OECD-Bildungsdirektor gegen Lernmethode „Schreiben nach Gehör“

Epoch Times1. Januar 2019 Aktualisiert: 1. Januar 2019 19:12
OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher wünscht sich, dass Lehrer Grundschüler nicht nach der Methode "Schreiben nach Gehör" unterrichten. Am besten lernen Grundschüler nach der klassischen Fibelmethode.

OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher rät Lehrern davon ab, Grundschüler nach der Methode „Schreiben nach Gehör“ zu unterrichten. „Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind eindeutig. Schreiben nach Gehör ist keine gute Idee“, sagte Schleicher den Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“.

Die Gefahr sei, dass vor allem schwächere Schüler dabei auf der Strecke blieben, so Schleicher weiter, der Chef der internationalen Bildungsstudie Pisa ist. „Ich würde mir wünschen, dass Lehrer nicht auf diese Methode setzen“, sagte der OECD-Bildungsdirektor.

Einer Grundschul-Lese-Untersuchung IGLU von Ende 2017 zufolge kann jeder fünfte Zehnjährige in Deutschland nicht so lesen, dass er den Text auch versteht. Und der bei Viertklässlern erhobene IQB-Bildungstrend 2016 ergab, dass nur 55 Prozent orthografische Regelstandards erreichen oder übertreffen.

Die klassische Fibelmethode führt zu besserer Rechtschreibung

Grundschüler lernen Rechtschreibung am besten nach der klassischen sogenannten Fibelmethode. Zu diesem Ergebnis kam eine Bonner Studie, bei der die Lernerfolge von gut 3000 Grundschulkindern in Nordrhein-Westfalen analysiert wurden.

Andere Ansätze wie „Lesen durch Schreiben“ und „Rechtschreibwerkstatt“ schnitten weitaus schlechter ab. Bei der Fibelmethode werden Buchstaben und Wörter schrittweise und nach festen Vorgaben eingeführt.

Danach lernende Kinder hatten mit Abstand die besten Rechtschreibkenntnisse, wie Una Röhr-Sendlmeier vom Institut für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie berichtet. Das Psychologenteam hatte über mehrere Jahre hinweg die Rechtschreibkenntnisse von Grundschulkindern in NRW verglichen, die nach drei verschiedenen Methoden Lesen und Schreiben lernten.

Ein fest vorgegebener Ablauf vom Einfachen zum Komplexen ist klar überlegen

Der beteiligte Bonner Wissenschaftler Tobias Kuhl erläutert zu der Forschungsarbeit: „Wir sind wertfrei rangegangen.“ Das „Lesen durch Schreiben“ und die „Rechtschreibwerkstatt“ führten nachweislich zu vielen Fehlern. Ein fest vorgegebener Ablauf vom Einfachen zum Komplexen habe sich als klar überlegen erwiesen.

Die mehr als 3000 Kinder wurden Kuhl zufolge zunächst nach ihrer Einschulung auf ihre Vorkenntnisse getestet. Danach seien fünfmal jeweils halbjährlich Diktate ausgewertet worden – immer waren Fibelkinder die leistungsstärksten.

Schüler, die mit „Lesen durch Schreiben“ unterrichtet wurden, machten am Ende der vierten Klasse im Schnitt 55 Prozent mehr Rechtschreibfehler, „Werkstatt“-Schüler sogar 105 Prozent mehr als Fibelkinder. Auch Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch war, profitierten vom „Fibel“-Ansatz. (dts/dpa/ks)

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