Lockdown. Die ganze Welt? Nein, ein Land von unbeugsamen Schweden leistet Corona – keinen – Widerstand

Die spinnen, die Schweden? Kein Lockdown, viele Tote und immer noch keine strengeren Maßnahmen in Sicht. Was seit dem Frühjahr immer wieder für starke Kritik sorgte, könnte sich als erfolgreiche Strategie im Kampf gegen Corona entpuppen. Ein Blick auf die – gar nicht so unterschiedlichen – Zahlen im Vergleich zu Deutschland.
Von 28. Oktober 2020

Wir schreiben das Jahr 2020, die ganze Welt hat sich im Kampf gegen das Corona-Virus in den Lockdown begeben. Die ganze Welt? Nein, ein Land von unbeugsamen Schweden leistet – keinen – Widerstand.

Während in Deutschland das öffentliche und wirtschaftliche Leben zum Erliegen kam, blieben in Schweden Schulen und Geschäfte offen. Lediglich ein für Alten- und Pflegeheime wurde ein Besuchsverbot ausgesprochen, doch auch dieses wurde inzwischen aufgehoben. Statt auf hastig beschlossene Notgesetze und Strafen setzt Schweden auf den gesunden Menschenverstand seiner Bevölkerung – und alle Menschen scheinen sich daran zu halten.

Weitreichende Einschränkungen oder gar einen (weiteren) Lockdown schließt Schwedens beratender Epidemiologe Anders Tegnell aus. „Ein Lockdown hat gravierende Konsequenzen“, sagte Tegnell. So zeigten verschiedene Berichte, dass Kinder Angstprobleme entwickelten, dass es mehr häusliche Gewalt und mehr Arbeitslosigkeit gebe. Damit, so der Epidemiologe weiter, seien Lockdowns keine langfristige Lösung. „[Die Konsequenzen] müssen Teil der Diskussion sein, wenn wir über den Nutzen solcher Maßnahmen sprechen.“

Der schwedische Sonderweg in Zahlen

Schwedens lockere Haltung gegenüber dem Corona-Virus spiegelt sich auch in den gemeldeten Fallzahlen wider. So meldet das Folkhalsomyndigheten, Schwedens oberste Gesundheitsbehörde, Ende Oktober (27.10.) 115.575 Krankheitsfälle, 2.683 Intensivbehandlungen und 5.918 Todesfälle.

Schweden hat jedoch nur etwa ein Achtel der Einwohner Deutschlands. Das erschwert zwar den Vergleich, macht ihn aber nicht unmöglich. Doch nicht jeder Vergleich ist sinnvoll. Sollen dennoch Äpfel und Birnen verglichen werden, müssen sowohl die Ausgangslage als auch gegebenenfalls unterschiedliche statistische Erhebungsverfahren berücksichtigt werden.

Deutschland Schweden
Bevölkerung
(Stand 31.12.2019)
83.166.711 10.327.589
davon in Großstädten
(>100.000 Einwohner)
26.725.699(1) 3.482.110(2)
Urbanisierung
32,14 % 33,72 %
Fläche
[km²]
357.582 447.435
Bevölkerungsdichte [Einwohner/km²] 232,58 23,08
Bevölkerungspyramide

Bevölkerungsstruktur Deutschland 2019. Foto: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Bevölkerungsstruktur Schweden 2019. Foto: Wikimedia Commons

Betrachtet man lediglich die Urbanisierung – jenen Anteil der Bevölkerung, die in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern lebt – unterscheiden sich Deutschland und Schweden nur minimal. Im weiteren Vergleich sollen zudem insbesondere die Fallzahlen pro 100.000 Einwohner Beachtung finden. Die Auswertung nach Altersklassen erfolgt so weit es die Daten des Folkhalsomyndigheten und des RKI zulassen.

