Munich-Re-Analyst enttäuscht: „Klima-Retter retten das Klima nicht“

Von 8. Februar 2019 Aktualisiert: 8. Februar 2019 14:23
Im Interview mit dem Publizisten Gabor Steingart beklagt Ernst Rauch von der Munich Re, dass auch 24 Weltklimakonferenzen nichts am zunehmenden Ausstoß sogenannter Treibhausgase geändert hätten. Dennoch hält er weitreichende Maßnahmen für geboten.

Die vergangenen fünf Jahre waren die heißesten seit Beginn der modernen Wetteraufzeichnungen, warnt die US-Raumfahrtbehörde NASA und präsentierte jüngst eine Animation, die Kunde geben soll von dem seither dokumentierten Temperaturanstieg. Diese Entwicklung – kombiniert mit darauf aufbauenden Computersimulationen – stellt eine der tragenden Säulen der These einer menschengemachten Erderwärmung dar, die zu katastrophalen Folgen führe, sollten die Staaten nicht weitreichende Maßnahmen gegen die Emission sogenannter Treibhausgase treffen.

Der Beginn der modernen Wetteraufzeichnungen datiert zurück auf das Jahr 1880. Zuvor mussten andere Quellen herhalten, um Aussagen über die Temperaturentwicklung treffen zu können. Daten wurden beispielsweise aus den Zeitreihen von Baumringen, aus Mooren, Eisbohrkernen, Sedimenten oder historischen Ereignissen von der Alpenüberquerung Hannibals bis hin zum Beginn der jährlichen Weinlese gewonnen.

Erwärmung seit 1880 folgt 500-jähriger Kaltphase

Der seit 1880 festgestellten Phase einer Erwärmung von im Schnitt 0,07 Grad pro Jahrzehnt war eine Kleine Eiszeit vorausgegangen, die vom 14. bis zum 19. Jahrhundert andauerte. In der sogenannten mittelalterlichen Warmzeit vom 9. bis zum 11. Jahrhundert sowie in der Zeit zwischen 250 v. Chr. und 400 n. Chr. erlebte zumindest die Nordhalbkugel Phasen, in denen die Temperaturen über das heutige Level hinausreichten.

Ähnlich schwierig wie der Vergleich von Klimaentwicklungen früherer Jahrhunderte mit modernen Aufzeichnungen und darauf basierenden Simulationsmodellen gestalten sich Aussagen über die Entwicklung von Naturkatastrophen. Auch hier ist zu berücksichtigen, dass sich von früheren Jahrhunderten bis heute durch Befestigungen, Eingriffe in Flussläufe oder weitere Faktoren die Bedingungen verändert haben. So trafen etwa im Jahr des Magdalenenhochwassers des Jahres 1342 Wassermassen vom 50- bis 100-Fachen des Hochwassers an der Oder 1997 oder der Elbe 2002 und 2013 auf weitgehend noch unverbautes Land ohne nennenswerte Schutzvorrichtungen und verwüsteten einen großen Teil Deutschlands.

Ernst Rauch vom weltgrößten Rückversicherer Munich Re geht in jedem Fall aber davon aus, dass die Zahl und Höhe der Schäden durch Naturkatastrophen im Laufe der letzten Jahrzehnte zugenommen habe.

Während nach Angaben der Swiss Re, über die die „Basler Zeitung“ berichtete, der gesamtwirtschaftliche Schaden bis einschließlich Juni 2018 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 weltweit von 64 auf 36 Milliarden US-Dollar fast halbiert hatte und die Summe unter dem Halbjahresdurchschnitt von 125 Milliarden der letzten zehn Jahre lag, sorgten die Waldbrände in Kalifornien im zweiten Halbjahr noch einmal für einen Anstieg. Rauch geht im Gespräch mit dem Morning Briefing Podcast des Publizisten Gabor Steingart von einer gesamtwirtschaftlichen Schadenssumme von 24 Milliarden US-Dollar aus, von denen lediglich 18 Milliarden US-Dollar versichert gewesen seien.

