„Lügenpresse, Lügenfresse, oder was?!“ – Eklat bei Liveübertragung des ZDF-Morgenmagazins

Von 13. März 2019 Aktualisiert: 13. März 2019 19:19
Während der Liveübertragung des ZDF-Morgenmagazins stürmte eine aufgebrachte Frau am Mittwoch die Bühne und richtete scharfe Worte an das Moderatorenteam aus Dunja Hayali und Andreas Wunn. Die Journalisten zeigten sich bereit, mit der Frau das Gespräch zu suchen.

Ein Zwischenfall überschattete am Mittwochmorgen die Übertragung des ZDF-Morgenmagazins aus dem Berliner Hauptstadtstudio des Senders im Zollernhof. Eine Zuschauerin, über die bis dato noch wenig bekannt ist, nahm offenbar die Berkeley-Framing-Aussage über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als „verlängerten Arm der Bürger“ allzu wörtlich.

Kurz, nachdem die Moderatoren Dunja Hayali und Andreas Wunn die nächsten Programmpunkte für die Sendung angekündigt hatten, stürmte die Frau auf die Bühne und drängte mit ihrem eigenen Arm Hayali zur Seite. Anschließend richtete sie in ungehaltenem Ton an beide ZDF-Journalisten die Worte: „Müsst ihr hier eigentlich alle anlügen? Lügenpresse, Lügenfresse, oder was?!“

„Dialogbereit, nicht nur hier“

Hayali versucht, die Situation zu beruhigen. Sie bietet der Frau ein Gespräch an, was diese erst zurückweist. Wunn erklärt:

Wir wissen jetzt gerade nicht, was hier los ist. Wir klären das gleich und geben jetzt erst mal nach Mainz zu den Nachrichten.“

Bevor die Regie dieser Aufforderung nachkommt, hört man, wie Hayali ihr Gesprächsangebot noch einmal erneuert.

Nach dem Ende des Nachrichtenblocks ist die Frau nicht mehr auf der Bühne. Die Moderatoren erklären, die Frau sei nicht aus dem Saal geworfen worden. Man werde im Anschluss an die Sendung mit ihr über die Probleme spreche, die sie habe oder die sie bewegen. Man sei, so Hayali, „dialogbereit, nicht nur hier“, sagte Hayali.

Hayali, die aus einer Familie irakischer Christen aus Mossul stammt, moderierte und moderiert seit 2007 Sendungen des ZDF, unter anderem die „heute“-Nachrichten, das „heute-journal“ (als Co-Moderatorin), das „Aktuelle Sportstudio“ und das „Morgenmagazin“.

Auf Grund ihrer exponierten Position im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wurde sie im Zuge eines zunehmenden Vertrauensverlustes in etablierte Medien zu einem der Hauptziele von Kritik vonseiten unzufriedener Zuschauer in sozialen Medien. Oftmals wurde sie dabei auch mit beleidigenden Kommentaren konfrontiert, die ihre nichtdeutsche Herkunft zum Thema machten. In ihrem Buch „Haymatland – Wie wollen wir zusammenleben?“ schreibt sie über diese Erfahrungen.

Jörg Meuthen verurteilte Hasstiraden gegen „reflektierte“ Journalistin

Nachdem ein Interview Hayalis wieder zu teils sehr aggressiven Anfeindungen in sozialen Medien geführt hatte, nahm AfD-Parteichef Jörg Meuthen die Journalistin in einem Beitrag auf Facebook persönlich in Schutz. Meuthen sprach von „zum Teil regelrecht widerwärtigen Hasstiraden“, denen Hayali ausgesetzt sei und die „abscheulich“ seien. Meuthen nannte Hayali eine „reflektierte, differenzierte, im persönlichen Umgang ausgesprochen nachdenkliche und ich möchte sagen auch angenehme Frau“.

Berührungsängste gegenüber Andersdenkenden zeigt die ZDF-Journalistin auch tatsächlich nicht. Im März 2017 plädierte sie in einem Interview mit der konservativen Wochenzeitung „Junge Freiheit“ für einen offenen Dialog ungeachtet politischer Positionen: „Wir müssen die Meinung des anderen aushalten können, ohne sie sofort zu verunglimpfen oder persönlich zu werden.“

Journalisten, so Hayali, sollten Bürger mit Verständnis und mit Respekt behandeln, umgekehrt sei ein solcher Umgang jedoch ebenfalls vonnöten. Journalisten würden Fehler machen, das seien aber noch keine Fake-News.

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