Deutschland Schweden
PCR-positiv
(seit Februar 2020)
449.275(3) 115.785(4)
  pro 100.000 Einwohner 540,21 1.121,12
aktuell PCR-positiv 122.575(3)* 15.075(4)**
  pro 100.000 Einwohner 147,38 145,97
Intensivpatienten
(seit Februar 2020)
41.241(3) 2.683(4)
  pro 100.000 Einwohner 49,59 25,98
  Anteil an PCR-pos. 9,18 % 2,32 %
aktuell intensiv betreute Fälle 2.301(3)*** 45(4)**
  Anteil an aktuell PCR-pos. 1,88 % 0,30 %
Todesfälle 10.098(3) 5.918(4)
  pro 100.000 Einwohner 12,14 57,30
Sterberate
bzgl. PCR-Positiver
bzgl. Bevölkerung
2,25 %
0,012 %
5,11%
0,057 %
davon 85 % 70 Jahre oder älter(3)
4 U20 (davon 2 mit Vorerkrankungen)(3)
89 % 70 Jahre oder älter(4)
2 Fälle U20(4)

*berechnet aus der Differenz PCR-Positive – Genesene; ** Summer aller neuen Fälle 12.10. bis 27.10, entspricht etwa der RKI-Schätzung; *** das DIVI-Intensivbettenregister listete Stand 28.10.2020 13:00 Uhr 1.570 Corona-Patienten in Intensivbehandlung.

Die Weitsicht der Schweden

Anhand der Zahlen lassen sich drei grundlegende Aussagen über den (Miss-)Erfolg des schwedischen Sonderwegs in der Corona-Krise treffen:

  1. In Schweden kamen bereits mehr Menschen mit SARS-CoV-2/COVID-19 in Kontakt als in Deutschland. Pro 100.000 Einwohner zählte Schweden etwa doppelt so viele PCR-positiv Getestete und 4,7-mal mehr Sterbefälle. Die Zahl der aktuell intensiv behandelten Patienten ist nur etwa halb so groß wie in Deutschland. Doch die Gesamtzahl der Intensivbehandlungen ist um den Faktor 15 kleiner.
  2. Aktuell sind sowohl in Schweden als auch in Deutschland pro 100.000 etwa 145 bis 150 Einwohner positiv auf das Coronavirus getestet. In Schweden werden mehr als sechsmal weniger Corona-Patienten intensiv behandelt.
  3. Die Sterberate der Infizierten ist in Schweden etwa doppelt so hoch wie in Deutschland. Die Altersstruktur der Verstorbenen unterscheidet sich kaum.

Dem schwedischen Corona-Dashboard ist zudem zu entnehmen, dass die Zahl der täglich neu erfassten PCR-Positiven seit September stark steigt. Anders als in Deutschland ist die Zahl der Intensivbehandlungen oder gar Todesfälle hingegen seit Juli beziehungsweise August annähernd konstant.

Zeitlicher Verlauf der täglichen Neuinfektionen (positive PCR-Testergebnisse, oben), der täglich in die Intensivbehandlung aufgenommen Patienten (Mitte) sowie der täglichen Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 (unten). Foto: Screenshot/Folkhalsomyndigheten (27.10.2020)

Außerdem zeigt sich ein augenscheinlicher – nicht gesondert statistisch erfasster – Zusammenhang zwischen Schwere der Infektion und dem Alter. Während die Mehrzahl der positiv Getesteten zwischen 20 und 60 Jahre alt sind – ähnliches zeigt sich in Deutschland –, häufen sich die Intensivbehandlungen bei den Altersklassen 50 bis 80 Jahre. Fast 90 Prozent der Corona-Toten – jene Sterbefälle, bei denen ein positiver PCR-Test vorlag – war 70 Jahre oder älter. In Deutschland sind 85 Prozent der Todesfälle 70 oder älter.

Altersverteilung aller Corona-Infizierten (PCR-positiv, links), der Intensivpatienten (Mitte) sowie der Todesfälle (rechts) in Schweden. Foto: Screenshot/Folkhalsomyndigheten (27.10.2020)

Insgesamt sprechen die Zahlen gegen den Sonderweg Schwedens: Mehr Infizierte, mehr Tote. Es deutet sich jedoch an, dass Deutschland diesbezüglich „aufholt“.