Mehr Naturkatastrophen – oder mehr Versicherungsfälle?

In den letzten knapp vier Jahrzehnten, so erklärt Rauch, sei die Zahl der für Versicherer zu Buche schlagenden Ereignisse um mehr als das Doppelte gestiegen. In den 2010er Jahren gab es demnach im Schnitt 640 Naturkatastrophen jährlich. In den Achtzigern waren es mit 290 nur knapp halb so viele. Zu den Schadensfällen zählten Dürren, Waldbrände, Taifune und Überschwemmungen und die damit verbundene Vernichtung von Tierherden, Waldbeständen und Ernteerträgen. Allein durch die Dürre in Europa im Jahr 2018 sei laut Munich Re ein direkter Schaden von 3,9 Milliarden US-Dollar entstanden.

Wie n-tv berichtet, liegt das höhere Aufkommen an Versicherungsfällen und damit vonseiten des Rückversicherers aufgezeichneten Naturkatastrophen auch daran, dass vor allem in Industriestaaten mehr Unternehmen und Privatleute gegen Naturgefahren versichert seien als früher. Auch ist davon auszugehen, dass sich der Umfang und die Bedingungen für die Deckung von Versicherungsrisiken im Laufe der Jahrzehnte auf dem schnelllebigen Versicherungsmarkt gewandelt haben.

Rauch meint, dass der Mensch zwar nicht die alleinige, aber die wichtigste Ursache der Erderwärmung während der letzten 130 Jahre gewesen sei.

Nicht die gesamte Erderwärmung, aber mehr als die Hälfte ist auf den Menschen und die von ihm verursachten Treibhausgasemissionen zurückzuführen.“

Dass ideologische oder finanzielle Interessen – beispielsweise Erträge aus höheren Versicherungsprämien – die Neigung, den Klimawandel zu dramatisieren, beeinflussen könnten, hält er für unwahrscheinlich:

Die Phänomene, die wir beobachten, sind Physik und nicht irgendetwas, das man in die ideologische Welt projizieren kann.“

Winterferienbeginn führt zu geringerer „Klimastreik“-Beteiligung

Die bisherigen Ergebnisse sogenannter Klimaschutz-Bemühungen auf internationaler Ebene hält der Munich-Re-Prognostiker für ineffizient. Die „Klima-Retter“, so sein Fazit, „retten das Klima nicht“. Trotz mittlerweile 24 Weltklimakonferenzen unter dem Dach der Vereinten Nationen seien die Emissionen sogenannter Treibhausgase weiter angestiegen.

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Ausgerechnet in den klimaskeptischen USA ist es, wie die „Welt“ einräumt, mit marktwirtschaftlichen Mitteln gelungen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Demgegenüber verfehlt Deutschland weiterhin regelmäßig, wie laut „Zeit“ auch dem jüngsten Klimabericht der Bundesregierung zufolge, seine selbst gesteckten „Klimaziele“.

Ernst Rauch übt sich entsprechend in Pessimismus:

Wir sind nun an einem Punkt angekommen, an dem Veränderung der langfristigen Trends – und das muss man ehrlich sagen – wehtun. Diesen Schmerzpunkt haben wir erreicht.“

Diese Trendumkehr könne es jedoch nur geben, wenn man „ungefähr in der Mitte dieses Jahrhunderts bei null Emissionen angekommen“ sei.

Unterdessen zeichnet sich beim zweiten sogenannten „Klimastreik“ von Schülern und Studenten am heutigen Freitag (8.2.) zumindest stellenweise eine geringere Beteiligung ab als bei der ersten Aktion dieser Art. So sind beispielsweise in Halle, wie das Blog „Du bist Halle“ berichtet, nur 100 Personen zu der Klima-Kundgebung erschienen. Beim letzten Mal war von 200 die Rede. Ein möglicher Grund ist der Beginn der Winterferien im Bundesland Sachsen-Anhalt, der manche Schüler davon überzeugt haben könnte, lieber dem zu einem früheren Zeitpunkt endenden Schulunterricht beizuwohnen.

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