Befragte die Möglichkeit der konkreten Beschreibung von Fallbeispielen wahr. Die Klagen reichen dabei von der Aussage, das Unternehmen biete Mitarbeitern über 40 keine Ausbildung oder beruflichen Aufstieg, über „Entlohnung nach Sprachgruppe“ bis hin zu Angeboten zu Ausbildung und beruflichem Aufstieg, die einem männlichen Angestellten gemacht, aber zurückgezogen worden seien, „weil er nicht an einer sexuellen Beziehung mit einer Oberin interessiert war“. Ein Mann soll seiner Homosexualität wegen aus dem Unternehmen gemobbt worden sein, einem anderen wurde es mit der Begründung verwehrt, on air zu gehen, weil der Betreffende „so schwul klingt“.

„Gläserne Decke“ für Mitarbeiter aus Einwanderercommunitys

Andere Klagen betrafen – möglicherweise auch auf Hypersensibilität hinweisende – „frauenfeindliche“ oder „homophobe“ Sprüche und Witze. Andererseits soll es auch zu tatsächlichen Grenzüberschreitungen wie ungebetenen körperlichen Annäherungen gekommen sein. Schwangeren Kolleginnen sollen berufliche Konsequenzen angedroht worden sein.

Eine Befragte schilderte:

Während meines Volontariats wurde ich sowohl von meinem Chefredakteur als auch von dessen Stellvertreter massiv sexuell bedrängt, außerdem von diversen Redakteuren, das galt ja damals als Kavaliersdelikt. Unser Chefredakteur war ein Alkoholiker und bekannt dafür, dass er sich bei Treffen volllaufen lässt und dann übergriffig wird. Da ich bei Veranstaltungen häufig zu spüren bekam, dass er handgreiflich wurde, habe ich ihn immer wieder vertröstet, wenn er mit mir allein ein Bier trinken gehen wollte. Daraufhin hat er mein Abschlusszeugnis nicht unterschrieben.“

Entgegen der Selbstdarstellung der öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland als betont weltoffen sollen Befragten mit Migrationshintergrund mit durchschnittlich 45,7 Prozent deutlich häufiger Diskriminierung am Arbeitsplatz erlebt haben als solche ohne (26,7 Prozent). Neben häufigeren sexuellen Belästigungen seien auch die Karriereaussichten der Betroffenen limitierter:

„Menschen mit Migrationshintergrund können die ‚gläserne Decke‘ kaum durchbrechen. Dabei gibt es auch Unterschiede, welche Herkunft die Menschen mitbringen. Da es noch bis vor Kurzem kaum Menschen mit Migrationshintergrund in den öffentlich-rechtlichen Anstalten gab, ist es schwer, dies näher zu schildern, ohne konkret zu werden. Stichworte allgemein, was schiefläuft: Zugang zu den Aufträgen, selbstständige Ausführung wie bei ‚deutschen‘ Kollegen üblich, Themenvergabe meist im Kontext des ‚Heimatlandes‘.“

Linke: „Verteidigerin des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“

Die Diskriminierungserfahrungen seien nur ein Teil einer deutlich größeren Untersuchung zur sozialen und beruflichen Situation der Freien bei den ARD-Landesrundfunkanstalten, dem ZDF, dem Deutschlandradio und der Deutschen Welle. Die übrigen Ergebnisse sollen Ende Januar vorgestellt werden.

Offenbar um den absehbaren Vorwurf, Wasser auf die Mühlen der AfD zu leiten, schon im Voraus zu entkräften, erklärte der Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch gleich zu Beginn seiner Präsentation, die Linke sei „eine Verteidigerin des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“. Dagmar Enkelmann, die Leiterin der Rosa-Luxemburg-Stiftung, warb angesichts der Zustände für eine „vernünftige Finanzausstattung“. Es wäre offenbar nicht die Linke, würde sie nicht davon ausgehen, dass auch tiefgreifende systemische Missstände durch noch mehr Geld und noch mehr Umverteilung in den Griff zu bekommen wären.


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