Die Rückeroberung des verlorenen Imperiums der schönen Künste

Von 17. July 2018 Aktualisiert: 21. Juli 2018 16:30
"Die Kunst ist zum Niemandsland geworden. Jeder kann sich zum Künstler oder gar zum Genie ernennen. Jeder Farbenfleck, jeder Kritz und jeder Kratz kann zum Kunstwerk im Namen des heiligen Subjektivismus erklärt werden." Sagte Victor Vasarely (1908 -1997) - Gastautor Manfred von Pentz findet sich damit nicht ab.

„Kunst hervorzubringen ist ein schlichtester und härtester Beruf, aber zugleich ein Schicksal, und, als solches, grösser als jeder von uns, gewaltiger und bis jetzt unermessbar.“ Rainer Maria Rilke (1875 -1926)

Rilkes Schicksal lässt sich mit der reinen Vernunft nicht ausloten. Denn, so könnte man einen anderen Poeten zitieren, in der „stillen Unermesslichkeit des Seins erklingt es tief in der Seele als eine geheimnisvolle Empfindung, als das intuitive Erkennen eines mächtigen und zeitlosen Stroms jenseits aller bekannten Dimensionen, als ein Wissen, das nur gefühlt und niemals in Worte gefasst werden kann“.

Vasarelys Diktum dagegen wird voll verständlich, wenn man in den Museen der Moderne oder staatlich subventionierten Kunstvereinen die Meisterwerke unserer Gegenwartskünstler betrachtet und sich betroffen fragt, wann die Republik denn nun vollends dem Wahnsinn verfällt. Oder wenn man in den Feuilletons der Qualitätspresse die geschwollene Laudatio auf einen berühmten Kleckerkönig liest und genau weiss, dass der nur seine arme Seele für ein paar Millionen an jene geheimen Eliten verkauft hat, die alles daransetzen, um unser grandioses europäisches Kulturerbe restlos zu zerstören.

Letzteres ein Vorsatz, der Jahrzehnte lang äusserst effektiv in die Praxis umgesetzt wurde, neuerdings aber an Schubkraft verloren hat. Denn unser politisches Mauschelsystem, bislang so felsenfest gegründet, ist plötzlich schwer ins Schleudern geraten, und entsprechend wird seine einst übermächtige Kunstmafia immer mehr als solche erkannt. Was die freudige Vermutung zulässt, dass der ganze Spuk demnächst im Mülleimer der Geschichte landet.

Wohingegen jene edlen Ritter der Schönen Künste, die sich nicht beirren liessen und ganz im Stillen Werke schufen, die sich durchaus mit denen unserer vergangenen Grossmeister messen können, langsam wieder zu Ehren kommen und so daran gehen, das verlorene Imperium zurückzuerobern.

Es war eine magische Zeit, als noch allerlei Götter unterwegs waren, als jeder Bach einer schönen Nymphe gehörte, als Einhörner durch stille Haine streiften, als der Klang von Panflöten im raschelnden Schilf ertönte, als in jedem Baum ein Kobold lebte, der respektvoll behandelt werden wollte. Eine Zeit, als die Welt keine Grenzen kannte und die Menschen sich standhaft weigerten, eine klare Linie zwischen Tag und Traum zu ziehen.

Insbesondere das Sichten eines Einhorns, vielleicht während einer sommerlichen Vollmondnacht, galt als grosser Glücksfall, denn dies beinhaltete ja, wie in verlässlichen Legenden überliefert, eine Chance auf die Rückgewinnung unserer Unschuld und somit einen gesicherten Zugang zum Paradies am Ende des Lebens. Und traf man, welch Wunder, einmal auf ein sehr junges Exemplar dieser verzauberten Gattung, so bedeutete dies die Erfüllung aller positiven Wünsche und Träume überhaupt.

Ein solches Fabelwesen habe ich als eine einigermassen authentische Darstellung in einem Ölgemälde untergebracht, welches, nicht ganz überraschend, „Dame mit Einhorn“ betitelt ist. Das Bildnis ist Teil meines malerischen Lebenswerkes, das insgesamt an die zwanzig Exemplare umfasst, davon etwa die Hälfte verschollen. Warum dies so ist, bzw. weshalb es so herzlich wenig sind, lässt sich einfach erklären.

