„Was ist denn das Ziel der Maßnahmen?“ – Philosoph spricht über seine Skepsis und Bedenken zu Corona-Maßnahmen

Von 24. Mai 2020 Aktualisiert: 25. Mai 2020 13:35
Mit Blick auf die Corona-Krise sagt der Philosoph Markus Gabriel: "Der postmoderne Reflex ist nun in dieser Stunde, in der alle die Objektivität der Wissenschaft beschwören, tatsächlich zur Wirklichkeit geworden. Simulation und Wirklichkeit fallen zusammen." Er fragt sich: "Warum wird gegen andere Krankheiten nicht zu so drastischen Maßnahmen gegriffen?"

Im Interview mit NZZ bezeichnet Markus Gabriel Sars-CoV-2 als „ein psychologisch aufgeladenes Virus.“ Wir wüssten kaum etwas über das Virus aus China, würden aber den Fehler machen, „uns im digitalen Universum nach Informationen umzuschauen, und insofern gehören wir alle zur Gattung der eingebildeten Kranken.“ Die einzige Ausnahme sei der britische Premierminister Boris Johnson, denn dieser „war wenigstens eine Zeitlang, ein eingebildeter Gesunder“, so Gabriel.

Der Professor für Philosophie an der Universität Bonn und ständiger Gastprofessor an der Sorbonne in Paris, betont die Gefährlichkeit des Virus. In diesem Punkt seien sich auch alle Regierungen – mit Ausnahme von Nordkorea – einig. „Dieses Virus ist reine Wirklichkeit, die wir nicht bestreiten können, denn es tötet“, sagt er. Dies habe schließlich auch zum globalen Lockdown geführt.

Dennoch beobachtet er die derzeitigen Entwicklungen skeptisch: „Die Expertokratie hat nach dem Lockdown zu einer Dynamik des Ausnahmezustands geführt, die ihrerseits in eine Welt reiner epidemiologischer Computersimulation gemündet ist. Mit dem realen Virus ist die Virtualität mehrfach zurückgekehrt, nur anders: Die Politik orientiert sich an Computersimulationen, während wir alle uns im virtuellen Raum von Zoom und Skype treffen“, beschreibt der Philosoph die Lage.

„Simulation und Wirklichkeit fallen zusammen“

Das Leben in Deutschland werde aktuell von Virologen wie Christian Drosten und vom Robert-Koch-Institut gestaltet. Politiker kämen auch nicht um diese Expertise herum, so Gabriel. Dennoch gibt er zu bedenken: „Der postmoderne Reflex ist nun in dieser Stunde, in der alle die Objektivität der Wissenschaft beschwören, tatsächlich zur Wirklichkeit geworden. Simulation und Wirklichkeit fallen zusammen.“

Zudem betrachtet der Philosoph die Vorgehensweise der Epidemiologen skeptisch. Denn diese würden nur Modellrechnungen durchführen, was aber „Fiktion“ und nicht die Realität sei. Die künftige Ausbreitung des Virus werde von Modellen berechnet, die jedoch nicht die Fähigkeit hätten in die Zukunft zu schauen, betont er.

Deshalb seien diese Modelle eine Art Fiktion. Die Menschen in diesen Computersimulationen seien Punkte die sich ständig bewegen und berühren. „Und Berührung heißt natürlich: Infektion“, erklärt er. Doch diese Modelle würde sich im luftleeren Raum bewegen, wenn es keine empirischen Studien gebe – die es aktuell nicht gibt.

Schwache Datenlage

Eine Wirklichkeitssättigung der Modelle könne nur von zuverlässigen Daten aus der Wirklichkeit kommen, die es aber nur geben könne, wenn man diese Studien durchführen würde. Zudem seien auch die Konditionale höchst fragwürdig, fährt Gabriel fort. „Denn, wer sagt denn, dass sich alle Menschen ständig bewegen? Was ist mit denen, die freiwillig zu Hause bleiben, den Einsamen, den traurigen Alkoholikern? Die Vorhersage-Tools, die wir für menschliches Verhalten verwenden, sind inadäquat.“

Doch genau aus diesen „datentechnisch schwach unterfütterten Rechenmodellen“ seien Handlungsempfehlungen abgeleitet worden, die aktuell den Alltag von Millionen Menschen diktieren würden.