Corona-Maßnahmen in Deutschland: Lockdown und Angst

Da in Schweden bereits mehr Menschen mit COVID-19 in Berührung kamen, ist die potenzielle Immunisierung größer. Während Deutschland zwar den Sprint – die kurzfristige Eindämmung im Frühsommer – gewonnen hat, steht Schweden momentan sowohl wirtschaftlich als auch im Corona-Marathon besser da. Entscheidend sind daher die weiteren Maßnahmen.

Der grundlegende Unterschied zwischen den deutschen und schwedischen Corona-Maßnahmen besteht in der Freiwilligkeit. Während in Deutschland unzählige Gesetze teils widersprüchliche Corona-Maßnahmen regeln, hat die schwedische Regierung fast nur Empfehlungen herausgegeben. Das Besuchsverbot in Altenheimen wurde Anfang Oktober aufgehoben. Es zählte zu den wenigen strengen Restriktionen in Schweden.

Am 22. Oktober verkündete die Regierung von Stefan Löfven Einschränkungen für Nachtclubs. Weitere Einschränkungen gelten für Ansammlungen von mehr als 50 Menschen. Bei Kultur- und Sportereignissen wurde die Obergrenze jüngst auf 300 Zuschauer angehoben.

Corona-Maßnahmen in Schweden: Transparenz und Hoffnung

Doch auch ohne weitreichende Einschränkungen halten sich die Schweden an einige unausgesprochene Regeln des gesunden Menschenverstandes. Allgemeine Hygienemaßnahmen, einschließlich Abstand halten, Händewaschen und „Nies-Knigge“ sind selbstverständlich und werden von der Bevölkerung meist unaufgefordert umgesetzt. Selbst in Supermärkten herrscht keine Maskenpflicht und Restaurants und Freizeitangebote blieben seit Beginn der Pandemie ununterbrochen geöffnet.

Ein weiterer Unterschied ist der transparente Umgang mit Informationen über Corona. Ähnlich wie in Deutschland fließen alle Daten bei der staatlichen Gesundheitsbehörde zusammen, werden jedoch übersichtlich, detailliert und nahezu in vollem Umfang veröffentlicht. Mit ein bisschen Vorwissen kann sich so auch ein Ausländer mit beschränkten Schwedischkenntnissen zügig in den Zahlen zurechtfinden. Die ebenfalls zum kostenlosen Download bereitgestellten Daten umfassen in mindestens drei Corona-Dashboards die Daten seit Beginn der Pandemie.

Die schwedischen Behörden unterscheiden zudem zwischen PCR-Tests und Antikörpertest und veröffentlichen dazu ebenfalls eine eigene Statistik, die bis in den Februar zurückreicht. Eine derartig umfassende – und übersichtliche – Auswertung des RKI für Deutschland liegt nicht vor.

Schließlich scheint das Virus in Schweden weniger bedrohlich als in Deutschland: Während das eine RKI-Dashboard momentan beängstigend tiefrot ist, erstrahlen die mehreren schwedischen Grafiken in Grün, der Farbe der Hoffnung. Grün hat jedoch eine weitere Sonderstellung unter den Farben, die auch das Militär nutzt. Das menschliche Auge erkennt mehr Abstufungen in Grün als in jeder anderen Farbe: Die Details in den Infografiken werden deutlicher.

Weitere Quellen:

Folkhalsomyndigheten (Gesundheitsbehörde Schweden) mit Wochenberichten (ähnlich RKI-Berichte) sowie Statistik zu PCR-/Antikörper-Testungen

Allgemeines Corona-Dashboard Schweden

Corona-Dashboard Schweden, Wochenstatistik nach Regionen

Corona-Dashboard Schweden, Wochenstatistik nach Gemeinden

Täglicher Situationsbericht Corona-Intensivpatienten

RKI-Corona-Dashboard Deutschland



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