Nach Abschluss einer Grafiklehre zog ich erst für einige Jahre in die weite Welt, erwarb sodann einen Bauernhof in Frankreich und begann zu malen. Der Stil war konsequent klassisch, die Thematik leicht surreal wie etwa „Die Befreiung des Paradiesvogels“, dessen Konzeption aus dieser Zeit stammt. Nachdem ich fast ein Jahr hart gearbeitet und an die zehn Werke fertig hatte, fuhr ich frohgemut und mit von Stolz geschwollener Brust erst nach Paris und dann nach Genf, um meine Machwerke zu Höchstpreisen anzubieten.

Aber wohin ich auch kam, welche bedeutende oder weniger bedeutende Kunstgalerie ich aufsuchte, überall traf ich auf höfliche Ablehnung oder völliges Desinteresse.  Bis mich einmal ein wohlwollender Galerist zur Seite nahm und ungefähr Folgendes sagte: „Was heute zählt ist moderne Kunst. Sie hat mit der klassischen Kunst ungefähr soviel zu tun wie ein quietschender Keilriemen mit Mozarts Zauberflöte. Sie wird kontrolliert von einer geheimen Elite, die entscheidet, ob du berühmt wirst und Millionen verdienst.

Was du produzierst ist unwichtig, es kann auch Rotz aus deiner Nase sein, den du auf eine Leinwand schmierst. Hauptsache, du hast die richtigen Verbindungen und den unumstösslichen Vorsatz, die Schönen Künste so gnadenlos wie nur möglich zu verschmutzen und zu zerstören.“

Zwar schienen mir damals die Aussagen des Mannes völlig überdreht, aber rein praktisch gesehen war an ihrem Realitätsbezug nicht zu zweifeln. Und so liess ich in tiefer Trauer ab von Pinsel und Palette, verkaufte meinen Bauernhof, verschenkte meine Gemälde, wurde Bauunternehmer in Spanien und verdiente genug Geld, um zwei Jahrzehnte später nach Italien überzusiedeln und für eine Weile dem dolce far niente zu frönen. Das jedoch wurde irgendwann langweilig, und so begann ich mit langen zeitlichen Unterbrechungen wieder zu malen. Hier einige Beispiele, der Rest ist auf meiner Webseite zu finden.

Wobei das in zweijähriger Arbeit entstandene Ölgemälde „Die Versuchung des Heiligen Antonius“ wohl als mein bedeutendstes Opus anzusehen ist, drückt es doch die heutige condition humaine bildlich einigermassen plausibel aus und wartet dabei mit einigen trefflichen Archetypen auf.

Wie etwa der Globalist, der Klappskunstmagister, de durchgeknallte Wissenschaftler, Justitia, der dekonstruktive Philosoph oder, inzwischen besonders aktuell, der Qualitätsjournalist.

Was Portraits anbelangt, so können sie aussehen wie hier …

… oder wie hier (Öl auf Leinwand).

Und wer altbackene Zeichnungen mag, dem gefallen vielleicht die Illustrationen zu einer kleinen Legende namens „Der Wanderzirkus“.

 

Sie endet mit den letzten Worten aus dem „Marionettentheater“ von Heinrich von Kleist:

„Mithin“, sagte ich ein wenig zerstreut, „müssten wir wieder von dem Baum der Erkenntnis essen, um in den Stand der Unschuld zurückzufallen?“                                                                                           „Allerdings“, antwortete er, „das ist das letzte Kapitel von der Geschichte der Welt.“

Alle Gemälde, Portraits und Zeichnungen sind als Poster erhältlich. Preise finden sich hier : http://www.manfredvonpentz.net/

Weitere Artikel von Manfred von Pentz auf Epoch Times:

https://www.epochtimes.de/tag/manfred-von-pentz

Themen
Panorama
Newsticker
Kommentieren
Werte Leserinnen und Leser,
Ihre Kommentare sind uns willkommen, bitte lesen Sie vorher die Netiquette HIER.
Die Kommentare durchlaufen eine stichprobenartige Moderation.
Beiträge können gelöscht oder Teilnehmer können gesperrt werden.
Bitte bleiben Sie respektvoll und sachlich.

Ihre Epoch Times-Redaktion