Gemäss der neuesten Harvard-Studie, die alle Politiker gelesen haben, müssen wir bis 2022 mit dem Virus rechnen – und also auch mit Verhaltensvorschriften und der schwerwiegenden Einschränkung unserer Freiheiten.“

Und das findet Gabriel genauso bedenklich, wie die Tatsache, dass man sich an frühneuzeitliche Wissenschaftsmodelle halte, „als würden die Menschenpunkte durch eine Art unsichtbares Naturgesetz gesteuert, das nur die Regierungen – dank den Modellierungen – zu erkennen vermögen. Damit wird Wirklichkeit nicht abgebildet, sondern erst geschaffen.“

Doch genau diese Vorstellung beruhige die Menschen, woraus sich seiner Meinung nach auch die hohen Zustimmungswerte zu den getroffenen Maßnahmen in allen Ländern ergeben würden.

„Was ist denn das Ziel der Maßnahmen?“

Dann kommt der Professor auf einen anderen Punkt zu sprechen: Politiker und Virologen würden in Talkshows sitzen, was den Bürger eigentlich skeptisch werden lassen müsse. Man müsse sich fragen: Wenn die Experten da sitzen, wie können sie dann ihren Job – nämlich forschen – machen? Aber in einer „Mediendemokratie“ habe dies genau den umgekehrten Effekt: „Die Leute beruhigen sich, und die Lage entspannt sich. Die Regierung bekräftigt, dass sie die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen alle zwei Wochen überprüfen werde.“

Doch über all dem schwebt für Gabriel die beunruhigende Frage – auf die er selbst auch keine Antwort hat – nämlich: „Was ist denn das Ziel der Maßnahmen?“

Aktuell würden alle auf eine wundersame Impfung warten. Es sei aber möglich, dass es gar keinen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 geben wird. Denn auch gegen SARS oder Mers gebe es bislang keinen Impfstoff – obwohl man seit 2003 daran arbeitet.

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Warum wird gegen andere Krankheiten nicht zu so drastischen Maßnahmen gegriffen?

Was ihn auch stutzig macht, ist die Tatsache, dass jährlich Millionen Menschen auch an anderen Krankheiten, der Konsumwirtschaft, dem Klimawandel, gewaltsamen Konflikten und anderen Vorkommnissen sterben. Doch warum werden dagegen keine so drastischen Maßnahmen unternommen, wie in der Corona-Krise? Er gibt zu bedenken, dass nicht nur das Virus menschliches Leid hervorrufe, sondern auch eine verheerende Wirtschaftskrise.

Und: Um Menschenopfer tatsächlich zu minimieren, müsse man „den Individualverkehr abschaffen. Wir müssten den Alkohol verbieten, dem nun alle mehr noch als sonst frönen. Aber das tun wir nicht. Und da zeigt sich die ganze Schizophrenie des gesamtgesellschaftlichen politischen Handelns heute“, betont Gabriel.

Obwohl viele Regierungen weltweit – auch die deutsche – es versäumt hätten im Anfangsstadium angemessen auf das Virus zu reagieren, würden genau diese Regierungen gestärkt aus der Krise hervorgehen, ist sich der Philosoph sicher.

Der Grund: „Die Leute haben Angst um ihr Leben“, so Gabriel. Und deshalb könnten die Regierung nun auch Reformen durchführen, die jahrzehntelang unmöglich schienen.

„Ein gutes Leben ist eines, in dem wir versuchen, das Gute zu tun“

Im Zusammenhang mit den derzeitigen Vorkommnissen und den scharfen Maßnahmen, die Regierungen den Bürgern verordnen, kommt der Philosoph darauf zu sprechen, was man als Individuum tun kann um „ein guter Mensch“ zu sein und „ein gutes Leben“ zu führen.

„Ein gutes Leben ist eines, in dem wir versuchen, das Gute zu tun. Das Gute ist das, was wir aus moralisch transparenten Gründen tun oder unterlassen sollen“, so der Professor. Ein guter Mensch sei man, „wenn die Einsicht in die Würde jedes Menschen handlungsleitend wird.“

Dabei nennt er ein Beispiel – nämlich das Verhalten eines Einzelnen beim Einkaufen. Wenn beispielsweise viele Menschen schon längere Zeit in der Schlange stünden, drängele man sich nach vorne, oder beschimpfe man womöglich gar einen anderen? Genau in solchen Alltagssituation würde sich zeigen, wer bereit sei „ein gutes Leben“ zu führen.

„Bewahren wir die Ruhe? Bleiben wir höflich? Nehmen wir uns selber ernst? Respektieren wir die anderen? Lassen wir anderen gar den Vortritt?“, fragt er. All diese Fragen könne man sich als Individuum stellen. Denn eines, so Gabriel, sei sicher: „Was im Supermarkt versagt, funktioniert auch sonst nicht!“

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.

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