Professorin aus Jena geht neue Wege im Geografie-Unterricht

Titelbild
Mirka Dickel ist neue Professorin für Didaktik der Geographie der Universität Jena.Foto: Anne Günther/FSU
Epoch Times17. April 2012

Weltbild, Weltsicht, Weltanschauung, Lebenswelt – diese Begriffe zeigen schon, dass Welt an sich für uns nicht existiert. Wichtig sei die Beziehung des Einzelnen zur Welt, sagt Prof. Dr. Mirka Dickel von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. „Welt entsteht erst im Wahrnehmen, Erleben, im Denken und Handeln“, ist die neue Professorin für Didaktik der Geografie überzeugt. Daher will die 44-jährige gebürtige Bonnerin auch im Geografieunterricht weg von einer Stadt-Land-Fluss-Ausbildung hin zu einem Verstehen von Welt.

Ihre Studierenden sollen die „kulturellen Praktiken von Menschen in ihrer Vielfalt verstehen“, erhofft sich Dickel. „Sie sollen geografische Phänomene differenziert verstehen lernen, um daraus einen Blick auf das eigene Handeln zu werfen.“ Selbstständiges und vielperspektivisches Arbeiten ist Prof. Dickel daher wichtig.

Ausgangspunkt des geografischen Lernprozesses ist die eigene Frage. „Wichtig ist, dass die Studierenden sich immer wieder selbst in (die) Frage stellen“, findet die Neu-Jenaerin. Daher plädiert sie auch für einen kreativen Umgang mit dem geografischen Schulbuch. Geografische Lehrwerke tragen Leitbilder, Theorien und Konzepte an uns heran, die unsere Vorstellungen von der Welt vorstrukturieren und lenken. „Um den geografischen Blick zu differenzieren, reichern wir diese Texte im Unterricht durch die Dimensionen des Erlebens und der sozialen Praxis an.“ Denn neben der Ratio seien Emotion und Affekt extrem wichtig, um die Lebenswelten des „Doppelwesens Mensch“ zu verstehen.

Ein solches Denken hat Mirka Dickel für sich bereits während ihres Studiums der Fächer Geografie, Deutsch und Englisch eingefordert. „Ich habe gemerkt, dass die Lehramtsausbildung an den Lebenswelten der Schülerinnen und Schüler vorbeiging.“ Sie wollte es anders machen und ging – nach einem Jahr als Fremdsprachenassistentin in Großbritannien und dem Referendariat – 1997 in den Schuldienst als Lehrerin nach Aachen. „Ich komme aus der Praxis“, betont Prof. Dickel, doch von der Wissenschaft konnte sie nicht lassen. Als „Halbtagslehrerin“ promovierte sie 2004 über „Reisen. Erkenntnistheorie, Praxis und Reflexion für die Geographiedidaktik“ – extern in Jena. „Das System Schule ist auf Dauer sehr eng“, stellte Dickel in den zehn Jahren als Studienrätin für sich fest und entschied sich für die Wissenschaft, da es ihr „viel Freude bereitet, den Dingen tiefgründig und gründlich auf die Spur zu kommen“. Dafür sei im hektischen Schulalltag keine Zeit.

2008 wurde sie als Professorin an die Universität Hamburg berufen und wechselte im letzten Semester an die Universität Jena, da hier die Didaktik am Institut für Geografie angesiedelt sei und nicht nur extern in der Erziehungswissenschaft angeboten werde. Außerdem findet sie in Jena ein bildungsphilosophisches und kulturgeografisches Denken, das ihr sehr naheliege. Nicht zuletzt schätzt sie die Situation, „dass hier nicht technokratisch über Bildung nachgedacht wird“ und „die Fachwissenschaft Geografie zukunftsweisend aufgestellt ist“. Hier in Jena, wo die Naturliebhaberin bereits wohnt, werde sie u. a. in den Feldern gesellschaftliche Räumlichkeit, ästhetische Bildung, kulturelle Geografien sowie Lernen in Beziehung forschen und lehren, sagt Prof. Dickel und die zum Teil von ihr mitbegründeten geografischen Fachzeitschriften weiter betreuen. (Axel Burchardt / idw)



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